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Kultur in Flensburg : Festival Folk-Baltica vor der Rettung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Stadt Flensburg wird voraussichtlich dem neu zu gründenden Trägerverein beitreten / Kulturministerin begrüßt die Entwicklung

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2014 | 11:53 Uhr

Am Ende gab es ein deutliches Votum für ein klares Bekenntnis der Stadt Flensburg zu Folk-Baltica. Der Kulturausschuss beschloss nach einstündiger Debatte, dass die Stadt Mitglied im neu zu gründenden Trägerverein für das in Turbulenzen geratene Festival wird. Ob der Beschluss trägt, muss am 21. Oktober der Hauptausschuss entscheiden, der in dieser Frage das letzte Wort hat.

Folk-Baltica entstand 2005 aus einer privaten Initiative heraus, lebte vom Enthusiasmus und dem Engagement des Gründers Jens-Peter Müller und einer kleinen Gruppe Förderer, die eine gemeinnützige GmbH zur Trägerschaft gegründet hatten. Nach dem Ausstieg Müllers vor rund zwei Jahren übernahm der Rendsburger Peter Boll, der Gesellschafter war und ist, ehrenamtlich die Geschäftsführung, während Harald Haugaard (Faaborg) die künstlerische Leitung übernahm. Relativ kurzfristig hat Boll vor wenigen Wochen sein Amt niedergelegt, die GmbH wird zum Ende des Jahres aufgelöst. Folk-Baltica war plötzlich bodenlos, Haugaard agierte im luftleeren Raum, es konnten und können keine Verträge für das nächste Festival geschlossen werden. Folk-Baltica war in seiner Existenz akut gefährdet.

Künftig soll nach dem Vorbild anderer Festivals ein Verein das Festival tragen. Keine Privatpersonen, sondern juristische Personen sollen Mitglied werden: außer der Stadt noch Sydslesvigsk Forening (SSF), die Kommune Sonderburg, die LAG Folk, der Bund deutscher Nordschleswiger (BDN), der Dansk Rock Samråd (ROSA) und der Flensburger Folkverein. Auch der Speicher Husum hat Interesse bekundet.

Im Kulturausschuss, der wegen der Notlage des Festivals zu einer Sondersitzung zusammen gekommen war, herrschte Einigkeit darüber, dass das Festival eine Bereicherung für Flensburg sei und unbedingt erhalten bleiben müsse. Gabriele Stappert, Vorsitzende des Ausschusses, hob die besondere Bedeutung des Jugendensembles hervor. Kritische Fragen kamen vor allem vom Ratsherrn Heinz-Werner Jezewski (Die Linke), der darauf hinwies, dass die Stadt mit der Mitgliedschaft im Trägerverein die moralische Verpflichtung eingehe, das Festival künftig zu stützen. „Worauf lassen wir uns da ein?“, fragte er. Doch mit seinen Bedenken blieb Jezewski allein. Niemand stellte den ersten Schritt zur Rettung des Festivals in Zweifel. Details sollen später geklärt werden. Das wichtigste ist eine Personalie: Anfang des Jahres soll ein hauptamtlicher Geschäftsführer eingestellt wird, der dann natürlich ganzjährig beschäftigt und bezahlt werden muss.

Die Geschäfte führen wird bis zur Abrechnung des Festivals 2015 das Kulturbüro der Stadt Flensburg, das über gewisse Erfahrungen in diesem Genre verfügt. Seit 20 Jahren organisiert das Büro das Sommerfestival „Flensburger Hofkultur“ mit rund 15 Veranstaltungen in vier Wochen. Auch hier ist die Stadt aber nicht Trägerin. Diese Aufgabe übernimmt ein Verein.

Auch in Kiel stößt der Flensburger Beschluss auf Zustimmung: „Die Vereinsgründung ist ein gutes Signal für die Entwicklungsperspektive von Folk-Baltica, ein gutes Signal für die Region und die Fördestadt“, sagte Kulturministerin Anke Spoorendonk. „Der Beitritt Flensburgs zu dem Trägerverein wird das Festival als ein grenzüberschreitendes, kooperatives Projekt stärken und ausbauen. Ich freue mich daher über diese Entwicklung.“

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