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Konzert : Fette Bläser treffen auf reife Rock-Röhre

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Stefan Gwildis und die NDR-Bigband starten Deutschland-Tour vor 500 Zuschauern im Deutschen Haus

shz.de von
erstellt am 16.Jan.2014 | 08:28 Uhr

Das mit dem Glücklichsein ist so eine Sache – wer wüsste das besser als einer wie Stefan Gwildis, der lange brauchte, bis er da war, wo er heute ist. Seit über zehn Jahren ist er die Stimme Hamburgs, und nun hat er sich mit einem anderen musikalischen Aushängeschild von der Elbe zusammen getan. Mit der NDR-Bigband startete er seine „Glücklichsein“-Tournee ganz oben im Norden, im Deutschen Haus.

Swing und Bigband-Jazz in Verbindung mit Popmusik oder Popmusikern ist nichts Neues und war auch keine Erfindung von Robbie Williams. Neu ist aber, dass Gwildis eine ganze Reihe von Jazzstandards und Klassikern aus dem Great American Songbook ins Deutsche überträgt – oder besser: von versierten Autoren neu und auf Deutsch betexten lässt. So schrieb sein Kumpel Michy Reincke einen durchaus hörenswerten neuen Text zu „Windmills of your Mind“ von Michel Legrand, und aus „Fly me to the Moon“ wird „Schieß mich doch zum Mond“.

Gwildis hat nicht nur eine in Jahrzehnten gereifte Rockröhre, sondern gibt auch den Crooner und beherrscht die Scat-Improvisation mit ad hoc getexteten Nonsense-Wörtern; dann gurrt und krächzt er, hustet rhythmisch und lacht schrill ins Mikrophon, dass es eine wahre Freude ist. Und natürlich ist er ein Entertainer alter Schule, der dem Flensburger Publikum, obwohl es das Deutsche Haus nur etwa zu einem Drittel füllt, glaubhaft vermittelt, dass es das beste der ganzen Welt ist.

Wer Gwildis vor allem als Rock- und Soulinterpreten liebt, mag mit der neuen Swing-Melange etwas gefremdelt haben. Doch eigentlich passt der 56-jährige mit seiner wandelbaren Stimme gut zum fetten Bigband-Sound, der aber nur mit Kontrabass und getupften Drums auch zart und leise sein kann. Das Hamburger Jazz-Orchester ist über jeden Zweifel erhaben, auch wenn in Flensburg die obligatorische Gitarre fehlte. Richtig gut die Soli etwa von Fiete Felsch (Sax und Flöte).

Mit seiner großen Elbballade „Mond über Hamburg“ begeisterte der Sänger ebenso wie mit dem Klassiker „Du hast mich ganz in der Hand“. Ganz nebenbei eröffnet der Hamburger dem Publikum „die dunkle Seite von Heinz Erhardt“. Der hätte sich sicher nicht träumen lassen, dass sein Gedicht „Der Einsame“ mal von einer Bigband vertont werden würde.

Bei Van Morrisons „Moondance“, das bei Gwildis „Mondglanz“ heißt, stand der Saal – und ohne zwei Zugaben ließen die Flensburger Gwildis nicht von der Bühne.

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