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Ehemaliges Motorola-Gelände : Flensburg: Aus für Holz-Hochhäuser beim TSB

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Stadt will jetzt konventionell bauen lassen und mit einem neuen Flächennutzungsplan an den Grünachsen knabbern.

shz.de von
erstellt am 10.Dez.2015 | 18:10 Uhr

Flensburg | Vor gut drei Jahren sollte in Flensburg ein Architektur-Rekord gebrochen werden. Berliner Architekten wollten an der Eckener-Straße das höchste Holzhaus der Welt bauen. Die Rede war von neuen Formen des Bauens und des Wohnens, Zielgruppe waren junge Familien, die nicht unbedingt das klassische Einfamilienhaus im Grünen suchten. Das Projekt kam jedoch nicht aus den Startlöchern, weil sich nicht genügend Interessenten fanden. Jetzt wurde es offiziell beerdigt: Der Vorhaben bezogene Bebauungsplan Nr. 43 wird aufgehoben.

Diese Aufhebung passt bei erstem Hinsehen nicht zur städtischen Wohnungsbaupolitik, die derzeit bestrebt ist, jede noch so kleine Baulücke in der Stadt flugs zu füllen. Doch es bleibt nicht bei der Aufhebung: Im gleichen Atemzug hat der Umwelt- und Planungsausschuss einen neuen Bebauungsplan für das frühere Motorola-Gelände neben dem TSB-Sportplatz auf den Weg gebracht. Jetzt soll hier konventionell gebaut werden, 60 Wohnungen könnten hier entstehen.

Die Stadt drückt beim Thema Wohnbebauung immer stärker aufs Gaspedal. Im Rathaus geht man davon aus, dass das Wachstum der Bevölkerung anhält und der Druck auf den Wohnungsmarkt hoch bleibt. Deshalb will der Chef der Stadtplanung, Peter Schroeders, jetzt die „Mutter aller Pläne“, den Flächennutzungsplan neu aufstellen. Und dabei will er zumindest teilweise von alten ehernen Prinzipien der Flensburger Stadtplanung abrücken. So sollen die Landschaftsachsen und Grünringe, die das gesamte Stadtgebiet durchziehen und umfassen, zwar grundsätzlich bleiben, aber – so deutete es Schroeders auf der jüngsten Ausschusssitzung an – womöglich nicht in den heutigen Ausmaßen. So könne er sich vorstellen, die Landschaftsachsen etwas schmäler zu machen und die „Siedlungszungen“ zu verlängern. Letzteres wäre denkbar an den Rändern der neuen Wohngebiete in Engelsby. Im Osten der Stadt gebe es mehr Potenzial als im Westen. Man könne „drei bis vier Gebiete herausfiltern“, so Schroeders, die möglichst schnell zu bebauen seien. Sodann seien schnell Verträge mit „Projektentwicklern“ abzuschließen.

Den Handlungsdruck leitet der Chefplaner unmittelbar von der hohen Zahl an Asylbewerbern ab, die „in der zweiten Hälfte 2016 auf dem Wohnungsmarkt“ sein werden. Schroeders: „Dann müssen sich die Kräne über den Baustellen drehen.“ Kurzfristig geht es um die Flächen in Tarup-Südost (Bebauungsplan 252), um die Eckenerstraße 28 (siehe oben) und um den Bereich Schwarzental in der Neustadt (wir berichteten). Doch bei der Suche nach Flächen werden auch wieder Kleingarten-Kolonien in den Fokus der Stadtplaner rücken. „Die muss man sich anschauen dürfen“, so Schroeders. Wichtig sei jedoch die „Wahrung der sozialen Funktionen“ der Kolonien.

Ein neuer Flächennutzungsplan werde zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen. Der aktuelle stammt vom Ende der 90er Jahre.

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