Brandhaus Katharinenstraße : Flammentod wegen Stromsperre?

Experten des Landeskriminalamtes – hier im Treppenhaus des Brandhauses – fanden keine Hinweise auf technisches Versagen oder Drittverschulden.
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Experten des Landeskriminalamtes – hier im Treppenhaus des Brandhauses – fanden keine Hinweise auf technisches Versagen oder Drittverschulden.

Die Experten fanden keine Hinweise auf technische Fehler. Der Energieversorger hatte den Strom abgestellt.

shz.de von
20. Juni 2014, 18:00 Uhr

Der tragische Flammentod eines 44-jährigen Flensburgers in einer Dachzimmerwohnung in der Katharinenstraße ist so gut wie geklärt. Ermittlungen zur Brandursache durch das Kieler Landeskriminalamt und Ermittlungen der Spurensicherung der Flensburger Kripo führten zu Puzzleteilen, die wenigstens einen Teil des Geschehens am Montagabend erklärbar machen.

Offenbar hatte der 44-jährige Bewohner seine Wohnung gegen 2 Uhr früh unabsichtlich selbst in Brand gesetzt. Nach Angaben von Polizeisprecher Matthias Glamann konnten die vier Experten, die gestern in den verkohlten Trümmern der Zwei-Zimmer-Wohnung nach der Brandursache forschten, einen Fehler in der Elektroinstallation des Hauses ausschließen. Rauchmelder in Haus und Wohnung seien ausreichend vorhanden gewesen und wurden regelmäßig gewartet. Auch für einen kriminellen Hintergrund – etwa Brandstiftung – gebe es keinerlei Hinweise. Eine Erklärung für den Wohnungsbrand, bei dem der 44-Jährige eine tödlich toxische Rauchgasvergiftung erlitt, ergibt sich möglicherweise aus dem, was in der Wohnung zur Brandzeit gar nicht vorhanden war: Strom.

Glamann bestätigte auf Anfrage, dass der Energieversorger dem Bewohner seit einiger Zeit wegen säumiger Abschlagszahlungen den Strom gesperrt hatte. Weil die Spurensicherung auch keinerlei Hinweise auf das Vorhandensein von Brandbeschleuniger gefunden habe, sei ein tragischer Unglücksfall wahrscheinlich. Denkbar, dass der 44-Jährige eine oder mehrere Kerzen als Lichtspender benutzt habe, die den verhängnisvollen Brand in Gang setzten, während der Mann schlief. Die Fundsituation in der Brandnacht stützt diese Hypothese. Als die Feuerwehr die Eingangstür im dritten Stock erreicht hatte, war sie von innen verschlossen und musste mit einem Beil gewaltsam geöffnet werden. Gleich dahinter fanden die Retter den Schwerverletzten bewusstlos, aber noch lebend. Er hatte den Weg aus der Flammenhölle seiner Wohnung in den Flur nicht mehr geschafft. Es gelang zwar, ihn zu reanimieren, aber die Verbrennungen 3. Grades und die Rauchvergiftung überlebte er nicht lange. Er starb am Dienstagmittag in der Intensivstation der Diako.

Für die mysteriösen Fehlalarme, die vor dem Brand drei Mal die Feuerwehr wegen angeblichen Brandgeruchs und Rauchnebels in den Bereich des späteren Unglückshauses führte, fanden die Experten keine Erklärung. „Genaueres“, so Matthias Glamann, „wird man erst mitteilen können, wenn das LKA-Gutachten vorliegt.“

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