Flensburger Köpfe : F. W. Selck:Wohltäter und Ehrenbürger

Immer großzügig: Friedrich Wilhelm Selck.
Immer großzügig: Friedrich Wilhelm Selck.

Flensburger Köpfe 2: Der aus Tönning stammende Kaufmann und Kommerzienrat hat sich in vielfältiger Weise für seine Stadt engagiert

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05. August 2011, 06:38 Uhr

FLENSBURG | Ein generöser Stifter und stiller Wohltäter und Helfer war der Kaufmann und Stadtverordnete Friedrich Wilhelm Selck, der 1911 anlässlich seines 90. Geburtstages zum Ehrenbürger von Flensburg ernannt worden ist. Damit wollten die städtischen Gremien "den gütigen Wohltäter so vieler Bedürftigen, den freigebigen Förderer aller gemeinnützigen Bestrebungen" angemessen würdigen. In ähnlicher Weise hatte Selck auch seine Geburtsstadt Tönning bedacht, die ihm ebenfalls das Ehrenbürgerrecht verlieh.

Friedrich Wilhelm Selck, am 13.4.1821 in Tönning als Sohn eines Kaufmanns geboren, war im Jahre 1851 nach Flensburg übergesiedelt und hatte in der Großen Straße ein "Detailgeschäft in Kolonialwaren und Delikatessen" eröffnet. Sein Unternehmen war erfolgreich und expandierte kontinuierlich, so dass er bald einen Großhandel etablieren konnte. Dabei knüpfte er sogar internationale Geschäftsbeziehungen. Zum Beispiel importierte er Petroleum und Zucker direkt aus Amerika. Er wurde ein wohlhabender und hochangesehener Bürger der Fördestadt und engagierte sich über seine eigene Geschäftstätigkeit hinaus auf verschiedenen kommunalen Feldern.

Er zählte zu den Gründungsmitgliedern der Flensburger Privatbank 1874, war Mitglied der Handelskammer und des Handelsvereins und arbeitete im Vorstand der Gesellschaft "Harmonie" mit. Auch für die Stadtpolitik übernahm er Verantwortung: Selck gehörte von 1871 bis 1883 der Stadtverordnetenversammlung an. Sein herausragender Einsatz namentlich für wirtschaftliche Belange wurde 1892 mit der Verleihung des Ehrentitels Kommerzienrat anerkannt. Eine zusätzliche Voraussetzung für die Vergabe dieses Titels waren nennenswerte Stiftungen für das Gemeinwohl.

Diese Bedingung hatte Selck deutlich erfüllt. Er sei einer der größten Wohltäter der Stadt, ist in einem historischen Zeitungsbericht zu lesen, in dem unter anderem auf die von ihm gestifteten und nach ihm benannten Altenheime in Flensburg und Tönning hingewiesen wird. Diese Einrichtungen nebst einem Kapital habe er den Städten geschenkt, darüber hinaus zahlreiche Legate und lebenslange Renten gestiftet. Lang ist die Liste der sozialen Vereinigungen und Einrichtungen wie beispielsweise die Seemannsstiftung, die Kleinkinderschulen und der Frauenverein für Armen- und Krankenpflege, die sich über finanzielle Zuwendungen freuen konnten.

1911 verliehen die städtischen Kollegien Friedrich Wilhelm Selck "in dankbarer Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste um das Wohl der Stadt Flensburg" das Ehrenbürgerrecht. Im Jahre 1926 wurde eine Straße auf der westlichen Höhe nach ihm benannt.

Als er nach kurzer Krankheit am 21. Oktober 1911 im 91. Lebensjahr in Flensburg gestorben war, wurden auf allen städtischen Gebäuden die Fahnen auf halbmast gesetzt. "In dem Entschlafenen verliert die Stadt einen ihrer besten und verdientesten Bürger", heißt es in dem Nachruf des Rathauses. Wohldenkend und warmen Herzens linderte er, besonders in der Stille, mit seinen reichen Mitteln Not und Elend, wo immer sie ihm in den langen Jahren seines Lebens entgegentraten."

Und die Lokalzeitung brachte wohl die Stimmung in der Bürgerschaft zum Ausdruck, indem sie feststellte: "Manche Träne hat der Verstorbene im stillen zu trocknen verstanden, und manche Träne dürfte dem edlen Wohltäter deshalb auch nachgeweint werden."

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