zur Navigation springen

Täter stellen sich taubstumm : Falsche Spendensammler in Flensburg unterwegs

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Vermeintliche Taubstumme bitten zurzeit für eine Behinderteneinrichtung auf der Straße um Geld. Sie hoffen dabei vor allem auf gutgläubige Menschen. Die Polizei warnt jedoch vor Spenden.

Flensburg | Auf dem Holm, im Förde-Park oder auf dem Sky-Parkplatz am Twedter Plack – in Flensburg sind zurzeit falsche Spendensammler unterwegs, die sich als taubstumm ausgeben. Sie werben für eine Behinderteneinrichtung, „in Zusammenarbeit mit Europa“. Der Briefkopf des Zettels, der an einem Klemmbrett hängt, zeigt die deutsche und die europäische Flagge. Wer eine Spende ablehnt, wird beleidigt, verfolgt und zum Teil sogar festgehalten.

Marie Holm ist einem der vermeintlichen Taubstummen im Förde-Park auf dem Weg zu ihrem Auto begegnet. Dieser habe sie von hinten gepackt, ihr ein Klemmbrett unter die Nase gehalten und sie aufgefordert, zu unterschreiben. Als sie dies ablehnte, sei er ihr hinterher gelaufen, habe aber kein Wort gesagt. „Wenn du nicht verschwindest, rufe ich die Polizei“, habe sie dem Mann nach eigener Aussage zugerufen und ihn damit in die Flucht geschlagen.

Auch Jannik Lehmann erzählt eine solche Geschichte. Als er in der Innenstadt unterwegs war, beobachtete er, wie einer der Spendensammler eine ältere Frau bedrängte. „Die Dame hatte bereits ihr Portemonnaie gezückt, war sich aber nicht ganz sicher, ob sie dem Herrn nun Geld geben soll oder nicht“, sagt er. Sofort habe er die Frau vor dem Betrug gewarnt, die ihr Portemonnaie dann wieder einsteckte. Jannik Lehmann berichtet weiter, dass der Text, mit dem die Leute werben, in einem schlechten Deutsch verfasst sei und die angeblichen Taubstummen nur gebrochen Deutsch sprechen. Als Lehmann nach seiner Hilfsaktion aus einem Laden kam, wurde er bereits erwartet. Der Spendensammler habe ihn beleidigt und wollte handgreiflich werden. Zusammen mit der Verkäuferin habe er den Mann in die Flucht geschlagen. Anschließend ist Lehmann mit zwei Privatdetektiven die Innenstadt abgelaufen – ohne Erfolg.

Holm und Lehmann sind nicht die einzigen, die diese Erfahrung gemacht haben. Unternehmen kann man gegen die Spendensammler jedoch nichts. Clemens Teschendorf, Pressesprecher der Stadt, berichtet, dass seit 2009 keine Genehmigung mehr nötig ist, um auf der Straße Geld zu sammeln. Damals sei das Sammlungsgesetz abgeschafft worden. „Wir haben keine Möglichkeit mehr, solche Menschen zu kontrollieren“, sagt er. Bevor jemand aber etwas unterschreibt, sollte er auf das Deutsche Spendensiegel achten, das verdeutlicht, dass es sich um eine seriöse Organisation handelt.

Bei der Polizei ist bis jetzt noch keine Anzeige wegen der Spenden eingegangen. Die Polizei rät, nur an bekannte Vereine und Einrichtungen zu spenden und sich gegebenenfalls die Papiere oder Ausweise zeigen zu lassen. Den vermeintlich taubstummen Spendensammlern sollten die Bürger kein Geld geben, sondern sich bei der Polizei melden. Unklar ist, wofür die Menschen unterschreiben sollen.

Das bestätigt auch der Gehörlosenverband Schleswig-Holstein (GVSH). In einer Stellungnahme heißt es, dass der Verband und deren Mirgliedsvereine „normalerweise keine keine Straßensammlungen durchführen“. Außerdem seien Sammler von seriösen gemeinnützigen Vereinen zu ihrer Legitimation immer mit aussagekräftigem Informationsmaterial mit den eigenen Kontaktdaten unterwegs. Hinzu komme, dass Mitglieder von Gehörlosen-Organisationen öffentlich immer mit mehreren Personen auftreten, die die Gebärdensprache beherrschen. Ein weiteres Indiz: Gehörlose Menschen bezeichnen sich selbst heute nicht mehr als „taubstumm“.

Wer also in der nächsten Zeit jemandem begegnet, der sich als Taubstummer ausgibt, dem raten die Polizei und der GVSH, misstrauisch zu sein. Und wer bedrängt wird, sollte die Nummer 110 wählen.

zur Startseite

von
erstellt am 09.Feb.2015 | 08:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen