Flensburger Schiffbau-Gesellschaft : „Fadiq“ – jüngster Spross der FSG

Unter Applaus ins Fördewasser gerauscht: Die „Fadiq“ ist fast 210 Meter lang und 26 Meter breit.
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Unter Applaus ins Fördewasser gerauscht: Die „Fadiq“ ist fast 210 Meter lang und 26 Meter breit.

Schwesterschiff der „Medeq“ gestern vom Stapel gelaufen / Flensburger Schiffbau-Gesellschaft noch bis zum April 2019 ausgelastet

shz.de von
08. September 2017, 06:36 Uhr

Es ist der erste Stapellauf seines noch jungen Lebens. Denn der kleine Milan ist selbst erst vor kurzem „vom Stapel gelaufen“ – er ist fünf Monate alt. Sein Vater Tobias Schlichting hat zur Schiffstaufe der neuen RoRo-Fähre „Fadiq“ für die Reederei Alternative Transport seine komplette Familie mitgebracht: Ehefrau Anni sowie die Töchter Lea und Jonsha.

Schlichting ist Mitarbeiter eines Subunternehmens, das für den Korrosionsschutz zuständig ist. Bestimmt 20 Stapelläufe habe er bei der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft bereits mitgemacht. Traditionell immer freitags. Warum die Zeremonie diesmal auf einen Donnerstag fiel, verwundere auch ihn. Der Umstand ist, wie das Tageblatt erfuhr, einer Bitte des Auftraggebers geschuldet.

Von FSG-Chef Rüdiger Fuchs gab ein dickes Sonderlob für Schlichtings Firma, weil noch in der letzten Nacht die Außenhaut des Bugs soweit hergerichtet worden war, dass das 209 Meter lange Schiff zur Feier des Tages ansprechend daherkam. Er würdigte in seiner Ansprache zudem den Einsatz der gesamten Belegschaft – auch in der Urlaubszeit–, so dass man den Rückstand aus dem ersten Halbjahr habe aufholen können. „Es ist toll“, rief er aus, „wenn man sich aufeinander verlassen kann.“

Sehr herzlich begrüßte Fuchs die Gäste, die aus der Türkei angereist waren. Bei Alternative Transport handelt es sich um die Schifffahrtssparte der Ekol Logistik A.S. aus Istanbul. Vor etwa einem Jahr war bereits das von der Reederei in Auftrag gegebene Schwesterschiff auf den Namen Medeq“ getauft worden. Die Schiffe tragen die Baunummern 769 sowie 770 und werden im Rahmen eines Chartervertrages betrieben und zwischen Istanbul und dem italienischen Triest pendeln.

Entwickelt wurden die beiden RoRo-Fähren vom Projektleiter Wolfgang Schüler. Sie haben eine Ladekapazität von 4100 Spurmetern und können somit 283 Lastkraftwagen (Trailer-Stellplätze ohne Zugmaschinen) aufnehmen. Die zwei Maschinen leisten zusammen 19  200 Kilowatt und bringen die Schiffe auf eine Maximalgeschwindigkeit von 21,3 Knoten. Schüler hat noch einmal nachgemessen. Die Länge der Riesen beträgt exakt 209,79 Meter. Ursprünglich seien sie 15 Meter kürzer konzipiert, im Jahr 2012 dann aber verlängert worden. „Normalerweise dauert es zwei Jahre vom Entwurf bis zur Fertigstellung“, erläutert der Maschinenbau-Ingenieur. „Ein Jahr geht drauf für die Konstruktion, ein weiteres für den Bau an sich.“ Doch da die „Fadiq“ quasi eine Blaupause ihres Schwesterschiffes ist, sei es in diesem Fall zügiger vorangegangen. „Wir mussten es lediglich an das aktuelle Regelwerk anpassen, wie etwa die sich verändernden Sicherheits- und Umweltrichtlinien.“

Seit 27 Jahren ist Wolfgang Schüler auf der Flensburger Werft tätig. Ein Stapellauf ist für den 53-Jährigen ein „immer wieder großer Moment“. Besonders dann, wenn man das Schiff selbst entworfen hat, versteht sich. „Das ist schon ein besonderes Gefühl und macht mich natürlich auch ein wenig stolz.“

Die Auftragslage bei der Schiffbau-Gesellschaft lässt sich unterschiedlich interpretieren, wie man will: Das Orderbuch umfasst derzeit vier Schiffe, davon zwei große RoPax-Fähren für Irish Ferries und Brittany Ferries. Die letzte Auslieferung ist für den April 2019 geplant.



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