Dienstwagen-Affäre : FFT-Chef macht Auto-Geschäft mit sich selbst

Im roten Bereich? Tourismus-Chef Finn Jensen muss einen seltsamen Auto-Deal erklären, bei dem ihn Aufsichtsrat und Verwaltung unterstützten Foto:  sh:z
Im roten Bereich? Tourismus-Chef Finn Jensen muss einen seltsamen Auto-Deal erklären, bei dem ihn Aufsichtsrat und Verwaltung unterstützten Foto: sh:z

Finn Jensen verkaufte seinen alten Audi an Flensburg Fjord Tourismus - zu einem überhöhten Preis und über eine Strohfrau.

shz.de von
28. Juni 2013, 08:10 Uhr

Flensburg | Er macht Urlaub. Aber so richtig erholsam dürften die schönsten Wochen des Jahres für Flensburgs Tourismus-Chef Finn Jensen nicht werden. Der Geschäftsführer der Flensburg Fjord Tourismus (FFT) droht von einer Dienstwagen-Affäre überrollt zu werden. Nach einem Bericht des Rechnungsprüfungsamtes der Stadt hat der Privatmann Jensen nämlich seinen betagten privaten Audi A6 an Recht und Gesetz vorbei an die von ihm geleitete FFT verkauft. Zu einem überhöhten Preis - und über eine Strohfrau. Was die Sache nicht besser macht.
Nachdem Wirtschaftsprüfer Unregelmäßigkeiten bei der städtischen Tochter entdeckt hatten, beauftragte die Stadt als Gesellschafterin Anfang des Monats das Rechnungsprüfungsamt (RPA) mit der Untersuchung des ein Jahr zurückliegenden Autokaufs. Knapp drei Wochen später kamen die ersten Fakten auf den Tisch. Mit dem Deal verstieß Jensen nicht nur gegen Dienst- und Gesellschaftervertrag, sondern auch gegen das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB), urteilt das RPA in einem vorläufigen Bericht. Das BGB ist im Paragraphen 151 eindeutig. Geschäfte mit sich selbst sind dem Geschäftsführer einer Gesellschaft verboten.

Geldwerter Vorteil von 5150 Euro

Die RPA-Prüfer rügten gleich eine Reihe von Details. Da war zunächst der Umstand, dass der neue FFT-Dienstwagen (Baujahr 2002) mit zweiter Maschine immerhin schon 379.000 Kilometer auf der Uhr hatte und mit einem Verkaufspreis von 8500 Euro deutlich über den 3000 bis maximal 5000 Euro liegt, die laut Schwacke-Vergleichsliste normalerweise erzielt werden. Und weil der Audi kurz nach seinem Verkauf zu allem Überfluss auch gleich noch eine Reparatur für 2348,29 Euro hatte, wird Finn Jensen seitens des Amtes ein geldwerter Vorteil von 5150 Euro angerechnet. Zu diesem Zeitpunkt, war der Audi übrigens bei einer Flensburgerin "geparkt", die vom RPA klipp und klar als "Strohfrau" bezeichnet wird. Diese Person sei vertraglich verpflichtet gewesen, den Wagen zwei Wochen nach dem Kauf an die FFT weiterzuverkaufen - für besagte 8500 Euro.

Gut möglich, dass Jensen bei diesem Manöver nicht allein unter die Räder kommt. Der Aufsichtsrat unter dem Vorsitz von Hans-Hermann Laturnus und auch die zentralen Dienste der Stadt spielen in der RPA-Analyse ebenfalls keine besonders ruhmreiche Rolle. Es gibt Hinweise darauf, dass der Deal gemeinsam und einvernehmlich eingefädelt wurde, um eine Jahresgratifikation zu kompensieren, auf die Jensen wegen der schlechten Kassenlage Ende 2011 freiwillig verzichtet hatte. Das ist Gesprächsvermerken zu entnehmen, die das RPA auswertete. Jensen habe zwar zwischenzeitlich eigenmächtig den Verkauf in die Wege geleitet, aber der Aufsichtsrat habe den gesetzeswidrigen Deal nachträglich abgesegnet - ohne die erforderliche Genehmigung der Gesellschafterin einzuholen. Als Beteiligte der Dienstwagen-Affäre nennt das RPA neben Jensen den Aufsichtsratsvorsitzenden Laturnus, die städtische Beteiligungssteuerung und die Rechtsabteilung.

Jensen: "Ich muss und werde zu der Sache stehen"

Und Finn Jensen? Finn Jensen ist reumütig. "Ich habe das alles ohne böse Hintergedanken gemacht", sagt er. "Der FFT ist kein Schaden entstanden", widerspricht er dem Bericht, der ja noch vorläufig sei. "Ich gehe davon aus, dass einige Vorwürfe zu entkräften sind." Aber kein Zweifel: In der Geschäftswagen-Affäre steht er jetzt extrem blöd da. "Da machst Du zwölf Jahre gute Arbeit und dann kommt ein einziger dummer Vorgang. Aber keine Frage: Ich bin der Geschäftsführer und trage die Verantwortung, als solcher muss ich mit den Konsequenzen leben. Ich muss und werde zu der Sache stehen."
Verwaltungssprecher Clemens Teschendorf geht davon aus, dass es zu einer schnellen Entscheidung kommt. "Allen Beteiligten muss aber noch Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben werden. Erst dann können wir von Konsequenzen reden. "

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