Neuer Ärger im Industriegebiet : FFG in Flensburg: Und plötzlich war die Einfahrt weg

Um diese Fläche geht der Streit: Die FFG benötigt dieses städtische Grundstück, um die Zufahrt zu regeln – aber die Stadt will nicht verkaufen.
Um diese Fläche geht der Streit: Die FFG benötigt dieses städtische Grundstück, um die Zufahrt zu regeln – aber die Stadt will nicht verkaufen.

Die Stadtsanierung klemmt Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft vom Verkehrsnetz ab. Zu- und Abfahrt sind jetzt nur noch über ein Privatgrundstück möglich.

shz.de von
27. Dezember 2014, 07:45 Uhr

Der Mann fühlt sich verfolgt. „Warum quälen die uns nur?“, fragt Norbert Erichsen, Chef der Flensburger Fahrzeugbau-Gesellschaft (FFG). Bis vor kurzem noch plagte den Betrieb in der Neustadt ein ambitioniertes Projekt der Stadtplanung, die ausgerechnet neben der Aus- und Einfahrt für die dort gewarteten Leopard-Panzer ein Hotel ansiedeln wollte. Jetzt wird die Ausfahrt selbst zum Problem.

Das hängt mit der Sanierung und Verlegung der Werftstraße im Zuge des im Bau befindlichen Stadtteilzentrums Neustadt zusammen. In der alten Straßenführung führte der Weg durch das große Werkstor direkt in den öffentlichen Straßenbau, in der aktuellen Straßenführung aber auf ein städtisches Grundstück. Der Umbau hat eine Dreiecksfläche geschaffen, auf die der Betrieb dringend angewiesen ist: „Eigentlich dürften wir da gar nicht fahren, weil es kein Wegerecht gibt“, sagt Erichsen.

Das ist ärgerlich, denn durch dieses Tor wird der gesamte Schwerlastverkehr des Unternehmens abgewickelt. Es sind nicht nur die vielen Lkw, die hier rein und raus müssen, es sind auch die Panzer, die regelmäßig zu Testfahrten ausrücken. „Wir haben keine andere Möglichkeit“, so Erichsen. „Das Tor des Hauptgebäudes ist viel zu klein.“

Aus seiner Sicht schien das Problem mit der Stadt längst einvernehmlich gelöst. „Wir hatten mit dem Sanierungsträger, der hier zuständig ist, den Kauf dieser 3000 Quadratmeter großen Fläche vereinbart“, sagt der FFG-Chef. Dumm ist nur, dass die Stadt von dieser mündlichen Vereinbarung jetzt nichts mehr wissen will. „Jetzt reden die nur noch vom Tausch.“

Zweihundert Meter weiter, am Brauereiweg, hat die FFG noch ein Grundstück. Direkt gegenüber der Fläche, auf der die Stadt mit ihrer Hotelplanung am Widerstand der Industriebetriebe scheiterte hält die Firma Parkplätze für ihre gut 550 Mitarbeiter vor. Und eben dieses Grundstück möchte der Sanierungsträger für die legale Ein- und Ausfahrtsmöglichkeit eintauschen.

Das ist ein Sinneswandel, der Erichsen jetzt ziemlich erbost. Bereits die Hotelansiedlung sei denkbar schlecht kommuniziert worden. „Wir erfuhren zufällig durch die Wireg davon. Die fragten, ob wir Einwände hätten, wenn der Hotelinvestor die Außenwand unserer angrenzenden Halle farbig gestaltete.“ Jetzt werde aus einer mündlichen Zusage plötzlich ein mehr oder minder erzwungenes Tauschgeschäft, „und unsere verbindlichen Anfragen werden sehr unverbindlich beantwortet“. Konsequenz: Das Verhältnis zwischen Stadt und einem ihrer größeren Arbeitgeber wird erneut durch einen Juristen geprüft. „Man kann uns ja nicht einfach vom Straßenverkehr abhängen“, findet Norbert Erichsen.

Die Verwaltung stuft die Situation weit weniger alarmierend ein und bietet der FFG an, das Grundstück bis zur Klärung der Grundstücksangelegenheit zu mieten – womit sich die FFG eingestandenermaßen schwer tut. Von einer verbindlichen Zusage will man im Rathaus im übrigen nichts wissen. Es sei immer nur über einen Tausch gesprochen worden, sagt Rathaussprecher Clemens Teschendorf. „Für die Ziele der Stadtsanierung wäre die FFG-Fläche eine Ideallösung. Wir wollen niemanden unter Druck setzen und in Ruhe verhandeln.“

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