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Imkern in der Stadt : Feuerwehr geht auf Distanz zur Biene

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wenn der Bienenschwarm zur Last wird, hilft meist nur noch der Imker – ansonsten leistet der Schädlingsbekämpfer ganze Arbeit.

Flensburg | Der Rhododendron blüht violett, ein Frosch quakt unermüdlich, ein paar Bienen tummeln sich noch auf der Tischkante, wo gerade auch die Königin summte. Hans Hermann Carstensen lebt in einem Idyll mitten in der Stadt. Das Haus zum Garten auf Jürgensby habe sein Großvater im Jahr 1871 gebaut, sagt Carstensen und bezeichnet sich selbst als „uralten Flensburger“. Woran der Hobby-Imker Freude hat, jagt manchem Menschen Angst ein. Bienenschwärme. Wo sie zum Problem werden, griff früher regelmäßig die Feuerwehr ein. Diese Zeiten sind vorbei.

Doch der Fachmann sagt: Es gibt keinen Grund zur Furcht. Der 78-Jährige setzt auf Aufklärung. „Das darf doch wohl nicht wahr sein, dass der Schädlingsbekämpfer kommen und die Völker wegnehmen muss“, empört er sich. Gerade habe er bei den Stadtwerken geholfen, einen Schwarm einzufangen. Doch sei ihm im vorigen Jahr und auch in diesem schon zu Ohren gekommen, dass die Feuerwehr eine besorgte Frau etwa wegen einer Bienentraube an Schädlingsvernichter verwiesen habe. Die kosten nicht nur Geld, sondern auch den Schwarm das Leben.

Hans Hermann Carstensen muss wissen, dass das auch anders geht. Er hat 35 Jahre lang für die Berufsfeuerwehr Flensburg gearbeitet. „Damals sind wir noch losgezogen und haben Schwärme eingefangen“, erinnert er sich. Und damals habe er einen Kollegen auch so hartnäckig zum Thema Imkern gelöchert, dass dieser ihm sagte: „Die nächsten beiden Schwärme sind Deine.“ So kam die Jungfrau zum Kinde, so kam der Jürgensbyer zur Biene.

Jetzt in der sogenannten Schwarm-Zeit in den Monaten Mai und Juni sterben weniger Bienen als geboren werden, weiß Carstensen. Bis zu 2000 Eier legt die Königin täglich. Wird es zu eng im Kasten, verlässt ihn die alte Königin mit der Hälfte des Staats, erklärt der Imker. Sie überlässt alles darin dem verbleibenden Volk, das bereits eine neue Königin heranzieht. Der Imker müsse Vorsorge treffen, betont der Honigfreund, damit sich der neue Schwarm nicht selbstständig macht. Aber wenn er nicht aufpasst, suchen alte Königin und halbes Volk ein neues Zuhause.

Für einen Bienenschwarm im Garten kommt die Feuerwehr nicht mehr, bestätigt Rainer Blaas von der Berufsfeuerwehr Flensburg. Anders sähe es aus, wenn etwa die Temperaturen sehr heiß seien und sich ein Schwarm Bienen oder Wespen unter dem Kinderzimmerfenster eines Kleinkindes niedergelassen habe. Bis 2007 hatte die Berufsfeuerwehr Flensburg ihre eigene Leitstelle, doch die Situation habe sich geändert. Die heutige Leitstelle sei angehalten, nachzufragen, dann erfolge eine Güterabwägung. Zur Gefahrenabwehr kommt die Feuerwehr, ansonsten hoffentlich ein Imker. Blaas verweist auf eine Liste mit Telefonnummern, die bei der Leitstelle hinterlegt sei.

Im milden Winter und dem warmen April-Ende sieht Ole Andresen die Ursache für die vielen Schwärme in dieser Saison. Mindestens 15 bis 20 Schwärme seien dem Vorsitzenden des Flensburger Imker-Vereins gemeldet worden, nicht um alle habe er sich kümmern können. „Ein Schwarm ist friedlich und wird normalerweise weiterziehen“, beruhigt er und sagt, dass von frei hängenden Schwärmen in Bäumen oder Zäunen weder für Mensch noch Tier Gefahren ausgehen. Deshalb findet er es „verständlich, dass die Feuerwehr diese nicht mehr einfängt“.

Man kann sich auch an die Imkerschule in Bad Segeberg wenden, rät Hans Hermann Carstensen. Wird ein Schwarm dieser Tage nicht eingefangen, verhungert er unter Umständen. Carstensen sieht vornehmlich den Trend zur Monokultur als Grund. Die Rapsblüte sei vorbei, nun wüssten die Bienen auf dem Lande in ihrem Radius von drei Kilometern nicht mehr, wo sie noch Nektar finden. „Deshalb ziehen die Imker in die Stadt mit dem größeren Blütenangebot.“ Carstensen erinnert an das Zitat Albert Einsteins über das nützliche Insekt, das zu 80 Prozent die Blütenbestäubung übernehme: Würde die Biene von der Erde verschwinden, hätte die Menschheit noch vier Jahre zu leben.

Telefon 04551-2436, www.imkerschule-sh.de

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