Flensburg : Falsche Rezepte für Tablettensucht: Rentner nach 40 Jahren aufgeflogen

Eine Apothekerin wurde bei dem mutmaßlich gefälschten Rezept skeptisch.
Eine Apothekerin wurde bei dem mutmaßlich gefälschten Rezept skeptisch.

Eine Apothekerin deckt eine lange und ausgefeilte Geschichte von Tablettensucht und Rezeptbetrug aus.

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11. April 2018, 13:10 Uhr

Flensburg | Ein 59 Jahre alter Rentner hat sich offenbar bereits seit 40 Jahren selbst Rezepte für Schlaftabletten ausgestellt und in einer komplizierten Beschaffungstour eingelöst. Seine Masche flog auf, weil eine Apothekerin am Dienstag in Flensburg bei einem „merkwürdigen“ Rezept skeptisch wurde, die Polizei rief und den Kunden vertröstete, bis die Beamten eintrafen.

Der Mann wurde auf frischer Tat im Citti-Park festgenommen, als er gerade dabei war, die Schlaftabletten in Empfang zu nehmen. Die Bezirkskriminalinspektion bestätigte den Verdacht, dass es sich bei dem vorgelegten Rezept um eine Fälschung handeln könnte.

Mit dem Taxi zu verschiedenen Apotheken

Der Rentner räumte ein, seit etwa vierzig Jahren eine immer höhere Dosis des suchtfördernden Schlafmittels zu benötigen. Zu diesem Zweck habe er die Rezepte hergestellt und in diversen Apotheken, zumeist erfolgreich, eingelöst. In allen Fällen bezahlte er die Tabletten selbst.

Für die Beschaffung reiste der 59-Jährige regelmäßig nach Flensburg, quartierte sich in Hotels ein und ließ sich mit Taxen zu unterschiedlichen Apotheken fahren. Ob auch Apotheken in anderen Städten betroffen waren, kann nicht ausgeschlossen werden und wird noch ermittelt.

Für diesen „Tourismus“ fand die Polizei diverse Belege beim Tatverdächtigen. Auch die Fälscherutensilien, wie Stempel und Blankovordrucke sowie einige noch ungeöffnete Tablettenpackungen, legte er im Hotelzimmer vor. Dort zeigte der Mann den Ermittlern noch eine Abfalltüte, worin er eine Vielzahl entleerter Verpackungen der konsumierten Schlaftabletten entsorgt hatte. Außerdem fanden die Beamten eine hohe Anzahl bereits eingelöster gefälschter Rezepte beim Rentner.

Er legte ein umfängliches Geständnis ab und gab dabei an, stark tablettenabhängig zu sein. Er wurde nach den polizeilichen Maßnahmen entlassen und wird sich nunmehr in einem Strafverfahren zu verantworten haben. Die Ermittlungen dauern an.

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