zur Navigation springen

Versöhnungskirche Harrislee : Expressionismus-Gebäude erstrahlt im alten Glanz

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine Erbschaft ermöglichte die aufwendige Restaurierung des Innenraums der Versöhnungskirche in der ursprünglichen Farbgebung

shz.de von
erstellt am 23.Okt.2017 | 18:42 Uhr

Leinöl- und Farbgeruch liegt in der Luft. Sanft gebrochene, satte Farben, stilisierte Motive bestimmen seit Fertigstellung der Renovierung das Innere der Harrisleer Versöhnungskirche: Nach fast einem halben Jahr Arbeit ist die 1928 im Heimatschutzstil von dem Architekten Wilhelm Oelker erbaute Rotbackstein-Kirche in ihrer ur-sprünglichen Fassung wiederhergestellt. Der hübsche Bau, den allein fünf von der Künstlerin Käte Lassen ent-worfene Glasfenster schmücken, ist etwas ganz Besonderes, denn mit ihm besitzt Harrislee eine der ganz seltenen expressionistischen Kirchen.

Eine im Tresor der Kirchengemeinde entdeckte historische Fotoplatte, wohl aus der Erbauungszeit der Kirche, offenbart interessante Einzelheiten und ermöglichte die detailgetreue Sanierung. Auch wenn es keine Farbaufnahme gibt: Helligkeitsnuancen des historischen Fotos ließen Rückschlüsse auf die Originalfarbgebung zu, die wohl erstmals in den Sechziger Jahren übermalt wurde. In Absprache mit dem Denkmalschutz legte die Flensburger Restauratorin Heike Binger ursprüngliche Farben und Motive frei und mischte die Originaltöne auf Leinölbasis. Für die neue Farbgebung nach historischem Vorbild sorgte der Hamburger Künstler und Kirchenmaler Volker Lang. Nun erstrahlt das Harrisleer Gotteshaus wieder im damals gedachten, zart farbigen Glanz.

Mit den gezackten Formen an den Wangen der Bänke, der Orgelempore, an Altar und Kanzel spricht die Kirche die deutliche Sprache des Expressionismus. „Die Malerei, die Formen, die bewusste Abstufung der Farben sind eine Einheit“, erklärt Pastor Axel Kapust. Alles korrespondiere miteinander. Mit dem Grundton des satten Grüns und den Blumenmotiven sei die Natur, die Schöpfung das gemalte Hauptmotiv: „Schließlich stand die Kirche damals mitten auf dem Feld“. Blumen seien das Symbol der Hoffnung: „Sie stehen für die Auferstehung“. Wie ein gewebtes Tuch, ein scheinbarer Baldachin aus Stoff spannt sich die „gefaltete“ Holzdecke in Himmelsblau und sonnigen Ockertönen über den Kirchenraum und erinnert an Entwürfe von Wenzel Hablik. Expressionistische Blüten zieren die Orgelempore, zarte Tulpen die Kanzel. Palmen ähnlich tragen zwei Pfeiler die Empore.

„Einen großen Teil der Kosten konnten wir mit dem Erbe des ehemaligen Malers und Hausmeisters am St. Franziskus, Kurt Wieck, der der Kirchengemeinde sein gesamtes Vermögen ver-macht hat, und durch Spenden des Harrisleer Kirchbauvereins bestreiten“, erklärt Kapust. Sein Wunsch: „Jetzt muss irgendwann die Beleuchtung angepasst werden“.
´

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen