Handewitt : Fernwärme für Weding?

Die Siedlerstraße in Weding könnte an eine künftige Fernwärmeversorgung angeschlossen werden.
Die Siedlerstraße in Weding könnte an eine künftige Fernwärmeversorgung angeschlossen werden.

Mit der Ansiedlung von Queisser Pharma im Gewerbegebiet Heideland erscheint die Erschließung mit Fernwärme für die Flensburger Stadtwerke attraktiv.

shz.de von
06. April 2018, 12:32 Uhr

Handewitt | Vor einigen Jahren hatte es mehrere Gespräche zwischen der Gemeinde Handewitt und den Flensburger Stadtwerken über eine Fernwärme-Versorgung für die Ortsteile Weding und Jarplund gegeben – bis das Unternehmen 2014 aus wirtschaftlichen Gründen absagte. Nun scheint sich eine neue Tür öffnen: Mit Queisser Pharma ist ein so genannter Ankerkunde aufgetaucht, denn der Arzneimittel-Produzent hat im Handewitter Gewerbegebiet „Heideland“ eine mehrere Hektar große Fläche erworben, um dort für 25 Millionen Euro ein hochmodernes Logistik-Zentrum zu errichten.

„Für die vielen Hochregale“, führt der neue Geschäftsführer Axel Kaempfe aus, „benötigen wir eine hochmoderne IT-Infrastruktur, zu der auch eine Glasfaser-Leitung gehört.“ Die Flensburger Stadtwerke sollen das Internetkabel legen. Das städtische Tochterunternehmen drängt aus ökonomischen Gesichtspunkten darauf, den Tiefbau zwischen ihrem bisherigen Technologie-Endpunkt in Flensburg-Weiche und dem rund einen Kilometer entfernten Gewerbegebiet am Ochsenweg mit Leitungen für die Fernwärme zu verknüpfen.

Mit der Vorlage eines Gestattungsvertrages überraschten die Stadtwerke nun die Handewitter Gemeindevertreter. Schließlich feilt man in Handewitt schon länger an einem Fernwärme-Konzept, das nach dem Ortskern, der von einem lokalen Anbieter versorgt wird, auch die anderen Ortsteile versorgen soll.

Die Stadtwerke spielten in diesen Überlegungen schon längst keine Rolle mehr, doch plötzlich war im Gestattungsvertrag für die Fernwärmeleitung vom „ganzen Gemeindegebiet“ die Rede. Vertriebsleiter Heinz-Gerhard Gülck revidierte sogleich: „Der Vertrag soll nur für die Siedlerstraße und das Heideland gelten.“ Er und seine Kollegen hätten die Siedlerstraße schon einmal abgefahren, entdeckten ausschließlich Vorrichtungen für Öl- und Erdgasheizungen. Für den Experten bündeln sich an dieser Stelle Modernisierungsperspektiven und der Ankerkunde zu einem wirtschaftlich darstellbaren Vorhaben.

In Diskussion wurde zwischenzeitlich hitzig, als KWG-Fraktionschef Dieter Neugebauer an Axel Kaempfe (Queisser Pharma) gerichtet sagt: „Wir haben Ihr Unternehmen als Asylanten aufgenommen, weil es in Flensburg keine geeignete Fläche fand. Und nun machen Sie uns so einen Ärger.“ Axel Kaempfe entgegnete: „Es stört mich, dass wir von einigen Seiten in Handewitt noch immer nicht erwünscht sind.“ Später ruderte Dieter Neugebauer zurück: „Es gab Bedenken wegen der Größe der Ansiedlung, ich persönlich habe nichts gegen Queisser Pharma.“

Zu diesem Zeitpunkt witterten andere Gemeindevertreter bereits die Chance auf ein mögliches größeres Fernwärme-Paket. „Wir Handewitter wollen das Stadtwerke-Vorhaben natürlich überprüfen, und wir wollen, dass etwas für die Bevölkerung herausspringt“, sagte Marx Plagemann (CDU). André Hense (SPD) merkte an: „Aus dem Stadtweg gab es immer wieder Wünsche nach Fernwärme, und dieses Interesse ist nie abgeklungen.“

Auch eine Ausdehnung bis Jarplund wurde angesprochen. „Dazu haben wir noch keine Betrachtung geführt, das werden wir natürlich tun“, sagte Heinz-Gerhard Gülck zurückhaltend. Der Gemeinderat vertagte die Entscheidung über den Gestattungsvertrag auf Mitte April.

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