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Historischer Hafen in Flensburg : Fischbrötchen vom Hafenmeister

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bens Bude auf dem Flensburger Bohlwerk ist fast schon legendär, dabei gibt es sie erst seit 2008. Auch Promis schmeckt's.

Flensburg | Comiczeichner Brösel war mal da, die Männer von Santiano sowieso und Gregor Gysi. Der sei so klein, dass er kaum über die Kante gucken konnte, erinnert sich Ben. Seine „Fischbrøtchen“, die er seit sieben Jahren aus dem Häuschen auf dem Bohlwerk verkauft, haben eine gewisse Popularität erlangt. Das ist auch so gedacht, war aber nicht immer so.

Historisch? 1980 wurde die alte Hafenstadt Flensburg mit ihrer Zukunft infiziert. Mit der Besetzung des Bohlwerks starteten einige wenige Eigner längst ausgemusterter Gaffelsegler an zentraler Stelle eine Entwicklung, die Flensburgs Hafen erfolgreich über einen tief greifenden Strukturwandel hinweg tragen sollte: 20 Jahre danach hatte der Hafen nämlich die Marine und die touristisch ergiebige und Hafenbild-prägende Passagierschifffahrt verloren. Was blieb, waren leere Liegeplätze an den Kais – zum Glück aber blieb am Bohlwerk auch das hölzerne Kapital der maritimen Vergangenheit, das sehr bald eine gute Rendite erwirtschaften sollte. Mit der Gründung der gemeinnützigen GmbH Historischer Hafen Flensburg wurde 2008 der jüngste und auch wichtigste Schritt vollzogen, in einem einzigartigen Ensemble lebhafte maritime Geschichte zu zeigen. Die Serie Historischer Hafen Flensburg stellt in lockerer Folge die Akteure dar.

In seinem Hinterkopf geisterte die Option schon lange herum: Wenn er sich beruflich verändern müsste, würde er Fischbrötchen verkaufen, wie er sie bei Fritz in Dagebüll kennen gelernt hatte. Als Lehrling hat er gegenüber gewohnt und sich praktisch von Matjes ernährt, den er vorher nie mochte. Mancher Hamburger soll tütenweise davon mitgenommen haben. In Dagebüll hat Ben, der auch einen Nachnamen hat, und zwar Heinrich, Hotelfachmann gelernt. 1992 habe er seine Heimat Greifswald verlassen, denn in Vorpommern waren die Lehrstellen knapp, sagt der heute 40-Jährige. Schleswig-Holstein war naheliegend, erklärt Ben, auch weil ihm das Wasser so wichtig sei. Dennoch brauche er hin und wieder Abstand. Den bekommt er auf Rundreise durch Kuba oder Radtour durch Vietnam. Das macht den Kopf frei.

Als er 1995 nach Flensburg kam, habe er sich gewundert, dass es hier keine Fischbrötchenkultur gab. „So eine Fischbrötchenbude wie bei Fritz würde laufen“, wusste Ben und, warum. Seine Inspiration besaß auch eine Bäckerei und hat die entsprechend leckeren Baguettebrötchen über einem Grill mit Flamme live fertig gebacken. Es dauerte noch einige Jahre, bis aus der ursprünglich als Wachhaus geplanten Hütte die Fischbude wurde. Der erste Schritt war Bens Eintritt in den Verein Museumshafen vor zehn Jahren und der zweite ein vorsichtiges Vorfühlen beim Vorstand, wie man denn so zu Bismarckhering im Brötchen stehe. Die Zustimmung lag bei 100 Prozent, sagt Ben. Nach dem ersten Job im Deutschen Haus, einem Jahr auf Sylt und der Restaurant-Leitung im Columbus stand für ihn tatsächlich eine Veränderung bevor, und er fing an, sich durch das Genehmigungsverfahren zu boxen.

Dann folgte der Probiermarathon – sowohl bei Bäckereien als auch Fischhändlern. „Früher gab es am Hafen eine Räucherei neben der anderen“, weiß Ben aus Erzählungen. Er landete bis zu dessen Ruhestand bei „Fisch Boldt“ und wurde danach in Maasholm fündig. Und die besten Brötchen für seine Zwecke kommen aus Wees. Der ganze Aufwand sei es wert.

„Nebenbei bin ich hier Hafenmeister“, sagt der Greifswalder und kümmert sich vor allem um die Gastsegler. Im Verein ist er nach einer Pause wieder Schatzmeister und hält die Vereinsarbeit für „extrem wichtig“ für die Entwicklung des Museumshafens. Der soll ein Anziehungspunkt sein und bleiben. Nächtlicher Vandalismus sei aber immer noch ein Problem, an dessen Lösung die Mitglieder arbeiten. Inzwischen gebe es sogar wieder ein Vereinsheim im Herrenstall, Gäste sind willkommen.

Am Wochenende hat Ben das letzte „Fischbrøtchen“ der Saison geschmiert und zugleich den ersten Punsch ausgeschenkt. Selbst gemachten, versteht sich. Diesen gibt’s wieder ab dem 23. November, wenn der Weihnachtsmarkt eröffnet. Auf Fischbrötchen müssen Liebhaber bis März warten.

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erstellt am 03.Nov.2015 | 11:00 Uhr

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