zur Navigation springen

Von Langballigau nach Sonderburg : Fast wie eine Butterfahrt: Die MS Feodora II fährt wieder

vom

Es gibt sie wieder: Am Mittwoch startete nach jahrelanger Pause die erste Ausflugsfahrt der MS Feodora II nach Sonderburg. Gäste sollten wegen der Grenzkontrollen an ihre Ausweise denken.

Es war zwar nicht so wie bei der Entdeckung der Neuen Welt, aber ein doch recht wichtiges Ereignis, als am Mittwoch, so gegen 12 Uhr, ein nicht so großes Fährschiff unter deutscher Flagge in den alten Sonderburger Stadthafen glitt und an der Stadtpier festmachte. Jahrelang hatte der kleine deutsch-dänische Grenzverkehr zur See brach gelegen. Die Feodora II aus Langballigau unter ihrem Kapitän Alexander Klein beendete gestern nach sechs Jahren Stillstand diese Flaute.

Mit dem von der Europäischen Union verordneten Ende von Duty Free endete am 1. Juli 1999 die große Zeit der Butterfahrt. Jahrzehnte hatte der Verkauf zollfreier Waren im grenzüberschreitenden Seeverkehr zwischen Deutschland und Dänemark nicht nur eine Branche mit tausenden von Arbeitsplätzen ernährt, sondern Millionen Passagiere einen ureigenen sozialen Mikrokosmos mit Kaffee, Kuchen, dänischem Anretning, zollfreien Rationen und viel Nestwärme beschert. Aber es half alles nichts: Die Reedereien konnten die zuvor durch den Verkauf zollfreier Waren kräftig subventionierten Fahrten nicht mehr zu akzeptablen Preisen anbieten – die Branche wurde komplett von der Ostsee gefegt. Die Ankunft der Feodora im Sonderburger Stadthafen ist nun nicht die Rückkehr der guten alten Zeit. Die Zigaretten am Automaten an Bord kosten so viel wie auf dem deutschen Festland. Aber die Touristiker frohlocken trotzdem. Sie können auf eine steigende Nachfrage nach maritimen Angeboten seit gestern, 12 Uhr, endlich wieder eine Antwort mehr geben. „Die Leute fragen uns täglich Löcher in den Bauch“, sagt Flensburgs Chef-Touristiker Gorm Casper.

Ingrid Wiskow aus Mecklenburg-Vorpommern kam zum ersten Mal in Dänemark an.
Ingrid Wiskow aus Mecklenburg-Vorpommern kam zum ersten Mal in Dänemark an. Foto: Riggelsen
 

Kapitän Alexander Klein hat – wie etliche Mitbewerber – lange um seinen Seeweg über die Grenze gekämpft. Anfangs von Flensburg aus, dann von Langballigau, zwischendrin auch von Eckernförde und von Damp aus. An die deutschen Bewerber werden strenge Maßstäbe angelegt: Die dänische Seefahrtsbehörde, Søjfartstyrelsen nämlich macht keine Kompromisse. Egal, ob ein Schiff vier Kilometer von Flensburg nach Kollund fährt oder von Hamburg nach Tahiti: der Mindeststandard war immer der höchste, der Standard der UN-Übereinkunft über die Sicherheit auf See (Solas). Die Kosten dafür aber konnte kein kleiner Reeder im kleinen Grenzverkehr herausfahren. Das merkte Klein 2010, als der „See-TÜV“ seines vorigen Schiffes abgelaufen war. Er musste schweren Herzens die Linie aufgeben, die er zwischen 2007 und 2010 schon einmal befahren hat.

Jetzt hat er – mit neuem Schiff – diesen Spagat geschafft. Auch, weil das Geschäftsmodell des kleinen Linienverkehrs eine Mischkalkulation geworden ist. In Sonderburg erzählte Klein, dass die wirtschaftliche Absicherung des Schiffsbetriebs mittlerweile durch Charterfahrten erfolgt. Hauptsächlich seien es die Seebestattungen, aus denen die Subventionen für den Linienverkehr generiert würden. An den immer wieder gerne gerügten Anforderungen von Søjfartstyrelsen aber führte auch für ihn kein Weg vorbei. Groll hegt er nicht. „Ich habe mich immer fair behandelt gefühlt“.

Um den Traum von seiner Linie verwirklichen zu können, musste Klein tief in die Tasche greifen. 150.000 Euro steckte er für die Einzelabnahme durch die dänische Behörde in sein Schiff, um etwa die Anforderungen nach einer vollautomatischen Lösch- und Brandmeldeanlage zu erfüllen.

Kein Wunder, dass gestern auch für den Kapitän ein besonderer Tag war. „Ein sehr emotionaler Moment“, gestand Klein. „Dass ich einfach nicht aufgegeben habe. Und es hat ja auch viel Geld gekostet. Aber wir wissen nun mal, was die Leute wollen. Für uns ist es ein Probejahr. Wir testen, wie groß der Bedarf ist“, meinte er, während seine 102 Passagiere das Schiff verließen – und direkt in die Arme der Polizei liefen. Kristian Toft und Brian Agerholm kontrollierten bei der ersten Ankunft des Ausflugsschifffs die Ausweise aller Gäste vor einer improvisierten mobilen Terrorabwehr. „Es ist ein Teil der Grenzkontrolle. Wir halten nach Illegalen und Migranten Ausschau“, so Kristian Toft. Aber alle wurden durchgewunken und dann hatten die Ausflügler drei sonnige Stunden in der Sonderburger City vor sich. Um 15 Uhr legte die Feodora II wieder ab.

Sie soll jetzt bis Oktober vier Mal wöchentlich einen Törn von Langballigau nach Sonderburg absolvieren. Während der Hauptsaison fährt die Feodora freitags drei Touren zwischen Langballigau und Sonderburg. Die Tickets werden am Schiff erworben. Freitags ist außerdem ein historischer Seetörn nach Wemmingbund geplant. Dort wird ein Guide von den Begebenheiten von 1864 berichten.

In Flensburg beobachtet man die Ereignisse genau. Auch hier wollen Schiffer mit Kollund, Sønderhav und und Brunsnæs dänische Häfen anlaufen und warten auf das letzte Wort der staatlichen Behörde, die eine Lockerung der Bedingungen im Bereich der Innenförde in Aussicht gestellt hat. Der Flensburger Tourismus-Chef Gorm Casper setzt große Hoffnungen auf ein Treffen am 6. Juni in Bonn. Da steht das Thema auf der Tagesordnung einer Konferenz mit Teilnehmern des Bundesverkehrsministeriums und der dänischen Schifffahrtsbehörde.

Der komplette Fahrplan der Feodora ist online abrufbar unter www.nas-feodora.de

zur Startseite

von
erstellt am 01.Jun.2016 | 18:37 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen