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Flensburger Tageblatt

21. August 2017 | 18:33 Uhr

ÖPNV : Fahrer bangen um ihre Jobs

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Afag-Belegschaft befürchtet das Aus für ihren Betrieb und hofft jetzt auf die Sitzung der Ratsversammlung am Donnerstag

Da wunderten sich die wartenden Fahrgäste: Der Linienbus hielt nicht an der Haltestelle, sondern fuhr direkt auf den Südermarkt. Mit einer Sondererlaubnis, versteht sich. Und dort stand er nun – den ganzen Tag.

Die Belegschaft des Verkehrsunternehmens Afag demonstrierte gestern für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze und eine weitere Zusammenarbeit „als verlässlicher Partner“ von Aktiv-Bus. Wie berichtet, trägt die städtische Enkeltochter ab Juni 2015 die alleinige Verantwortung für das gesamte Liniennetz in Flensburg. Dann wird die Afag die Konzession für die Linien 10 bis 15 verlieren. „Und damit gehen auch fast 50 Jobs verloren“, bemerkte Afag-Betriebsratsvorsitzender Stefan Vetter. 40 Busfahrer sind betroffen, dazu Mitarbeiter in Werkstatt und Büro, Auszubildende und geringfügig Beschäftigte. „Das Unternehmen ist gesund, schreibt schwarze Zahlen und hat es verdient, am Arbeitsmarkt zu bestehen“, sagte Vetter. „Es geht darum, dass wir unsere Familien weiter ernähren können.“

Öffentlicher Personennahverkehr in Flensburg braucht, wie in der Vergangenheit, zwei gleichberechtigte Partner. Das ist die Überzeugung des Unternehmens. Gemeinsam könne man gestalten, optimieren, Synergien nutzen. „Daher ist die Ratsversammlung gefragt“, sagt Betriebsrat Bernd Petersen mit Blick auf die Sitzung am Donnerstag. Bislang habe es von Aktiv-Bus kein Zeichen der Annäherung gegeben, wurde auch den Besuchern des Info-Standes auf den Weg gegeben. Doch seine Befürchtung, dass man keinen der 18 Busse, keinen Fahrer übernehmen wolle, wird von Aktiv-Bus-Chef Paul Hemkentokrax relativiert: „Ich fühle mich persönlich dafür verantwortlich und werde dieser Verantwortung auch nachkommen. Kein Busfahrer wird seinen Arbeitsplatz verlieren, wir brauchen mehr und nicht weniger Busfahrer“, versicherte er. Es bleibt dennoch die grundsätzliche Angst, dass die Afag im Falle einer EU-weiten Ausschreibung als Verlierer vom Platz gehen werde.

Fast die Hälfte der Mitarbeiter ist schon über 20 Jahre dabei, die Fluktuation gering. „Das liegt daran“, so Petersen, „dass wir ein toller Betrieb sind, seit bereits 88 Jahren.“ Das weiß auch Gisela Schwerdtfeger (78), die Bus fährt, seit sie denken kann. Sie zögerte nicht, ihre Unterschrift für den Erhalt der Arbeitsplätze zu geben. „Nette Fahrer, immer zuverlässig, pünktlich – ich kann nur Gutes über die Afag sagen.“ Alexander Hufenbach (22) pflichtet bei. „Ich hab kein Auto, bin auf den Bus angewiesen, Arbeitsplätze sind hier schon genug verloren gegangen.“ Steilvorlage für Stefan Vetter. Motorola, Danfoss, Bundeswehr – der Aderlass in der Region sei riesig. „Es lohnt sich, um jeden Arbeitsplatz zu kämpfen!“

 

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erstellt am 24.Sep.2013 | 05:39 Uhr

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