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Auf Spielplatz in Flensburg : Falkner mit Frodo gegen Krähenplage

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Jörg Johannsen versucht in Flensburg, mit Wüstenbussard Frodo im Auftrag des TBZ Saatkrähen auf einem Kinderspielplatz zu vergrämen.

shz.de von
erstellt am 16.Mär.2015 | 12:12 Uhr

Flensburg | Frodo wirkt durch Präsenz. Der Wüstenbussard sitzt in einem Baum und soll einen Schwarm von Saatkrähen davon abhalten, hier Nester zu bauen und demnächst zu brüten. Denn die Bäume, die sich die Rabenvögel als Brutplätze auserkoren haben, bekränzen ausgerechnet einen Kinderspielplatz auf der Rude.

Der dreijährige Frodo ist nicht allein hier, sondern in Begleitung von Jörg Johannsen. Der 46-Jährige aus Bollingstedt ist von Beruf Falkner. Das Technische Betriebszentrum (TBZ) hat ihn beauftragt, die Krähen zu vergrämen. „Damit die Kinder in Ruhe spielen können“, begründet Hans-Jürgen Singer das Experiment. „Attackieren“, sei vielleicht zu viel gesagt, bemerkt der stellvertretende Leiter des Kinder- und Jugendbüros. Aber wenn ein Kind einen Keks auspackt, so suchte manche Krähe schon mal die Nähe dieses Kekses, sei von Anwohnern zu hören.

Das zweite Problem sei der Kot der Saatkrähen auf dem Spielplatz. Hans-Jürgen Singer geht hinüber zur Rutsche, zeigt die Flecken und erklärt, dass der Krähenkot Keime beinhaltet. Es gab schon Saisons, da musste der Spielplatz gesperrt werden.

Den Kollegen des TBZ macht der Mann von der Stadt keinen Vorwurf. „Die tun alles“, sagt er. „Man müsste täglich putzen“, ergänzt Tatjana Delor aus der Abteilung Tiefbau. Vor Jahren seien auch Jäger mit Platzpatronen eingesetzt worden, um die Vögel fern zu halten, weiß Delor. Doch seien die, als ihnen nichts Böses widerfuhr, sorglos über dem Kopf des Jägers gekreist. „Wir haben es mit einem schlauen Gegner zu tun“, urteilt Singer. Tatjana Delor beobachtet, dass zunächst einige Späher nachsehen würden, ob der „Feind“ da sei, und wenn nicht, weitere Krähen in die Bäume folgen würden. „Es sind weniger da, wenn man kommt“, hat sie allerdings auch schon festgestellt.

Ob der Falkner und Frodo die nicht willkommenen gefiederten Gäste vertreiben können, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Doch wie es scheint, könnte der mehrere Wochen währende, doch „überschaubare Versuch“ Erfolg haben. Hans-Jürgen Singer zählt derzeit nur 13 Nester anstelle von 40 im Vorjahr.

Irgendwann sei der Druck, ein Nest zu bauen, um darin zu brüten, so stark, dass sich die Krähen einen anderen Ort dafür suchen müssen, erklärt Jörg Johannsen. Der Falkner kommt täglich auf der Rude vorbei für vier bis fünf Stunden zu wechselnden Tageszeiten – natürlich auch am Wochenende. Die Genehmigung zur Vergrämung hat er vom zuständigen Landesamt, denn Saatkrähen sind nicht jagdbar.

Manchmal bringt er Frodos ein Jahr älteren Bruder „Jakob“ mit, ebenfalls einen Wüstenbussard. Johannsen stellt ihn als etwas sanfter vor. Die Gattung stamme aus Arizona, weiß der Falkner, der sein Hobby vor vier Jahren zum Beruf gemacht hat. Solange wie er Jakob hat. Er habe sich bewusst für zwei männliche Greifvögel, zwei Terzel, entschieden: „Ich wollte schnelle Flieger haben.“ Bei ihm zu Hause lebten außerdem noch ein Uhu und ein Wanderfalke. Die Ausbildung der Bussarde dauere zwei bis drei Wochen und schließt auch ein, dass der Falkner den Vögeln zeigt, was ein Baum ist, was ein Auto. „Als ich ihn bekommen habe zur Ausbildung“, erzählt Johannsen über Frodo, „hat er mit uns Fernsehen geguckt.“ Die Bindung werde eben in erster Linie durch Familienanschluss gestärkt.

Fürs Kinder-und Jugendbüro hat der Einsatz des Falkners jedenfalls einen weiteren schönen Nebeneffekt: Es hat Jörg Johannsen mitsamt seiner tierischen Begleiter glatt für die Ferienpass-Aktion gewonnen.

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