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Flensburger Tageblatt

19. August 2017 | 22:56 Uhr

Fischzerlegen im Sekundentakt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

100 Jahre nach der Einführung der Fließbandproduktion durch Henry Ford setzt die Fischfabrik Vega Salmon auf die Technik von damals

Einen Gang bei der Arbeit herunterzuschalten, kann sich Mihaela Lakaschus nicht leisten. Fast im Sekundentakt kommt ein neues Lachsstück auf dem Fließband bei ihr vorbei. Die Produktionshelferin der dänischen Fischfabrik „Vega Salmon“ im Gewerbegebiet Flensburg/Handewitt greift sich jedes Lachsstück einzeln mit der Hand. In Windeseile entfernt sie mit einer Pinzette letzte Rückstände.

Immer und immer wieder die gleichen Handgriffe – es ist eine eintönige Arbeit, die Mihaela Lakaschus verrichtet, Fließbandarbeit eben. „Daher wechseln unsere Mitarbeiter nach anderthalb bis zwei Stunden ihren Platz, um nicht abzustumpfen“, berichtet Michaela Zültzke aus der Vega-Salmon-Leitung.

Das dänische Unternehmen ist eines von ganz wenigen Betrieben in der Region, bei dem die Produktion überwiegend am Band verrichtet wird – und das auch exakt 100 Jahre, nachdem Henry Ford die Fließbandfertigung für die Automobilindustrie einführte und ihr so zum Durchbruch verhalf. Doch veraltet sei diese Produktionsweise deshalb keineswegs, findet Zültzke. „Ohne Fließband könnten wir bei weitem nicht so effektiv und schnell arbeiten.“ Täglich werden zwischen 50 und 60 Tonnen Lachs und Lachsforelle, vorwiegend aus Norwegen, auf rund 12 000 Quadratmetern Fläche verarbeitet.

„Die Fische kommen eisgekühlt und ausgeweidet hier an“, erklärt Michaela Zültzke. „Bei uns werden sie gewaschen, zerlegt und verpackt – und wandern dann direkt in den Handel.“ Der Produktionsprozess, an dem rund 175 Mitarbeiter beteiligt sind, laufe von Anfang bis Ende nur in eine Richtung ab.

Das bekommt auch Bernd Lumbek zu spüren. Er ist einer der rund 175 Beschäftigten in der Produktion und Teil der Produktionskette und packt die Fischstücke auf Gitterroste. Anschließend kommen sie für sechs bis acht Stunden in die Räucherkammer. „Ich habe mich relativ schnell an die monotone Fließbandarbeit gewöhnt“, sagt der 58-jährige Großenwieher. „Aber für die jüngeren Kollegen ist die Arbeit hier recht langweilig.“

Diesen Eindruck erweckt sein Kollege David Mendoza nicht. Der Mexikaner ist nur einer von zahlreichen Ausländern bei Vega Salmon. „In der Produktion haben wir nur zehn Deutsche beschäftigt“, sagt Zülzke. Bedauerlich findet sie dies nur bedingt. „Wir wollten vor allem Bürger aus der Region einstellen und haben dafür auch gut mit der Flensburger Arbeitsagentur zusammengearbeitet.“

Von den 80 Personen, die mit einem Praktikum in das Unternehmen reinschnupperten, sind fast alle abgesprungen. „Sie störten sich an den Arbeitsbedingungen am Fließband.“ Dazu gehören dauerhaftes Stehen, Raumtemperatur von 12 Grad und weniger und leichter Fischgeruch in der Luft.

Lange nach Mitarbeitern brauchte Vega Salmon aber nicht zu suchen. „Gerade aus Polen, Rumänien, Lettland und Litauen haben sich etliche Arbeiter bei uns gemeldet und teilweise noch Verwandte mitgebracht“, sagt Zülzke. Doch so schnell wie sie kommen, seien auch etliche von ihnen wieder verschwunden. „Das geht dann von heute auf morgen, Kündigungsfristen interessieren sie nicht.“

Darüber kann Zültzke mittlerweile aber schmunzeln. Denn die osteuropäischen Arbeiter seien untereinander so gut vernetzt, dass sie selbst schnell für personellen Nachschub sorgen. Und egal wer komme, hervorragende Arbeit leisten sie alle. „Viele von ihnen haben zuvor in Schlachtbetrieben gearbeitet und haben sich hier sehr schnell eingearbeitet“, berichtet Zültzke. Ein Ausbildungsberuf sei die Fließband-Tätigkeit nämlich nicht.

Dafür einer mit vergleichsweise ordentlichen Verdienstmöglichkeiten für die Arbeiter. Zültzke betont: „Einsteiger bekommen 8,50 Euro pro Stunde, nach der Probezeit gibt es 9,50 Euro – das liegt über dem Mindestlohn.“ Dies liegt nicht zuletzt an der hohen Produktivitätsrate, ermöglicht durch die Fließbänder. Das weiß auch Mihaela Lakaschus – und lässt sich am Band nicht einmal für ein Foto in ihrer Konzentration stören.

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erstellt am 13.Jan.2014 | 15:18 Uhr

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