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Stadtfeste in Flensburg : „Flensburg Ahøj“ statt bunter Innenstadt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Termin für neues Hafenfest kollidiert mit dem des nicht kommerziellen Stadtfests, das es seit 2013 gibt – für 2018 ist dieses nun abgesagt

shz.de von
erstellt am 23.Okt.2017 | 06:15 Uhr

Das maritime Bürgerfest im Juli vor einem Jahr ging als „Sail ohne Segel“ in die Archive ein. „So nicht“, habe daraufhin eine Reihe Beobachter unabhängig voneinander beschlossen, sagt der Flensburger Tourismus-Chef Gorm Casper, und man wurde sich darüber einig, dass ein „hochwertiger“ Ersatz her müsse. Er habe das Heft in die Hand genommen und arbeite mit einer Schar von Akteuren – darunter Hochschulen, Phänomenta, Sportpiraten, Historischem Hafen, dänischer Minderheit – am Konzept für das neue Hafenfest „Flensburg Ahøj“. Bei der Terminfindung aber ging etwas schief. Nicht aus Gorm Caspers Sicht, jedoch aus der Perspektive der Veranstalter der „Bunten Innenstadt“.

Wie in den fünf Jahren zuvor, würde Flensburgs nicht kommerzielles Stadtfest nämlich wieder am letzten Sonnabend im Juni stattfinden. Doch womöglich fällt es 2018 aus. Ein Gespräch der beteiligten Veranstalter, um der Terminüberschneidung etwas abzugewinnen, brachte keine Lösung. „Wir haben ein völlig anderes Interesse“, sagt Marianne Chmielewicz, die für die Bunte Innenstadt spricht. Mehr als 100 verschiedene Teilnehmer – Vereine, Interessengruppen, aber auch einzelne Anbieter – zähle sie über die Jahre, die ihre kulturellen Angebote entlang der Fußgängerzone buchstäblich an die Menschen im Vorbeigehen herantragen. In diesem Juni hat beispielsweise wieder der Opernchor mitten in der Stadt gesungen, der Bücherbus geparkt und geöffnet, die neue Hofkita an einem Stand auf dem Holm mit kleinen und großen Passanten Badesalz hergestellt. Die Bunte Innenstadt finanziere sich hauptsächlich durch ehrenamtliche Mitarbeit, werde zudem unterstützt durch einen Zuschuss des Kulturbüros und durch Geschäfte der Innenstadt, die den Teilnehmern für den Tag Strom, Wasser oder sanitäre Anlagen zur Verfügung stellten.

„Das wird eine zweite, kleine Kieler Woche“, befürchtet Marianne Chmielewicz fürs neue Hafenfest, „das passt nicht zusammen.“ Denn zu ihrer Zielgruppe gehörten Menschen, die keine Berührung mit Musik, Theater und Tanz haben und auf der Flaniermeile der Bunten Innenstadt praktisch in die gesamte Palette an Angeboten hineinlaufen. An der Terminfindung kritisiert die Sprecherin der Bunten Innenstadt, dass eine „Bierschankvorrichtung in Schiffsform“ ausschlaggebend gewesen sein soll. „Ich wundere mich und nehme das hin.“

Das Bierschiff sei ein Grund, räumt Gorm Casper ein, aber einer von vielen, der die Terminwahl beeinflusst habe. Er konnte die Attraktion nur nach Flensburg holen, weil sie davor in der Nähe ist, und zwar auf der Kieler Woche. Am Wochenende darauf sei der umgebaute Dreimaster schon wieder für Süddeutschland gebucht. Es werde weitere „besondere Angebote geben, die man noch nicht gesehen hat“, verspricht er.

Der Geschäftsführer der Tourismusagentur Flensburger Förde (TAFF) argumentiert zudem mit den Spielen der Fußball-Weltmeisterschaft und dem Termin der Sommerferien, die am ersten Juli-Wochenende beginnen. Dann seien die Flensburger weg und die Idee hinfällig, „Kinder aufs Wasser zu bringen“ beim Mitsegeln. Ursprünglich, so ergänzt Casper, sollte Flensburg Ahøj sogar über zehn Tage laufen. Doch nachdem mehrere Akteure Bedenken vortrugen, habe man sich nun auf eine Dauer von vier Tagen verständigt, vom 28. Juni bis zum 1. Juli. „Wir heben uns in der Qualität ab“, kündigt Gorm Casper an und verweist auch auf einen gemeinnützigen Ansatz seines neuen Hafenfests, das weder eine zweite Nautics oder Rum-Regatta werden und alle zwei Jahre stattfinden soll. Es gebe kein Riesenrad, werde kein Volksfest, sondern ein maritimes Kulturfest mit dem Arbeits- beziehungsweise Untertitel „Flensburg zeigt, was Flensburg hat“. Das Bühnenprogramm sollen Flensburger Bands bestreiten, die Sportpiraten zeigen BMX-Vorführungen, die Vereine stellen sich vor, der historische Hafen werde sich präsentieren, und er hoffe, sagt Gorm Casper, dass das Nydamboot komme. „Es geht um Kultur, viel um Mitmachen, nicht um Kommerz“, das sei der Ansatz, betont der Tourismus-Chef. Er rechnet mit einer Mindestinvestition von 200  000 Euro und vielen zehntausenden Besuchern.

Als er die Terminüberschneidung bemerkte, habe er Vertreter der Bunten Innenstadt eingeladen. „Sie sahen nicht die Schnittmenge“, bedauert Casper, und auch nicht, dass beide Feste voneinander profitieren könnten. Marianne Chmielewicz von der Bunten Innenstadt sieht das Credo der Oberbürgermeisterin unterlaufen, die gesagt habe, Angebote, Veranstaltungen sollen sich ergänzen, nicht überschneiden. Die Zusammenführung der beiden zu unterschiedlichen Feste sieht Marianne Chmielewicz nicht; sie bleibt gleichwohl gesprächsbereit.

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