Grundhof : Exponate unterm Hammer

Die Sammlung des kleinen Dorfmuseums in Bönstrup wird am Sonnabend aufgelöst.
Die Sammlung des kleinen Dorfmuseums in Bönstrup wird am Sonnabend aufgelöst.

Das „Kleine Dorfmuseum Bönstrup“ wird morgen aufgelöst. Die Erlöse aus dem Verkauf des Restbestandes werden gespendet .

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11. Mai 2018, 12:45 Uhr

Grundhof | Gegründet im Jahre 1967 und über viele Jahre ausgebaut und erweitert, wird das „Kleine Dorfmuseum“ im Grundhofer Ortsteil Bönstrup nun aufgelöst. Über 1000 Exponate stehen morgen ab 10 Uhr zum Verkauf. Den Erlös erhält der in Langballig beheimatete Verein „Let me be a child“, der in Äthiopien zwei Heime zur Betreuung von Straßenkindern betreibt.

Zu den Ausstellungsstücken, die erworben werden können, gehören Waagen und Gewichte, Leuchten und früher gebräuchlicher Hausrat aller Art. Hinzu kommen Kuriositäten wie Mausefallen, Dreschflegel und eine Teufelsgeige, Pflüge, Fleischwölfe sowie Tand und Trödel. Im Laufe der 50 Jahre seines Bestehens haben sich mehr als 90 000 Besucher das Dorfmuseum, das in einem ehemaligen Stallgebäude eingerichtet wurde, angesehen. Der Eintritt war stets kostenlos und die Führung durch „Hanni Maler“, ein weithin bekanntes, vornehmlich plattdeutsch sprechendes Bönstruper Original, immer ein Erlebnis. Doch wegen der Nähe zum 1993 eröffneten Landschaftsmuseum Angeln in Unewatt verlor es zunehmend an Bedeutung.

Das Dorfmuseum verdankte seine Gründung einer gemeinsamen Initiative der Familie Börnsen und von Pastor Dieter Andresen. Als „Anfassmuseum“ war es besonders auf Kinder und Menschen mit Behinderungen ausgerichtet. 2004 wurde es als „kinderfreundlichstes Museum im Schleswig-Holstein“ ausgezeichnet. Auch erhielt es eine Plakette als Hort für Fledermäuse.

Schon vor der nun anstehenden Auflösung wurden Ausstellungsstücke nach Molfsee an das Volkskundemuseum, an das Industriemuseum in Kupfermühle, an die Kreishandwerkerschaft in Flensburg und nach Unewatt abgegeben. Der Parlamentssitz von Ex-Bundeskanzler Ludwig Erhard, den Wolfgang Börnsen als seinerzeit in Bonn tätiger Bundestagsabgeordneter vor der Vernichtung gerettet und nach Bönstrup gebracht hatte, steht jetzt im Historischen Museum in Berlin.

Für Jenny und Wolfgang Börnsen geht damit eine Ära zu Ende. „Aber uns bleibt die Erinnerung an viele persönliche Gespräche, an Menschen, die uns zu manchem Museumsstück eine besondere Geschichte erzählen konnten, und besonders an die legendären Museumsfeste, die wir mit Nachbarn, Freunden und vielen Besuchern viele Jahre lang gefeiert haben.“ Sie hoffen auf eine gute Verkaufsaktion, damit ein ansehnlicher Betrag zugunsten der äthiopischen Straßenkinder zusammenkommt.

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