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Marineschule Mürwik : Feier im Schatten der Geschichte

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vereidigung 100 Jahre nach Beginn der „Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts“: Staatssekretär lobt Eintreten für ein freiheitliches Wertesystem.

Tapferkeit war eine der Tugenden, zu der sich die gestern in der Marineschule Mürwik feierlich vereidigte Crew 7/2014 bekannte. Und ein bisschen Tapferkeit brauchten die Kadetten gleich am Ende der einstündigen Zeremonie tatsächlich, nämlich als das Protokoll die Söhne und Töchter in Uniform zum Fotografieren freigab. Als Hunderte Eltern, Angehörige, Freunde – die weiteste Anreise hatte ein Elternteil aus Malaysia – mit gezückter Kamera auf die Formation zustürmten, war äußerste Standhaftigkeit gefragt.

Das galt aber nicht minder für die meisten der 2000 Gäste. Eltern, Verwandte, Freunde, die in dem majestätischen Ambiente des Roten Schlosses an diesem perfekten Sommertag mit emotionaler Wucht überwältigt wurden. „Ich kann kaum fotografieren. Mir steht irgendwie immer eine Träne im Weg“, bekennt ein stolzer Vater. Junior wartet in angetretener Formation im Hinterhof der Schule auf den großen Auftritt. „Ich war beim Heer“, sagt der Mann. „Aber – meine Vereidigung und das hier. Kann man gar nicht vergleichen.“

Eine halbe Stunde steht sein Sohn mit 244 weiteren jungen Frauen und Männern auf dem Platz. Nicht alle werden in dieser Formation wieder zurückmarschieren. Die Sonne brennt. Sieben Kadetten scheren nach Schwächeanfällen aus – der Eid gilt trotzdem auch für sie, versichert eine Offizierin vom Pressestab. Für viele von ihnen ist das andere große Ereignis, das Abitur noch in Sichtweite. Aber während das Abitur einen Abschluss darstellt, so Flottillenadmiral Carsten Stawitzki in seiner Begrüßung, markiere die Vereidigung den Beginn eines Lebensabschnitts. Und es gebe wohl kaum einen Arbeitgeber, der seine neu eingestellten Mitarbeiter nach fünfwöchiger Einarbeitung einen Eid auf die Unternehmensphilosophie leisten lasse. Aber dieser besondere Beruf verlange danach. „Wir legen den Schutz unseres freiheitlichen Wertesystems in Ihre Hände“, so der Kommandeur. Der große Zuspruch von Gästen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, von Freunden, Verwandten, Eltern sei viel mehr als ein vermeintlich kleines Symbol. „Das ist Anerkennung und Wertschätzung für das, was wir tun. Und das gibt uns Kraft.“

Markus Grübel, parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium, kann auf den Tag genau 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs die Symbolik kaum umschiffen. „An der historischen Bedeutung kommt man nicht vorbei“, sagt der Festredner. Der Erste Weltkrieg, die Ur-Katastrophe des 20. Jahrhunderts, habe einen Kontinent traumatisiert und Folgen, die noch heute sichtbar seien. Auch 1914 hätten junge Menschen einen Eid abgelegt. Aber die Kadetten des 21. Jahrhunderts schwören ihren Eid auf der Grundlage einer freiheitlich-demokratischen Werteordnung und nicht auf eine Person, betont er. Dem Eid der Crew 7/2014, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen, entgegnet Grübel seinerseits mit einem Versprechen – auch dieses aus der Erfahrung verbrecherischer Kriege geboren. Einsätze der Bundeswehr stünden stets unter parlamentarischem Vorbehalt. „Wir werden uns höchst verantwortungsbewusst verhalten. Wir werden Sie nicht leichtfertig in einen Einsatz schicken. Das ist unser Versprechen an Sie“, betont Grübel namens des Berliner Parlaments.

Nach dem Eid auf die Fahne – sechs Kadetten leisten ihn stellvertretend für ihre Kameraden – ist dieser ungewöhnliche Dienst-Tag zu Ende. Im Remter gibt es einen Empfang für geladene Gäste, die Gorch Fock lädt zum Open Ship – bevor das Ausbildungsprogramm weiter geht, so der Schul-Chef, sei jetzt Zeit inne zu halten, und die Gedanken zu sortieren. „Auch das gehört zu unserem Beruf.“

 

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erstellt am 02.Aug.2014 | 10:30 Uhr

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