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Hotel-Planung in Flensburg : FFG: Lärmgutachter vergaß die Panzer

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die umstrittene Hotel-Planung am Brauereiweg in Flensburg musste einen weiteren Wirkungstreffer einstecken.

Flensburg | Erst schwindet mit der CDU die Mehrheit – und jetzt schwächelt auch noch das Gutachten. Die umstrittene Hotel-Planung am Brauereiweg musste am Dienstag einen weiteren Wirkungstreffer einstecken. Das städtische Lärmschutzgutachten, das die Verträglichkeit von Industrie und Hotelbetrieb uneingeschränkt positiv beantwortete, hat anscheinend einen wesentlichen Gesichtspunkt ausgeblendet: Die Panzer. Bis zu 70 Tonnen schwer, 1500 PS stark, angetrieben durch wuchtige Zwölf-Zylinder-Diesel – und zu Testzwecken regelmäßig vor der Haustür unterwegs. Eine von der FFG in Auftrag gegebene Expertise dürfte für neue Diskussionen sorgen.

Das Traditionsunternehmen ist erklärter Gegner des Hotelprojektes. Das Hotel würde direkt auf dem Nachbargrundstück des Betriebes mit Blick auf die Teststrecke entstehen – wogegen sich nicht nur die FFG sträubt. Auch die Flensburger Schiffbau-Gesellschaft, Niro Petersen, Flensburger Fleischkontor und Westindien-Compagnie wollen die konfliktträchtige Nachbarschaft von Erholungsbetrieb und Industrie nicht. Als das Hotelprojekt immer mehr Fahrt aufnahm – im November könnte mit Erteilung des gemeindlichen Einvernehmens zur Viergeschossigkeit das Tor zum B-Planverfahren geöffnet werden – beschlossen die Gegner, das Kernstück der städtischen Planung genauer unter die Lupe nehmen zu lassen.

Die mit der Überprüfung des städtischen Gutachtens beauftragte Firma aus Langwedel kam zu einem Ergebnis, über das zu sprechen sein wird. Gestern Nachmittag wurden vorab Verwaltung und Politik mit einer aus Sicht der Hotel-Befürworter wohl ernüchternden neuen Faktenlage konfrontiert. Bei der Ermittlung der Schallemissionen und -immissionen sei eine wesentliche Schallquelle nicht berücksichtigt worden, heißt es darin. „Vor dem Hotel sind kurzzeitige Geräuschspitzen sowie tieffrequente Geräusche durch vorbeifahrende Panzer zu erwarten.“ Und weiter: „Diese Kriterien wurden in der o.g. schalltechnischen Untersuchung (des städtischen Gutachters, d. Red.) nicht berücksichtigt.“ FFG-Prokurist Christian Schulz wollte das Ergebnis nicht näher kommentieren. „Wir lassen das jetzt erst einmal sacken, werden aber der Stadt im nächsten Schritt dann noch eine Stellungnahme zukommen lassen.“

Schulz weiß, er bewegt sich auf vermintem Gelände. Die FFG und ihre weiteren Mitstreiter aus dem Industriegebiet waren nämlich zuvor von der städtischen Gutachterfirma mit strafbewehrten Unterlassungsverfügungen überzogen worden. Auslöser war ein von den fünf Unternehmen unterzeichnetes Schreiben an die Fraktionen und die Flensburger Verwaltungsspitze gewesen, das angeblich abwertende Behauptungen über die externe Firma enthielt. Die scharfe Reaktion, mit der diese daraufhin gegen die Flensburger Unternehmen vorging, hatte freilich unerwünschte Nebeneffekte. Bis dahin hatte eine satte Mehrheit von CDU, SPD und Grünen das Hotelprojekt getragen. Nach dem Zwischenfall ruderte die CDU-Fraktion zurück. Fraktions-Chef Frank Markus Döring und Arne Rüstemeier, planungspolitischer Sprecher der Ratsfraktion, hatten für das weitere Verfahren größte Bedenken. „Wenn Flensburger Unternehmen von einem durch die Stadt eingeschalteten Gutachterbüro vor Gericht gezogen werden, weil sie sich im Planungsverfahren gegenüber den Beteiligten geäußert haben, wird ein partnerschaftlicher Prozess unmöglich.“

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erstellt am 29.Okt.2014 | 12:00 Uhr

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