Kinodrama "Der Schatten" : Fischbrötchen für Filmstars

Flensburg als Kinokulisse: Kieron Freigang (Mitte) als Gunnar Thomsen und  Ralf Richter (links) als Gunnars Chef standen am Wochenende für 'Der Schatten' vor der Kamera. Foto: Staudt
Flensburg als Kinokulisse: Kieron Freigang (Mitte) als Gunnar Thomsen und Ralf Richter (links) als Gunnars Chef standen am Wochenende für "Der Schatten" vor der Kamera. Foto: Staudt

Drehstart an der Förde: Flensburg ist die Kulisse für das Kino-Drama "Der Schatten". Regisseur Peter Heinz will mit seinem Film über Jugendgewalt die Augen öffnen.

shz.de von
25. Oktober 2011, 03:39 Uhr

Flensburg | Peter Heinz hat "seinen Dickkopf durchgesetzt", sagt er selbst. Flensburg soll die Kulisse für seinen Kinofilm sein und Ort der Premiere im Juni oder Juli des nächsten Jahres. Nicht Hamburg, nicht Berlin. Nach langer Vorbereitung haben am Wochenende die Dreharbeiten für das Drama "Der Schatten" am Ostufer begonnen.
"Ihr habt ja ein Glück mit dem Wetter", bemerkt ein Bauarbeiter und überlässt der Film-Crew die Baustelle als Drehort am Ballastkai. Dort, wo gerade das Wohn- und Geschäftsgebäude namens "Klarschiff" errichtet wird, fallen die Klappen für drei Szenen in diversen Einstellungen. Möwen kreischen, Maschinen surren, die Sonne strahlt auf himmelblauem Untergrund; bitterkalt ist es trotzdem. Regisseur Peter Heinz in Ski-Hose sagt: "Und bitte." Eine Kamera fährt auf Schienen von links nach rechts, fängt Fördeblick und Westufer ein, hält schließlich auf die Darsteller Ralf Richter und Kieron Freigang.
Richter in der Rolle als Chef und in Bauarbeiter-Karos stützt sich auf eine Thermoskanne und erklärt dem jungen Kollegen Gunnar Thomsen, was Frauen und Wein gemein haben. Seine Rolle sei die eines "väterlichen Freundes", erläutert der Schauspieler, der in Köln lebt, seine Beziehung zum jungen Mann im Film. "Er redet auf ihn ein, ist eine Schlüsselfigur, und Gunnar nimmt sich das zu Herzen." Dieser wiederum gehört in eine dreiköpfige Gruppe gewaltbereiter Jugendlicher. "Eine Blitzbirne ist er nicht. Er ist der Mitläufer, hat am meisten Skrupel", beschreibt sein Darsteller Kieron Freigang die Rolle des Gunnar. Der 30-jährige Hamburger erinnert sich entrüstet an ein eigenes Erlebnis, als in einer Bar ein harmloses Missverständnis um Wechselgeld aus dem Nichts eskalierte und Dritte zuschlagen ließ. Wenn sogar Zivilcourage niedergeprügelt werde, sei das ein Grund zur Besorgnis, sagt Kieron Freigang.
Bis zu 600 Statisten aus der Region

Regisseur Peter Heinz will mit seinem Film die Augen öffnen. Wenn es ihm mit "Der Schatten" gelänge, nur ein paar Jugendliche auf den rechten Weg zu bringen, sei schon viel gewonnen. Für Darsteller Ralf Richter sind "heftige Stoffe" genau das Richtige. Der 54-Jährige, dessen Karriere mit "Das Boot" an Fahrt aufnahm, lobt die gute Story und Flensburg als Drehort. Von Hamburg sehe man stets die gleichen Bilder, das sei "langweilig, auch wenns schön ist". Die frische Luft, der konzentrierte Dreh machen hungrig: Die Darsteller wünschen sich Fischbrötchen zum Mittag.
Harter Stoff, harte Arbeit: Zwei Jahre investiert Peter Heinz in die Low-budget-Produktion, sieben Tage die Woche, 14 bis 16 Stunden. "Qualitativ mache ich keine Kompromisse", betont er und kündigt die Ankunft hochmoderner Filmtechnik aus den USA an. Förderung gibt es für das deftige Drama nicht, Förderer und Hilfsbereite umso mehr. "Flensburg ist eine schöne Stadt", schwärmt Heinz, der durch familiäre Bande an der Förde verwurzelt ist. Gedreht werde bis Dezember überwiegend in Flensburg, etwa in der Fußgängerzone, auf dem Friedenshügel, im Scandinavian Park und im Porticus, aber auch auf den Ochseninseln.
Sämtliche Behörden der Stadt kämen der Crew entgegen - Peter Heinz beschreibt das Arbeiten auf dieser Basis als "extrem angenehm". Und Unternehmen unterstützen die Filmcrew materiell wie finanziell, verrät ein dankbarer Regisseur und nennt einen Flensburger Autohändler, der Fahrzeuge gestellt hat. Mit Marketing-Aktionen auf der Film-Internetseite und bei Facebook lässt Peter Heinz am Dreh-Geschehen teilhaben. Menschen aus der Region werden zudem im Film zu sehen sein: "Es gibt Szenen, da werden bis zu 600 Statisten arbeiten." Und noch etwas lässt Regisseur Heinz durchblicken, der nicht zu viel des Inhalts vorwegnehmen will: "Die Figur des Schattens ist eine Frau."

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