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Faber: „Infrastruktur reicht für 100 000“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Stadt plant weiterhin mit der Einwohnerzahl von 90 000 – und will Flächen für weiteren Wohnraum schaffen

Die 100 000 waren so ein schönes Ziel! Dann kam der Zensus, und Flensburgs Bevölkerung schrumpfte von knapp über 90 000 auf gut 82 000. Ein Schlag ins Kontor der Stadtplaner und Kommunalpolitiker, die Flensburg schon bald als Großstadt sahen. Doch Oberbürgermeister Simon Faber bleibt dabei: Flensburg wächst! Und bei den Zensus-Zahlen sei das letzte Wort noch nicht gesprochen. Im Interview mit der Stadtredaktion sondiert der Verwaltungschef die Wachstumschancen und erläutert die Strategie auf dem Weg zur Sechsstelligkeit.

Herr Faber, wie viele Einwohner hat Flensburg denn nun heute wirklich?
Wir halten an der Auffassung fest, dass wir zum Stichtag 31. Dezember 2012 89 983 Einwohner hatten. Wir nehmen zur Kenntnis, dass der Zensus ein anderes Ergebnis festzusetzen gedenkt. Wir haben Widerspruch eingelegt, weil wir das Ergebnis nicht für nachvollziehbar halten. Das heißt, die jetzige Planungsgrundlage bleibt für uns die Zahl bei knapp 90000.

Welche Chancen hat die Klage Flensburgs und anderer Kommunen gegen die Zensus-Ergebnisse?
Nachdam wir uns anfangs noch allein wähnten, haben wir festgestellt, dass mittlerweile sehr viele Kommunen Zweifel anmelden, nicht nur in Schleswig-Holstein, sondern bundesweit. Unsere Einwände begründen wir vorwiegend aus zwei Sachverhalten: Zum einen meinen wir, dass unser Melderegister immer wieder auf seine Qualität und Hochwertigkeit geprüft wurde, z.B. 2009 bei der umfangreichen Versendung der Steuer-ID-Nummern; das heißt, eine so große Abweichung entspricht einfach nicht der gelebten Verwaltungspraxis. Zum anderen – und da haben wir uns von Experten beraten lassen – mag die Methode des Zensus an sich stimmig sein. Sie funktioniert allerdings nur dann, wenn jeder Schritt in der Methode auch mit höchster Qualität ausgeführt wurde. Im Umkehrschluss: Eine Qualitätsschwäche in nur einem Teilschritt kann zu erheblichen Abweichungen führen. Wir sind sehr daran interessiert, mit welchen Qualitätssicherungen man gearbeitet hat. Denn die Abweichung hat sich ja gewaschen: Der Zensus legt für den 9. Mai 2011 eine Einwohnerzahl von 82258 fest.

Erfolgt die derzeitige Finanzzuweisung auf der Basis der alten Zahlen?
Zunächst mal ja, es ist eine Übergangsregelung von der Landesregierung definiert worden. Die Anwendung der neuen Zahlen z.B. für das FAG wird für 2014 zu 50 Prozent und ab 2015 zu 100 Prozent erfolgen. Das ist für uns relevant, denn am Ende geht es um eine Differenz in Millionenhöhe. Und es wäre unglücklich, wenn wir das, was wir durch eine mögliche Reform des kommunalen Finanzausgleichs gewinnen, durch den Zensus gleich wieder verlieren würden. Wenn am Ende die Methode des Zensus durch trägt, dann ist es so. Aber das muss man uns plausibel darstellen können.

Warum ist es eigentlich wichtig und gut für Flensburg, wenn die Stadt wächst?
Egal von welcher Zahl man ausgeht: Es gibt den Trend zur Stadt, es gibt die Urbanisierung, ganz allgemein, aber in Flensburg ganz besonders. An dem strategischen Ziel „Flensburg wächst“ werden wir festhalten, egal ob wir von 82 000 oder von 90 000 ausgehen. Wenn die Zahl der Bürger insgesamt zurückgeht, macht es Sinn, dass sie sich an funktionierenden Orten konzentrieren. Deswegen ist es aus meiner Sicht wichtig, die Zentren, die ein Wachstum erwarten können, zu stärken, damit sie mit einer vernünftigen finanziellen Ausstattung attraktiven Wohnraum bieten können. Wir müssen natürlich auch unseren Teil dazu tun, um die Wohnraum-Entwicklung möglich zu machen. Das betrifft letztlich auch die Ansiedlung von Unternehmen. Für Investitionen ist es ein entscheidender Indikator, die Aussage treffen zu können, wir sind eine wachsende Stadt.

Was bedeutet das Wachstum der Stadt für die Infrastruktur?
Für einen großen Teil unserer kulturellen und technischen Infrastruktur gilt, dass wir dort noch größere Bevölkerungszahlen verkraften können. Unsere Grenzen liegen eher in der Verfügbarkeit der Fläche. Sowohl in der Ausdehnung als auch in der „Wiederverfügbarmachung“ von Flächen für neue Nutzungen. Die wird immer mit Reibungen zu tun haben. Aber im Grunde kann die Infrastruktur 100 000 und mehr locker verkraften. Man muss allerdings die Liniennetze im ÖPNV anpassen, das ist im 3. Regionalen Nahverkehrsplan angelegt.

Konversion ist ein weiteres Thema. Da hat Flensburg schon viel gemacht. Die frühere Standortverwaltung an der Meiereistraße ist das nächste Projekt. Auch das wird eine sehr reizvolle Fläche, auf der man ganz wunderbare Wohnraum-Entwicklung machen wird. Wir haben dort ein Wettbewerbsverfahren in der Vorbereitung. Das Bahnhofsumfeld ist ein ganz wichtiges Projekt in meiner Amtszeit. Wir müssen den Blick zwar weiterhin darauf richten, Einfamilienhausgebiete zu erschließen, aber vor allem mehr Energie drauf verwenden, Flächen innerstädtisch neu zu nutzen. Fortsetzung morgen

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erstellt am 14.Okt.2013 | 18:16 Uhr

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