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Flensburger Tageblatt

17. Oktober 2017 | 04:21 Uhr

Fasziniert von Alt-Flensburg

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Menschen des Jahres: Gisela Mikolajewicz führt auch mit 80 Jahren noch Gruppen durch die Stadt

shz.de von
erstellt am 31.Okt.2013 | 09:06 Uhr

Die Leidenschaft für ihre Heimatstadt Flensburg und ein tiefes Interesse an ihrer Geschichte beseelen Gisela Mikolajewicz spürbar. Gepaart mit der Freude, historisches Wissen weiterzugeben, prägt diese Leidenschaft seit 21 Jahren den Alltag der sportlich temperamentvollen, unglaublich jung gebliebenen Achtzigjährigen: Seitdem wieselt sie als Stadtführerin durch unsere Stadt („Manchmal zwei Mal am Tag“), führt regelmäßig durchs Schifffahrtsmuseum, gibt VHS-Kurse.

„Ich sehe das nicht als Stress an, das ist für mich Abwechslung“, sagt sie fröhlich: „Für mich ist das Lebensqualität. Nicht nur Haushalt und Garten! Das ist Gehirnjogging.“ Das bedeute „sehr, sehr viel“, vor allem im Austausch mit interessierten Menschen. Stadtführungen empfindet Mikolajewicz als Gespräch. Gerade Kinder könnten interessante Fragen stellen: „Man ist dann nicht nur der Gebende, bekommt auch etwas zurück“, sagt sie: „Dann ist man glücklich.“

Jede Stadtführung zwischen Neustadt, Roter Straße oder Kapitänsviertel sei darum anders. Mikolajewicz spürt dem Interesse der Gäste nach. Nach dem stillen Motto: „Gehst du da noch mal um die Ecke.“ Wie viele Kilometer sie als Stadtführerin wohl schon gelaufen sei? „Ich latsche etliche Schuhe ab“, antwortet sie lachend: „Mein Mann sagt, ich wär’ schon einmal um die Welt gelaufen.“

Von der Mommsenstraße auf St. Jürgen zog Gisela Mikolajewicz als Sechsjährige, Tochter eines Mariners, mit der Familie nach Mürwik in die heutige Mürwiker Straße, die damals noch Kaiser-Wilhelm-Straße hieß. Auch wenn sie heute im beschaulichen Wees wohnt: „Ich bin Mürwikerin.“ Die Faszination für Alt-Flensburg begann mit dem Sachunterricht der Söhne. Mikolajewicz meldete sich im Volkshochschulkurs „Flensburg, die Stadt in der wir leben“ an, legte sich „meterweise“ Stadtgeschichtsliteratur zu. „Es wurde immer interessanter. Ich wollte immer mehr in die Tiefe gehen, weiter nachforschen“, erzählt sie.

Nach dem Tod des ersten Mannes startete Mikolajewicz (die 26 Mal das Goldene Sportabzeichen errang) mit 59 Jahren noch einmal durch, wurde für Jahre Gasthörer an der Pädagogischen Hochschule in Landesgeschichte und Dänisch. Das Schicksal tat das Übrige: Als sich die VHS-Kursleiterin den Arm brach, bat sie Mikolajewicz, den Kurs zu übernehmen: „Das wurde eine Dauerangelegenheit“, bis heute. Für Nachforschungen über Mürwik war Mikolajewicz Mitglied und einzige Frau im hochkarätigen Team um den Mürwiker Pastor Möbius. Sie befragte Zeitzeugen, fotografierte alte Aufnahmen. Wurde nebenbei ehrenamtliche Mitarbeiterin im Archiv des Schifffahrtsmuseums, machte dort bald Führungen, gab 2001 im Wartberg-Verlag die inzwischen vergriffenen „Erinnerungen an Flensburg wie es einmal war“ heraus.

„Alles hat das andere befruchtet, immer konnte ich historisch mehr in die Tiefe gehen“, sagt Mikolajewicz engagiert: „Die Beschäftigung mit der Stadtgeschichte macht mir Freude, es ist für mich selbst wichtig.“ Klar, über das Drama von 100 zu Boden fallenden Dias lässt sich auch berichten: Es war der Tag des offenen Denkmals 1994 in der Marineschule, als Mikolajewicz zum Mürwik-Diavortrag vor rund 200 Uniformierten anrückte: „Da war ich aufgeregt! Heute bin ich sicherer.“

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