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Kommunalwahl : Fitness-Training für das allererste Mal

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Wie Jungwähler sich im Politik-Unterricht auf die Kommunalwahl vorbereiten.

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2013 | 07:38 Uhr

Flensburg | Timo Räker hatte seiner 11c eine besondere Multiple-Choice-Aufgabe mitgebracht. Und weil diese Ankreuz-Aufgabe immerhin acht mögliche Lösungen bereithält, gab der Wirtschafts- und Politiklehrer der Auguste-Viktoria-Schule noch ein paar sachdienliche Hinweise: Man dürfe lediglich ein Kreuzchen machen, das Kreuz müsse eindeutig sein - und keinesfalls dürften auch dem Blatt mit den acht Kreisen auf der rechten Seite zusätzliche Kommentare vermerkt werden, nach dem Motto: Diesen Kandidaten möchte ich nur wählen, wenn die Umsatzsteuer sinkt. "All dies würde den Wahlzettel ungültig machen, zumal die Umsatzsteuer ja gar keine kommunale Steuer ist", sagt Räker.

Der Lehrer hat im dichtgedrängten Lehrplan des extrem kurzen Schuljahres einen dreiwöchigen Exkurs für das Thema Kommunalwahl freigeschlagen. "Beachten Sie die Wahlgrundsätze allgemein, frei, gleich und geheim", sagt Räker mit Blick auf die Wipo-Stunde der Vorwoche. Die insgesamt knapp 100 Elftklässler der AVS gehören zu jenen mehr als 2000 Erstwählern unter den rund 70 000 Wahlberechtigten in der Stadt, die am Sonntag in drei Wochen ihre Stimme abgeben dürfen - sofern sie in Flensburg wohnen : "Sie haben nur eine Stimme, im Kreis ist das zum Teil anders", erklärt der Lehrer weiter.

Der 11. Jahrgang der AVS mit Lehrer Räker macht mit bei der Aktion "Die Zeitung gibt Jungwählern eine Stimme". Georg Konstantinow, der beim Tageblatt das Projekt "Zeitung in der Schule" (Zisch) betreut, erklärt die Idee der Aktion: "Ausgehend von den Programmen der Parteien können Sie fragen: Was können Politiker für mich tun? Und: Welches sind meine Bedürfnisse als 17-Jähriger?"

Gerade in Flensburg kämpft die Politik um eine höhere Wahlbeteiligung. Bei der letzten Kommunalwahl vor fünf Jahren beteiligten sich gerade einmal 40 Prozent, bei der Oberbürgermeisterwahl sogar nur noch rund ein Viertel.

Mit acht iPads des Zisch-Redakteurs machen sich die Jugendlichen auf die Suche nach programmatischen Aussagen der Parteien im Internet. Die Aufgabe des Lehrers: Sie sollen sie mit den acht Punkten der gerade beschlossenen Flensburg-Strategie vergleichen. Bei der Suche im Internet gibt es so manches Aha-Erlebnis. "Ich wusste nicht, dass die CDU die Strände attraktiver machen möchte", erklärt Jan Niklas seinen Fund. Bei anderen Parteien gestaltet sich die Suche nach dem Kommunalwahlprogramm schwierig. Klar wird zudem: Parteien, die überregional durch das Fernsehen präsenter sind, haben bei den Jugendlichen womöglich einen Vorteil, weil sie bekannter sind.

Der - geheime - Ankreuztest indes bringt ein überraschendes Ergebnis: Absolute Mehrheit für die Grünen, vor SPD und CDU. Aber die Schüler lernen ja noch.

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