Auswanderer : Fernes Glück im tasmanischen Paradies

Trio im Glück: Shane (links), Caleb und Monika. Foto: Walther
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Trio im Glück: Shane (links), Caleb und Monika. Foto: Walther

Fernweh verspürt die Familie Bones nicht mehr. Sie hat in Australien ihr Glück gefunden. Beim seltenen Heimatbesuch erklärt Monika Bones, worin es besteht.

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09. Juni 2009, 12:21 Uhr

Flensburg/Hobart | Reisefieber ist ansteckend. Monika Bones, Krankenschwester und Physiotherapeutin, hat dies während ihrer Ausbildung in den 90er Jahren am eigenen Leib erfahren, als sie "Leute traf, die viel gereist sind". Heute leidet die 42-jährige Flensburgerin nicht mehr an Fernweh, schließlich ist sie der Heimat nahezu so fern wie möglich. Und dort hat sie ihr Glück gefunden.

Mit ihrem neuseeländischen Mann Shane (39) und dem kleinen Sohn Caleb, der in Sheffield die Vorschule besucht, kaufte die Deutsche auf der südaustralischen Insel Tasmanien einen großzügigen Flecken Paradies. Die kleine Familie teilt das ursprünglich "nackte Stück Land mit einem Flüsschen im Busch", wie Kiwi Shane es beschreibt, im Norden der Insel mit drei Ziegen und anonymem Getier, wovon manche Spezies besser unsichtbar bleibt.

"Wir bauen viel", sagen die Naturfreunde, die das Gelände erst erschließen mussten, sich eines Generators und Regenwassertanks bedienten und nun am leuchtend blauen Haus am Fuße einer grandiosen Bergwand werkeln. Als Handwerker verfügt Shane über gleich zwei rechte Hände.
"In Australien ist jeder gleich"
"Das ist einfach etwas, das man macht", sagt Monika. Ihr Weg nach Tasmanien war kein direkter. Zunächst verschlug es sie 1998 nach Neuseeland, nach Auckland, wo sie ihren Zimmermann kennen lernte. Zwei Jahre später heiratete das Paar. Sie zogen weiter gen Süden der Doppelinsel, verbrachten drei Jahre im südaustralischen Adelaide und versuchten schließlich ihr Glück in England. Wohlbefinden wollte sich nicht einstellen; die Weltenbummler erklären, warum: "In Australien ist jeder gleich", anders als in Europa, wo der Status von Bedeutung ist, beobachtet Shane. "Ich mochte die Hierarchien in Krankenhäusern nicht", erklärt Monika ihren Drang nach draußen.

Nach einem weiteren Abstecher in Neuseeland lebte das Paar eine Weile an der Ostküste Australiens in Victoria. Dort wurde es den Bones "zu heiß", und sie gingen dem Schwärmen von Freunden für Tasmanien auf den Grund. Das Klima ähnelt dem gemäßigten in Deutschland, sie liebäugelten mit Land auf der Insel und ließen sich dort nieder.

Hier finden beide Ruhe, Zeit, Besinnung. Shane sinniert über die Schöpfung, "wie wir auf die Welt gekommen sind", ahnt, dass sein lautes Nachdenken "komisch klingen könnte" und lacht sich eins. Humor mögen und leben die Bones gleichermaßen.

Ganz profanes Glück widerfuhr bei der Arbeitssuche; nicht nur Handwerker sind gefragt, auch Krankenschwestern gesucht - "wenn man gewillt ist, auch in ländlichen Gegenden zu arbeiten", räumt die Gesundheitsfachfrau ein. Allerdings musste Monika, "so wie viele", tröstet sie sich selbst, bei Ankunft in Down Under ihre beruflichen Fähigkeiten erneut beweisen. Erfolgreiche Prüfungen verschafften ihr erst nach acht Monaten die Lizenz zum Arbeiten als Physiotherapeutin.

Das und der Fleiß ihres Mannes beschert beiden das finanzielle Fundament, auf dem sie weitere Träume bauen: "Wir brauchen nicht mehr weg zu gehen", sagt Monika, bedeutet damit, angekommen zu sein. Träume haben die Bones trotzdem: von einer Herberge auf ihrem Grund, die sie für andere Reisende bauen, einem Obstgarten, einem Haus am Strand.

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