Flensburger Disco : Facebook-User trauern um den Speicher

Vor drei Wochen wurde der Speicher für immer geschlossen.
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Vor drei Wochen wurde der Speicher für immer geschlossen.

Im sozialen Netzwerk Facebook tauschen junge Partygänger ihre Erinnerungen über die geschlossene Flensburger Kult-Disco aus. Eine baldige Wiedereröffnung an einem anderen Ort scheint vorerst ausgeschlossen.

shz.de von
23. Juni 2014, 20:50 Uhr

Flensburg | Es war ein rauschendes Abschluss-Wochenende, das der Rockpalast Speicher vor drei Wochen erlebte. Vor den Eingängen an der Schiffsbrücke bildeten sich schon kurz nach Öffnung der Disco lange Schlangen. Jeder wollte ein letztes Mal in dem Kult-Club feiern, bevor am maroden Flensburger „Kaysers Hof“ die Abrissbagger anrollen und hier ein Hotel entsteht.

Das Warten der vielen jungen Feierwütigen wurde schließlich belohnt: Bis in die späten Morgenstunden erwiesen sie ihrem Speicher die letzte Ehre. Alle Getränke gingen zum halben Preis über den Tresen. Danach war Schluss – für immer. Der gesamte „Kaysers Hof“ wurde wenige Tage später abgesperrt.

Für die Speicher-Gänger bleiben jetzt nur noch die Erinnerungen. Auf Facebook hat sich unter dem Namen „RIP Rockpalast Speicher Flensburg“ eine kleine Trauergruppe gebildet, die inzwischen immerhin rund 370 Mitglieder zählt.

In der Facebook-Gruppe werden Bilder von der Außenfassade und Geschichten über die Disco gepostet. „Sieht schon gut verlassen aus“, schreibt Jarne Thomsen zu seinem Foto. In den darunter stehenden Kommentaren geben ihm die anderen Mitglieder Recht. „Das sieht ja schrecklich aus. Gefällt mir gar nicht", macht Bianca-Christiane Albrecht ihrem Ärger Wut. „Was da alles drinnen und draußen passiert ist. Speicher-Legende", erinnert sich Bjarne Menzel an die Zeiten vor der Schließung.

Hoffnung auf eine baldige Wiedereröffnung des Clubs können sich die Speicher-Freunde indes nicht machen. Zwar kursieren in der Flensburger Party-Szene immer wieder Gerüchte, die Disco könnte schon bald in eine neue Lokalität ziehen, doch die Chancen dafür stehen schlecht. „So wie es aussieht erstmal nicht“, antwortet die offizielle Facebook-Seite des Speichers auf die Frage nach einer Wiedereröffnung.

Die Meinungen hierüber sind geteilt. „Gefällt mir gar nicht! Der beste Club hat geschlossen“, findet Pia Sager. Nici Boysen sieht hingegen auch die guten Seiten einer endgültigen Schließung: „Selbst wenn der Speicher nochmal irgendwo aufmachen würde, dann wäre die Atmosphäre weg. Ich persönlich denke, dass der Speicher dann leider nicht lange überleben wird. Das war damals mit dem Roxy genauso.“

Das Roxy in der Norderstraße war in den 90er-Jahren Anziehungspunkt der jungen Leute in Flensburg. Um die Jahrtausendwende musste die Disco schließlich auf Drängen der Stadt schließen, eröffnete wenig später jedoch im Gebäude der Alten Post wieder. Mit mäßigem Erfolg. Das Roxy gibt es heute nicht mehr.

Für welchen Weg sich die Speicher-Verantwortlichen am Ende auch immer entscheiden, ihr Club wird aus Sicht seiner jungen Anhängerschaft durch die Facebook-Gruppe ein Stück weiterleben.

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