Diakonisches Werk : Festmahl für Flensburgs Obdachlose

Schöne Aussicht: Der Pavillon in Solitüde war gestern prall gefüllt – ein reichhaltiges Essen beglückte die Obdachlosen bei einem Panorama-Blick
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Schöne Aussicht: Der Pavillon in Solitüde war gestern prall gefüllt – ein reichhaltiges Essen beglückte die Obdachlosen bei einem Panorama-Blick

Das diakonische Werk veranstaltet erstmals Weihnachtsfeier–etwa 45 Wohnungssuchende kommen in Solitüde zusammen.

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15. Dezember 2015, 19:16 Uhr

Flensburg | Von dem eher tristen Wetter war gestern auf den Gesichtern in der vor dem Pavillon am Solitüder Strand versammelten Gruppe überhaupt nichts zu spüren. Die Vorfreude auf das Weihnachtsfestmahl war einfach zu groß. Etwa 45 obdachlose Männer und Frauen hatten sich vor dem weißen Gebäude versammelt, um die „Außenstelle“ des Ristorante Solitüde zu stürmen. Anlass war eine Einladung für alle wohnungslosen Menschen in Flensburg. Der vom Diakonischem Werk geführte „Tagestreff “ kooperierte mit „Hempels“, dem Straßenmagazin für Schleswig-Holstein, und organisierte eine Weihnachtsfeier für den Teil der Gesellschaft, für den das keine Selbstverständlichkeit ist – die obdachlosen Menschen in Flensburg.

Vorbild ist die Weihnachtsfeier für Obdachlose in Berlin, die seit 21 Jahren von dem Künstler Frank Zander organisiert wird. Jährlich wird es dort rund 4000 hilfsbedürftigen Menschen ermöglicht, einen schönen Abend mit Geschenken und einem Festmahl in einer netten Gesellschaft zu erleben. In einem ganz so großem Rahmen ist das Projekt in Flensburg natürlich nicht möglich. Aber auch hier geht es um eine Botschaft: „Gerade in diesen durch die Flüchtlingsströme sehr angespannten Zeiten ist es wichtig, dass die Hilfsbedürftigen aus der eigenen Bevölkerung nicht zu kurz kommen“, sagt einer der Initiatoren des Pionier-Projektes und fügt hinzu: „Viele von uns leben sehr gut mit einem schützendem Dach über dem Kopf. Es ist dementsprechend nicht zu viel verlangt, den Obdachlosen in Flensburg solch eine Feier zu ermöglichen.“

Der Weg vom Tagestreff am Johanniskirchhof bis nach Solitüde wurde durch einen Shuttlebus ermöglicht. Abfahrtsort und Zeitpunkt wurde im Vorhinein bei der Anmeldung besprochen. „Die Freude der vielen Tagestreff–Besucher auf diesen Tag war schon bei Bekanntgabe der Weihnachtsfeier enorm“, sagt Michaela Ketelsen vom Diakonischen Werk Schleswig-Flensburg. Zur Begrüßung bekamen alle Beteiligten ein Begrüßungsgeschenk. Ein Trekking-Rucksack soll den Obdachlosen helfen, ihr Hab und Gut beisammen zu halten. Dankend nahmen sie das Präsent mit gerührter, manchmal verdutzter Miene entgegen.

Im Saal des Pavillons waren sechs Tische adventlich gedeckt, in einer Ecke stand ein prächtiges Buffet mit Fisch, Fleisch, Brot, Gemüse und Obst. Es fehlte an nichts, und das schätzten die Gäste: „Wir sind wirklich dankbar, dass uns dieses Festmahl ermöglicht wurde“, sagt ein glücklich aussehender Besucher.

Zu danken ist den vielen Sponsoren, die das Zusammenkommen ermöglicht haben. Der Flensburger Fleischkontor, der Fruchthof Hansen und Fisch Jessen bestückten mit weiteren Händlern das Buffet. Für die Räumlichkeiten und das helfende Personal vor Ort ist das Ristorante Solitüde verantwortlich. Da alle Beteiligten von der ersten Auflage der Weihnachtsfeier vollends begeistert waren, planen die Organisatoren schon fest das Projekt im kommenden Jahr zu wiederholen.

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