Expedition ins Kapitänsviertel

Die prunkvolle Margarethenburg an der Johannisstraße erstrahlt im lang ersehnten Sommerwetter. Foto: Gloyer (2)
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Die prunkvolle Margarethenburg an der Johannisstraße erstrahlt im lang ersehnten Sommerwetter. Foto: Gloyer (2)

Wanderlustige Touristen lassen sich von dem kunstvollen Charme der historischen Flensburger Seemannsviertel verzaubern

shz.de von
16. Juli 2013, 03:59 Uhr

Flensburg | "Bleiben Sie in meiner Nähe - nicht, dass einer verloren geht", sagt Stadtführerin Gisela Mikolajewicz fröhlich in die Runde lächelnd, bevor sie behende in das verwinkelte Idyll der schmalen Gänge und Treppenwege von Flensburgs östlicher Altstadt taucht. Niedrige Glockenblumen säumen die Kopfsteinpflasterwege, die dicht an Fenstern und Türen vorbeiführen. "Kuchen ist aus", meint ein Anwohner lachend angesichts der Gruppe Urlauber und Hiesiger, die auf dem Erkundungsgang durchs malerische Kapitänsviertel zwischen St. Johannis und St. Jürgen mit der charmant versierten Flensburg-Kennerin vorbei defiliert. "Die können hier in Puschen in die Stadt gehen; so sagen wir das in Flensburg", schwärmt Mikolajewicz von der Nähe der idyllischen Häuserschmuckstücke zur lebendigen Innenstadt mit ihren Geschäften: "Einmal durchs Mauseloch und man ist da."

Mit spürbarer Wärme präsentiert sie ihr historisches Flensburg, das einst als Fischersiedlung am innersten Zipfel der Förde entstand. Die zauberhaft restaurierten Häuser der Kapitäne, die in der Juli-Wärme im üppigen Schmuck der Kletter- und Stockrosen noch mal so schön daliegen; auf deren geräumigen Dachböden dereinst im Winter die schweren Segel und Seekisten bis zur kommenden Fahrt über die Weltmeere lagerten. "Oh, ich hab keinen Fotoapparat mit", bedauert eine Urlauberin in einem der versteckten Höfe, in dem Quellwasser erfrischend in einen Holzbottich plätschert und in Zinkballjen und alten Emailletöpfen Petunien, Nemesien und Margeriten ihren sommerlich duftenden Zauber versprühen. "Superschön ist es hier", meint eine Wahl-Föhrerin begeistert, die für zwei Tage an die Förde gekommen ist. Merle Cohrs, Flensburger Studentin aus Lüneburg, entdeckt mit ihrer Mutter lauter spannende neue Ecken ihrer Studentenstadt: "Die Stadt, den grünen Campus, mal schnell an den Strand zu können, finde ich ganz toll." "So was liebe ich", ergänzt ihre Mutter, als die Gruppe in der stillen Schönheit des Johannisplatzes Halt macht und Mikolajewicz die Kirchentür aufschließt.

Zahllose originelle Details hat das am östlichen Fördesteilhang gelegene kuschelige Viertel den sichtlich interessierten Besuchern zu bieten. Nicht nur das kleine freche Schwein eben an der Kirchendecke: Die Brunnen und Lüttfischer, die Niederdeutsche Bühne, die da spielt, wo der Pott-Rum herkam und die "besser sind als Ohnsorg", die prächtige Margarethenburg, die herrliche Hangrutsche, die die acht-jährige Zoe aus Hannover gleich ausprobiert. "Ich wusste gar nicht, dass es hier solche Hügel gibt; ich dachte, hier ist es flach wie ein Brett", meint ein Urlauber aus dem baden-württembergischen Reutlingen, als es die steile Pilkentafel heraufgeht. "Das muss ganz schnuckelig gewesen sein, als all diese Grundstücke bis an den Hafen herab reichten", erklärt Mikolajewicz in der St. Jürgenstraße von einer der Granittreppen mit altem geschmiedeten Handlauf herab. Wie ein spitz zulaufender Schiffsbug wirkt das Chilehaus zwischen Tötens- und Schiffergang: "Das ist nicht so einfach und stellen hier Möbel auf", vertellt die Stadtführerin auf echt Flensburgisch. "Flensburg ist eine angenehme, sympathische Stadt", findet Zoes Papa Dirk Buschmann, der mit seiner Famile von Kalleby aus den Norden entdeckt.

Die liebevollen Häuser, Richtung Glücksburg die hügelige Landschaft mit den weidenden Kühen "fast wie in Bayern" faszinieren ein Paar aus Duisburg. Ansteckend strahlt Gabriele Hoppe aus Hannover: "Auf der Suche nach einer Stadt zum Leben wäre das hier was für mich. So fühle ich das", sagt sie mit Wärme. Mikolajewcz Begeisterung reißt eben mit. "Nu muss ich sehn und kommen zu Hause und kriegen was zu trinken", verabschiedet diese sich dann nach weit mehr als zweistündiger Wanderung.

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