zur Navigation springen
Flensburger Tageblatt

18. August 2017 | 00:11 Uhr

ECMI : Flensburg als Ort für Sprachenrechte

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Europäische Minderheitenzentrum (ECMI) beteiligt sich an Instrument zum Schutz der Minderheitensprachen – und feiert 20. Geburtstag.

Der Autorenverband PEN International und diverse Nichtregierungsorganisationen beschlossen im Juni 1996 die Allgemeine Erklärung der Sprachenrechte. Nach dem Ort des Geschehens heißt dieses Dokument auch Barcelona Declaration. Es geht von Sprachgemeinschaften statt Staaten aus und tritt für das persönliche Recht auf den Gebrauch einer eigenen Sprache ein. Die Erklärung ist genauso alt wie das European Centre for Minority Issues (ECMI) in Flensburg – 20 Jahre. Die Regierungen von Dänemark, Deutschland und Schleswig-Holstein hoben die unabhängige und internationale Institution aus der Taufe.

Im Kompagnietor haben sich jetzt Vertreter der Basken, der dänischen, deutschen und friesischen Minderheit getroffen und an einem Protokoll zur Sicherung der Sprachenrechte gearbeitet. Dieses baut auf der Barcelona Declaration auf und soll als Instrument dienen, um die Gleichstellung von Sprachen zu sichern und ihre Entwicklung in einem schwierigen Umfeld zu unterstützen.

„Sie haben uns im vorigen Jahr eingeladen wegen unseres großen Netzwerks, und wir haben natürlich sofort zugesagt“, sagt Tove Malloy über die Initiatoren der Arbeit am Protokoll. Das sind die die diesjährige Kulturhauptstadt San Sebastian, die auf Baskisch Donostia heißt, und „Kontseilua“, ein Dachverband von 40 Organisationen für den Schutz der baskischen Sprache. Und zum Organisations-Komitee mit sechs Mitgliedern, darunter PEN International, zählt das ECMI.

Im Kontrast zu vielen anderen Dokumenten werde das Protokoll mehr „konkrete Maßnahmen“ enthalten und praktisch sein, kündigt Malloy an. Das fängt schon damit an, dass jeder auf einer Website (http://protokoloa.eus) Vorschläge einstellen kann, das heißt vor allem die Zivilgesellschaft gefragt ist. Die Einträge werden nach der Frist Ende Juni von Wissenschaftlern geprüft; ein Entwurf des Protokolls solle im Herbst vorliegen, sagt die ECMI-Direktorin.

Die Präsentation fällt schließlich zusammen mit den Feierlichkeiten zum Abschluss des Kulturhauptstadt-Jahres in San Sebastian/Donostia – und mit dem Fest zum 20. Geburtstag des Minderheitenzentrums im Dezember.

Die Medien, sagt die dänische Professorin Malloy, waren ein großes Thema der Diskutanten in dieser Woche in Flensburg. In der Grenzregion gebe es beispielsweise das Problem, dass die Minoritäten in den öffentlich-rechtlichen Medien nicht adäquat repräsentiert seien. So gebe es nur zwei dänische TV-Sender, die man in Flensburg empfangen könne, sagt Malloy, abgesehen von den Möglichkeiten, die das Internet biete. „So übernimmt man keine Verantwortung“, schließt sie sich der Kritik aus der Podiumsdiskussion über Sprachenrechte an.

Als herausragende Aufgaben bis zur Geburtstagsfeier Anfang Dezember nennt Malloy zum Beispiel die Fortführung der Sommerschulen, die dieses Mal ins ukrainische Lwiw/Lemberg führt, die Zusammenarbeit mit der Europa-Universität Flensburg („Wir unterrichten 15 Kurse“), die Mitwirkung an einer Roma-Policy mit dem Europarat („Eine Art Durchbruch“) und die Vollendung des dreijährigen Partnerschaft-Programms mit Weißrussland, Moldova und der Ukraine.

Und noch ein Höhepunkt zeichnet sich zum Jahresende für das ECMI ab: Dann endet turnusgemäß nach einem Jahr der Vorsitz Deutschlands bei der OSZE, der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Vor diesem Hintergrund hat das ECMI ein Projekt aufgelegt, das von Minderheiten als Brückenbauer ausgeht, erklärt Malloy. Umgesetzt werden soll es durch den Hohen Kommissar für nationale Minderheiten in Zusammenarbeit mit dem ECMI. Die Leitfrage untersucht, wie die Beziehungen zwischen Regierungen und nationalen Minderheiten Brücken bauen und Frieden im und zwischen Staaten schaffen können. Ergebnisse und Politik-Empfehlungen werden bei der Abschlussveranstaltung in Flensburg aufgezeigt.

zur Startseite

von
erstellt am 21.Apr.2016 | 19:09 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen