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Kontrollen des Ordnungsamts : Falsche Döner in Flensburg

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Döner-Drama in Flensburg: "In unserer Stadt kann man keinen richtigen Döner kaufen", sagt Clemens Teschendorf, Sprecher der Stadtverwaltung.

shz.de von
erstellt am 12.Aug.2013 | 12:53 Uhr

Flensburg | Schweinefleisch muss draußen bleiben, aber Scheibenfleisch gehört hinein, und zwar vom Kalb und Rind oder Lamm und Schaf. Nur dann verdient der Döner Kebab seinen Namen. So steht es im Merkblatt der Abteilung Veterinar-/Lebensmittelüberwachung der Stadt Flensburg, das auch der Inhaber des "Anatolien-Döner" hervorkramt. Mitarbeiter des Ordnungsamts suchten seinen Stand in der Neustadt ebenfalls jüngst heim. Sie hätten ihm erklärt, wann ein Döner ein Drehspieß ist - laut Handzettel dann, wenn Bindemittel enthalten sind oder mehr als 60 Prozent Hackfleisch ("Drehspieß nach Döner Kebab Art"). Wenn beides zutrifft, dann darf der (Hackfleisch-)Drehspieß nicht einmal den Zusatz "nach Döner Kebab Art" tragen.
"Das ist richtig Quatsch", sagt der Stand-Besitzer, der seinen eigenen Namen in dieser Sache für nicht wichtig hält. Der Mann aus der türkischen Stadt Adana, die berühmt für den Adana-Kebab sei (einen Hackfleisch-Spieß), übersetzt, dass Döner sich von "drehen" ableite und Kebab für die Zubereitungsart, das Grillen des Fleisches stünde. Ein Drehspieß sei demnach lediglich die Übersetzung der türkischen Bezeichnung - "egal, welches Fleisch" man nutze. Er verwende 60 Prozent Hackfleisch und 40 Prozent Scheiben, geliefert aus Hamburg. Würde er lediglich Scheibenfleisch nutzen, müsste er den Döner "für fünf Euro verkaufen, nur dann kann ich etwas verdienen". Seit 32 Jahren lebe er in Deutschland, sei als Küchenhilfe auf Schiffen gefahren und habe dort seine Erfahrungen gewonnen.

Nicht schlecht, aber auch nicht hochwertig

Clemens Teschendorf nennt es "Etikettenschwindel", wenn nicht drin ist im Döner, was laut Lebensmittelbuch hineingehört. Der Sprecher der Stadtverwaltung spricht von einer routinemäßigen Kontrolle von zehn bis 15 Läden in Flensburg. Und diese hätte ergeben: "In unserer Stadt kann man keinen richtigen Döner kaufen."
Jedenfalls nicht in den Läden, in denen die Kontrolleure unterwegs waren. Nur durch Zufall sei die falsche Bezeichnung bei Hygienekontrollen überhaupt aufgefallen, weil die Ordnungshüter auf einen Lieferschein gestoßen seien, auf dem von einem Hackfleischspieß die Rede war. Das habe nicht damit zu tun, dass die Ware schlecht sei, aber eben auch nicht so hochwertig, klärt Teschendorf. Er geht davon aus, dass die Ladeninhaber binnen einer Frist von wenigen Wochen das Manko beheben müssen und dann nachkontrolliert werden.
Uschi König hat gleich gehandelt: "Wir haben umgestellt auf richtigen Döner." Sie zeigt das Etikett eines tiefgefrorenen Spießes, das nur drei Zutaten kennt: Kalbfleisch, Salz, Pfeffer. Den nach ihr benannten Grill in der Neustadt betreibt Uschi König seit vier Monaten mit ihrem Lebensgefährten und Partner Nevzat Kubat. Er hat bereits früher einen Imbiss geführt, sie stammt aus einer kleinen Gastrofamilie. Beide schwören auf den Geschmack des echten Döners und selbst gemachten Krautsalat. "Weniger Fett" enthalte das Fleisch auch, ergänzt Kubat und macht sich wieder an die Arbeit. "Irgendwie muss man aus der Masse herausstechen", sagt König. Königs Kunden zahlen 3,50 Euro dafür.

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