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Nazi-Symbole? : Flensburg: Ärger über finnische Runen-Flieger

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Anwohner der Flensburger Nikolaiallee sind empört über finnische Flugzeuge mit Hakenkreuzen im deutschen Luftraum.

shz.de von
erstellt am 09.Aug.2014 | 08:45 Uhr

Sie leben in einer Einflugschneise. Franziska und Hans Basselli sind Fluglärm gewöhnt – bisweilen steuern Maschinen in gefühlten 100 Metern Höhe den Flugplatz Schäferhaus an. Dennoch wohnt die Familie, die vor einigen Jahren von Luzern an die Förde kam, mit ihren drei Kindern gern in der Naturidylle an der Nikolaiallee.

Am letzten Dienstag erneut ein Landeanflug. Doch diesmal wollte Hans Basselli nicht glauben, was er sah. Zwei Oldtimer ratterten über das Holzhaus – einer davon mit einem großen Runensymbol an der Seite. Für den 60-Jährigen gab es nur eine Assoziation: das Hakenkreuz. „Ich war schockiert. Alles in mir empörte sich dagegen.“ Ein Nazi-Emblem im deutschen Luftraum – undenkbar. „Eine Schande“, schimpft der Sozialpädagoge, „dass so etwas möglich ist. Schließlich sind unter diesem Symbol Menschen millionenfach umgebracht worden.“

Basselli erstattete Anzeige bei der Polizei. Dort habe es wenig später geheißen: kein Handlungsbedarf. Es greife nicht das Verbot der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, das mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft wird. In Paragraf 86a (Strafgesetzbuch) heißt es: „Kennzeichen ... sind namentlich Fahnen, Abzeichen, Uniformstücke, Parolen und Grußformen.“ Und: „Den ... genannten Kennzeichen stehen solche gleich, die ihnen zum Verwechseln ähnlich sind.“

Eine Nachfrage bei der Luftsicherheitsbehörde in Kiel ergab, dass es sich offenbar um eine „Hawker Hurricane“, ein britisches Jagdflugzeug von 1937 mit finnischer Original-Lackierung, auf dem Weg zu einem Oldtimertreffen handelte. Es soll eine englische Besatzung an Bord gewesen sein. Zwischenstopp Flensburg. Auftanken. Weiterflug. „Kein Problem“, heißt es auf Tageblatt-Nachfrage aus dem Umfeld des Flughafens. „Nirgendwo auf der Welt regt sich jemand drüber auf – nur in Deutschland.“

Derartige Maschinen finden sich auch im „Finnish Air Force Museum“. Dort wird erläutert: Blaue Swastika, also Kreuzsymbole, seien seinerzeit auf die Flächen des ersten Flugzeugs der finnischen Luftwaffe gemalt worden. Die von der finnischen Luftwaffe von 1918 bis 1945 benutzten Hoheitszeichen hätten „keine Verbindung mit den deutschen Nazi-Hakenkreuzen, die auf Flugzeugen schwarz waren und auf der Spitze standen“.

In frühgeschichtlicher Zeit fand das Urzeichen Verwendung als Schmuckelement in Asien, bei den Germanen und Kelten. Es galt als Heilssymbol, als Glücksbringer. 1920 mutierte das Hakenkreuz unter Adolf Hitler zum zentralen, todbringenden Symbol der NSDAP. Nach Kriegsende wurde es vom Alliierten Kontrollrat verboten und auch aus den Emblemen der finnischen Streitkräfte wegen der optischen Nähe zum nationalsozialistischen Hakenkreuz entfernt.

Auch für Hans Basselli ist das Kreuz untrennbar mit der NS-Zeit verknüpft. Er ist hochgradig sensibilisiert in Fragen, die diese Thematik betreffen. Schon als Jugendlicher war er in der Friedensbewegung aktiv, später widmete er sich der Gewaltprävention in Kindergärten und Schulen. Er wurde in seiner Schweizer Heimat mehrfach von Rechtsradikalen an Leib und Leben bedroht. „Das steckt tief in mir drin“, sagt der Flensburger. „Und was ich gesehen habe, ist nicht zu tolerieren.“

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