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Flensburger Tageblatt

24. September 2017 | 10:47 Uhr

Innovativ : Fachhochschule forscht für die UNO

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kooperation mit Schweizer Welt-Unternehmen für ein weltweit geplantes Abwehrsystem gegen invasive Arten im Ballastwasser der Welt-Schifffahrt

shz.de von
erstellt am 25.Apr.2014 | 07:30 Uhr

Sie kommen als blinde Passagiere, und sie kommen um zu bleiben. Invasive Tierarten aus fernen Meeresgebieten verursachen Jahr für Jahr Milliardenschäden in regionalen Ökosystemen, und sie werden zu einem Großteil über das Ballastwasser der Schifffahrt verteilt. Die International Maritime Organisation (IMO), eine Unterorganisation der UNO, will der risikoreichen Verbreitung einen Riegel vorschieben. Mit maßgeblicher Hilfe des Maritimen Zentrums der Fachhochschule Flensburg.

Die FH und die mit 80 000 Mitarbeitern in 1650 Labors weltweit führende Schweizer Zertifizierungs- und Verifizierungsgesellschaft SGS S.A. Genf haben seit 2012 gemeinsam die Grundlagen dafür gelegt, dass die von der IMO definierten Qualitätsstandards zur Behandlung und Wiedereinleitung von Ballastwasser kontrolliert werden können. Prof. Dr. Holger Watter (FH) und der SGS-Meeresbiologe Dr. Lothar Schillak haben in Flensburg ein Probenentnahmesystem entwickelt, das gute Chancen hat, weltweit Standards zu setzen.

In einer gemeinsamen Mitteilung gehen die FH und ihr kommerzieller Partner SGS davon aus, dass die IMO-Regeln in kurzer Zeit völkerrechtlich verbindlich sein werden. Kein in der internationalen Fahrt eingesetztes Schiff wird dann noch Ballastwasser ungereinigt am Zielhafen ablassen können. Jedes betroffene Schiff wird dann eine Behandlungsanlage an Bord haben und deren Funktionstüchtigkeit auch jederzeit im Betrieb nachweisen müssen. Ein Riesengeschäft. Und ein wichtiger Teil der Technik könnte aus Flensburg kommen. Vergangene Woche präsentierten SGS und Fachhochschule das Resultat ihrer Arbeit vor der Uno-Organisation.

Auf die Reeder rollt eine Welle von Investitionen im Milliardenbereich zu. Bei der FSG wird die neue Technik deshalb schon verbaut – aus Kostengründen. „Nachrüsten ist unterm Strich sehr viel teurer“, sagt Jörg Knorr, zuständiger Ingenieur bei der FSG. „Deshalb bauen wir die Anlagen für unsere Kunden schon ein, obwohl sie noch nicht vom Gesetzgeber gefordert werden.“ Auf der „Rolldock Storm“, dicht über der Bilge, zeigt sich die Anlage als Geflecht aus halbmeterdicken Rohren und mächtigen Pumpen. Laut Knorr werden sowohl mechanische Filter als auch elektronische Mittel bei der Reinigung eingesetzt – und zwar bereits bei der Aufnahme des Ballastwassers. Bis zu 750 Kubikmeter schaffen die Aggregate in der Stunde, die Tanks können bis zu 5000 Kubikmeter Ballastwasser aufnehmen, das für die Stabilität des Schiffs lebenswichtig ist. An drei Schnittstellen können die Kontrolleure künftig die an der Förde entwickelten Messsysteme andocken, die Auskunft über die Besiedelung des Ballastwassers geben.

Wie das geht, wurde in einer ersten Schulung Anfang des Monats demonstriert. SGS schickte ihre Mitarbeiter aus Asien und Amerika am 13. April schon mal zur Schulung nach Flensburg. Weitere Seminare sind in Planung – auch für das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie in Hamburg.

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