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50 oder 60 km/h auf der Foerdestrasse? : Flensburg: Autofahrer in der Radarfalle

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Stadt-Blitzer nutzen ein umgeknicktes Tempo-Schild zum Abkassieren. Ein Betroffener spricht von Wegelagerei.

shz.de von
erstellt am 21.Sep.2015 | 16:44 Uhr

Flensburg | Es ist einer der wenigen schönen Tage dieses Sommers. Ein Tag, an dem der Fuß auf dem Gaspedal bei einigen Autofahrern etwas locker sitzt. Etwas zu locker. Wie bei dem 76-jährigen Psychologen Reiner Maue. Der Flensburger fährt mit seinem grauen Mercedes auf der Fördestraße in Richtung Glücksburg. Er ist zu schnell unterwegs. Zweifellos. Tempo 75 zeigt das Tachometer. Kurz vor dem Ortsausgang passiert es. Er gerät in eine mobile Blitzerkontrolle. Es ist 15.57 Uhr. Das Messgerät reagiert prompt.

Reiner Maue überlegt nicht lange, er wendet. Das Fahrzeug des Kontrolleurs entdeckt er auf dem parallel zur Straße verlaufenden Radweg. „Die Radarfalle hatte er“, so versichert Maue, „auf der Leitplanke platziert.“ Und noch etwas entgeht ihm nicht: Ein Verkehrsschild, das seit Jahrzehnten schon eine zulässige Geschwindigkeit von 60 Stundenkilometern kurz vor der Stadtgrenze anzeigt. So wie es auch in der Gegenrichtung der Fall ist.

Umso größer die Überraschung, als der Temposünder von der Verkehrsüberwachung im Rathaus einen Bescheid erhält, der eine zugelassene Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern zu Grunde legt. Das würde einen Punkt in der Verkehrssünderkartei des KBA bedeuten und eine empfindliche Geldbuße. Das will Maue nicht akzeptieren – er schaltet einen Anwalt ein.

Der formuliert den Widerspruch so: „Unser Auftraggeber bestreitet die Überschreitung der zulässigen Geschwindigkeit um 25 km/h, denn am fraglichen Tag war ein Geschwindigkeitsbegrenzungsschild von 60 km/h ersichtlich.“ Es habe sich aber nicht in der vorgeschriebenen aufrechten Position befunden, „sondern es lag – allerdings noch als solches erkennbar – neben dem Fahrradweg auf der Seitenbankette. Dies geschah nicht zufällig“.

Reiner Maue mit dem trügerischen Schild.
Reiner Maue mit dem trügerischen Schild. Foto: Dommasch
 

Was war passiert? Eine Tiefbaufirma hatte in den Wochen zuvor Erdarbeiten durchgeführt, das Schild ausgegraben – und nicht wieder aufgerichtet. Das bestätigt auch Stadtsprecher Clemens Teschendorf. Umso interessanter seine Schlussfolgerung: Die Beschilderung nämlich, belehrt er, sei ausschlaggebend, nicht aber das Gewohnheitsrecht. Wenn also das Schild entfernt worden sei, gelte auch die Geschwindigkeitsbegrenzung nicht. „Die Autofahrer hätten“, sagt Teschendorf, „nur 50 Stundenkilometer fahren dürfen.“ Fast alle Geblitzten hätten im Übrigen das Verwarngeld überwiesen und damit den Tatbestand ohne weitere Anhörung anerkannt. „Das ist jetzt rechtskräftig.“

Reiner Maue hat nicht gezahlt. Seinem Antrag, das Verfahren einzustellen (oder hilfsweise ein Bußgeld von 35 Euro zu entrichten), wurde stattgegeben. Eine Begründung wird nicht genannt. Nur so viel sagt Teschendorf: „Es wird immer individuell geprüft, ob ein Widerspruch begründet ist.“

Pech für die etwa 400 anderen Autofahrer, die nach Maues Recherchen „in die Falle getappt“ sind. Ein guter Tag aber für die Stadtkasse. Der Psychologe empfindet das Vorgehen der Stadt als „skandalöse Wegelagerei“. Denn er sehe überhaupt keinen Grund, gerade an einer Stelle Messungen durchzuführen, wo es überhaupt kein Gefährdungspotenzial gebe wie etwa an Krankenhäusern oder Schulen. „Der Streckenabschnitt ist mit Leitplanken, Unterholz und Gestrüpp abgegrenzt, kein Fußgänger kann hier die Fahrbahn überqueren.“ Nach Überzeugung Maues gehe es hier also um methodisches Abkassieren.

Das kann Clemens Teschendorf so nicht stehen lassen. Es gehe darum, sagt er, dass Autofahrer sich grundsätzlich an die Straßenverkehrsordnung halten müssten. „Da messen wir ab und zu auch mal an ungewöhnlichen Stellen.“

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