Marineschule Flensburg : Fahneneid in der prallen Sonne

Abschreiten der Front: Vizeadmiral Andreas Krause, Inspekteur der Marine (r.), Schulchef Abry (l.) und Verteidigungspolitiker Wolfgang Hellmich. Fotos: Pohl
1 von 2
Abschreiten der Front: Vizeadmiral Andreas Krause, Inspekteur der Marine (r.), Schulchef Abry (l.) und Verteidigungspolitiker Wolfgang Hellmich. Fotos: Pohl

Crew VII/2018 ist die größte an der Marineschule nach dem Kalten Krieg

shz.de von
04. August 2018, 06:50 Uhr

„Tragen Sie Ihre Uniform offen und mit Stolz!“, forderte Wolfgang Hellmich (SPD), Vorsitzender des Verteidigungsausschusses des Bundestags, die 286 angetretenen Offiziersanwärter auf. Die mussten gestern über eine Stunde in der prallen Sonne stramm stehen, und unter den Uniformen und Mützen floss der Schweiß in Strömen. Zu den Schreien der Möwen gesellte sich das nervige Sirren zweier Kameradrohnen über den Köpfen der jungen Soldaten.

Es war die größte Crew, die seit Ende des Kalten Krieges auf der Admiralswiese vor der Marineschule angetreten war. Von den 286 angetretenen Rekruten – darunter 54 Frauen – sprachen jedoch nur 211 die vorgeschriebene Eidesformel. Die anderen waren Angehörige der Streitkräfte anderer Staaten, die zwar an der Marineschule ausgebildet, aber nicht vereidigt werden, sowie einige „Quereinsteiger“, die schon früher in die Bundeswehr eingetreten und vereidigt worden waren, aber jetzt erst an die Marineschule kommen.

Geht es nach Kapitän zur See Wilhelm Tobias Abry, dem aktuellen Kommandeur der Schule, wird die Crew VII/2018 auch die erste sein, die nach der jahrelangen und mit 135 Millionen Euro ausgesprochen teuren Sanierung der „Gorch Fock“ wieder in die Rahen des Segelschulschiffs aufentern wird. „Die Gorch Fock ist mein wichtigstes Ausbildungsmittel“, betonte Abry. Auf ihr würden die Kadetten nicht zuletzt die Organisation eines Kriegsschiffes kennenlernen.

Vermutlich wird jeder der vereidigten Rekruten früher oder später einmal im Ausland eingesetzt werden. Das sei sehr wahrscheinlich, so Abry am Rande der Zeremonie. Ihr Einsatz in der Truppe beginnt nach insgesamt sieben Jahren Ausbildung; dann haben sie ein Master-Studium, den Dienstgrad eines Oberleutnants und 2700 bis 2800 Euro netto im Monat. Schon jetzt als Anfänger kommen sie auf stolze 1600 Euro. Am Ende des Studiums würden jedoch bis zu 50 Prozent eines Jahrgangs zunächst einmal durchfallen, so Tim Gabrys, Pressesprecher der Marineschule.

Dafür müssen sie aber später im Einsatz bereit sein, ihr Leben aufs Spiel zu setzen und notfalls auch andere Menschen zu töten. Das betonte Verteidigungspolitiker Wolfgang Hellmich in seiner Rede. „Sie tragen jetzt Verantwortung für Frieden und Freiheit unseres Volkes“, ergänzte Schulkommandeur Abry.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen