Stadtgeschichte : Faszination Clädenstraße

Blick in die Vergangenheit: Diese kolorierte Postkarte zeigt die Clädenstraße im Jahre 1914. Foto: sh:z
Blick in die Vergangenheit: Diese kolorierte Postkarte zeigt die Clädenstraße im Jahre 1914. Foto: sh:z

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04. Dezember 2009, 06:20 Uhr

Flensburg | Mit ihrem Charme prägen die stattlich schönen Häuser der Clädenstraße das Bild Jürgensbys. "Wir spürten sofort: Es ist eine ganz besondere Hausgemeinschaft. Die Häuser binden Menschen zusammen", sagt Frank Lubowitz.

1997 erwarb der Leiter von Archiv und historischer Forschungsstelle der deutschen Volksgruppe in Nordschleswig eine der fünf Wohnungen in Haus Nummer 9. Seitdem lebt er dort mit Lebenspartner Thomas Pick. Vor allem der von Haus 8 und 9 gemeinsam genutzte idyllische Garten mit seinen Apfelbäumen, Johannisbeerbüschen und lauschigen Eckchen schmiede zusammen. "Aus Nachbarschaften werden Freundschaften", schwärmt Lubowitz. Unter dem Titel "Zwei Flensburger Häuser 1909 - 2009, Clädenstraße 8 und 9" hat der Historiker den in altrosa und taubenblau gehaltenen Prunkstücken ein 100-seitiges, im Wachholtzverlag in Privatdruck erschienenes Buch gewidmet.

Tage lang hat Lubowitz zu Erbauungsgeschichte und lückenloser Reihe der Bewohner im Stadtarchiv sowie im Grundbuch- und Katasteramt recherchiert. "Die Geschichte der Häuser geht über die Stadtteilgeschichte hinaus. Sie geht hinein in die Wohnungen zu den Bewohnern", erklärt der passionierte Clädenstraßler. Reich bebildert erzählt seine Chronik vom Einst und Jetzt.

Für die großbürgerliche Klientel der Offiziere der Marineschule hat Architekt Karl Berndt die Häuser 1909 konzipiert, zu Zeiten, als es noch Klingelkästen und Dienstmädchenzimmer gab. Die Marineschule wurde jedoch später als gedacht fertig; der Bauherr ging pleite. In einer Zwangsauktion ersteigerte 1911 die Stadt die Gebäude. Flensburger Persönlichkeiten, die hier wohnten, sind der Stadtbaudirektor Paul Ziegler (1864 - 1956) und der Maler und Zeichner Günter Messenbrink (1925 - 2000).

Ein Schlüsselerlebnis habe die Wohnung auf Anhieb zum Zuhause werden lassen, erinnert sich Lubowitz. Zu ihrem 60-jährigen Jubiläum in der Clädenstraße lud die damals noch lebende, weit über 90-jährige "vornehme Offizierswitwe" Werna Ritter die gesamte Hausgemeinschaft ein. "Es war unvergesslich. Die ineinander übergehenden Wohnzimmer waren festlich erleuchtet. Alle brachten etwas mit. Es war wie eine Familie." Die Faszination für die Geschichte der Häuser entstand. Diesen Faden nahm der Historiker jetzt wieder auf.

Detailliert erzählt Lubowitz: von der Gartenpflege, zu der jeder nach Lust und Können beiträgt, von der gemeinschaftlichen Kühltruhe im Keller, vom Bier, das man sich selbstverständlich ohne zu Fragen ausborgt, vom großen Gartentisch, an dem keiner lange alleine sitzt. "Mein und Dein gibt es nicht. Wir sind fast wie eine große WG", heißt es lächelnd.

An der Chronik Interessierte können sich bei Frank Lubowitz melden - in der Clädenstraße 9.

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