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Bürger-Workshop : Fernbahnhof Flensburg-Weiche: „Noch mehr Blech auf dem Ochsenweg“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Bürger in Flensburg-Weiche stehen einem neuen Fernbahnhof skeptisch bis ablehnend gegenüber.

Flensburg | „Nicht noch mehr Verkehr in Flensburg-Weiche!“ Keine Aussage, die sich auf den angedachten Bahnhofsneubau in dem Stadtteil bezieht, sondern auf die Vorstellung, ein neuer Fernbahnhof zieht noch mehr Autoverkehr in den Stadtteil – aus der Stadt und der Umgebung. Mit den Konsequenzen: Noch mehr Blech auf dem Ochsenweg und noch mehr Gewühl auf der Kreuzung Mühlental. Für die Bürger des Stadtteils, die am Bahn-Workshop des Stadtteilforums in der Heilandskapelle teilnahmen, ist das eine Horrorvorstellung, die sich aus dem Flensburger Bahngutachten ergibt. Ansonsten werden ein Bahnhofsneubau und seine Konsequenzen für den Stadtteil leidenschaftslos gesehen.

In dem Workshop wollten Forumsmitglieder im lockeren Gesprächskreis Chancen und Nachteile eines neuen Fernbahnhofes ergründen und die wichtigen Aussagen des Gutachtens abklopfen. Wieso Weiche? Jetzt läuft der Bahnverkehr von und nach Flensburg Richtung Norden geteilt. Die Hauptstrecke Pattburg-Hamburg, über die die großen skandinavischen Güterzüge rollen, fahren an der Amrumer Straße und an der Westseite des einstigen Güterbahnhofs vorbei – am Stellwerks-Turm. Südlich von Weiche fädeln sie ins Hauptgleis nach Hamburg ein. Personenzüge von und nach Dänemark werden in Höhe Schäferweg aus der Strecke von Dänemark ausgefädelt und über Brücken in der heutigen Schleife in den Flensburger Bahnhof geleitet. Diese Schleife mit sieben Minuten Fahrzeit ist nach Ansicht dänischer Politiker mit Schuld für die über zwei Stunden lange, unattraktive Fahrzeit über Flensburg nach Hamburg. Die Schleife der Rendsburger Hochbrücke kostet gut 15 Minuten und sollte am besten auch weg.

Lösung des Flensburger Problems: Der Neubau eines Fernbahnhofes auf der Westseite der Gleisanlagen in Weiche ermöglicht die Direktverbindung auch für Personenzüge auf der jetzigen Nord-Süd-Güterzugverbindung, die Schleife wäre überflüssig. Die Flächen des einstigen Güterbahnhofs Weiche böten genug Platz für ein neues Bahnhofsgebäude, Parkplätze und weitere benötigte Anlagen. Das Gutachten skizziert für diese Lösung allerdings hohe Kosten – ohne Hinweis, wer sie übernimmt.

In Weiche werden solche Gedankenspiele emotionslos zur Kenntnis genommen. Wenn die Gutachter dann noch die schöne neue Welt mit repräsentativem Bahnhofsgebäude, Hotelneubauten und vielleicht einem Kino skizzieren, dann weckt das bei den Bürgern eher Skepsis. So ein neuer Bahnhof könnte ja durchaus schick im Stadtteil sein und die skizzierte Gewerbeansiedlung auf alten Bahnflächen vielleicht Arbeit nach Weiche bringen. Aber erst einmal liegen die konkreten Pläne obenauf. Jetzt schon sei Weiche durch den Autoverkehr stark belastet – und dann etwa noch mehr? Sicher nennt das Gutachten den Neubau einer Straße entlang der Nikolaiallee von der Stadt zum neuen Fernbahnhof, aber wie und wo sollte ohne größeren Schaden die Kreuzung mit dem Ochsenweg verwirklicht werden?

Bei der Gelegenheit: Käme ein neuer Bahnhof, sollte das als Gelegenheit genutzt werden, die triste Unterführung des Ochsenweges unter den Bahngleisen zu erneuern und gleich zu verbreitern. Eine gute Lösung wäre der im Gutachten aufgezeigte Fußgängertunnel vom Holzkrugweg unter den Schienen hindurch zur Nikolaus-Matthiesen-Straße.

An die im Gutachten erwähnte Reaktivierung der Strecke Flensburg-Niebüll mögen die Bürger in Weiche ganz und gar nicht glauben. Ohnehin sei es kostengünstiger und einfacher, die Bewohner mit dem Bus zu ihren Zielen zu bringen, zumal die Haltepunkte an der Strecke deutlich entfernt von den Orten seien. An der Bahn müssten mit hohem Aufwand die Übergänge gesichert werden. Schließlich sei keine Freiwillige Feuerwehr zwischen Flensburg und Niebüll für einen Einsatz bei Bahnunfällen ausgestattet.

Schließlich kreisten die Gedanken wieder um das Thema Verkehr. Ein Aspekt: Was wird aus dem Holzkrugweg, wenn der neue Bahnhof käme? Horst Otte vom Bürgerforum ist sich sicher: So wie früher werden alle Bemühungen um eine Verkehrsberuhigung ergebnislos enden. Und der Vorschlag kam, um das Zentrum von Weiche vom Verkehr zu entlasten. Zubringerverkehr sei über die B200 und Altholzkrug in den Stadtteil zu führen.

Statt eines Fazits stellte Horst Otte zum Schluss der Diskussion fest: „Das Thema neuer Bahnhof wird noch so lange diskutiert werden, dass wir alle die Verwirklichung nicht mehr erleben werden.“ Kein Widerspruch.

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erstellt am 21.Mär.2016 | 14:30 Uhr

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