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St. Marien : Exotik-Tanz und klirrendes Geschirr vor dem Altar

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Erstes Konzert des Stadtkantorats mit der Norddeutschen Sinfonietta und Fynn Großmann als Solist

shz.de von
erstellt am 18.Feb.2014 | 12:08 Uhr

Fast wäre dieser Abend nie zustande gekommen. Nach der Pensionierung von Matthias Janz als Kirchenmusikdirektor von St. Marien drohte der Kirche der Niedergang ihrer musikalischen Sparte. Janz’ Stelle wurde aus Kostengründen nicht wieder besetzt. Kollege Michael Mages von St. Nikolai übernahm jedoch die Leitung eines gemeinsamen Stadtkantorates, das jetzt beiden Kirchen dient. Unterstützt wird er vom zweiten Organisten Werner Schillies. Am Sonntag fand das erste Konzert unter neuer Aufstellung in St. Marien statt. Sehr zum Gefallen vieler Musikfreunde, denn was geboten wurde, war überdurchschnittlich gut und überraschend neu.

„Ungewohnt moderne Klänge“ hatte Pastorin Sylvia Fuchs angekündigt, zudem viel Saxophon, denn der Abend würdigte den 200. Geburtstag von Saxophon-Erfinder Alphonse Sax. Es begann mit Bizets Suite „L’Arlésienne“, 1872 als eines der frühesten Orchesterwerke mit obligatem Saxophon entstanden. Es folgte Darius Milhauds „La création du monde“. Diese Komposition ist angeregt von afrikanischen Schöpfungsmythen. Die Exotik wurde von zwei Tänzern, die mit nackten Füßen und weiten Hosen vor dem Renaissance-Altar tanzten, verstärkt. Rocío Osorio und David Espinosa stammen beide aus Mexiko und leben in Hamburg, die eine als Flamenco-Tänzerin, der andere als Schüler der Contemporary Dance School. Ungewohnte Gäste in einer Kirche, aber auf alle Fälle eine Bereicherung für die Musik.

Nach kurzer Pause folgte eine eigene Komposition des Solisten, Jazz-Saxophon-Student Fynn Großmann. Der 22-Jährige wuchs in Großsolt-Freienwill auf, ist Sohn eines Musiklehrers der Flensburger Universität und zumindest im Bereich der Musik ganz offensichtlich hochbegabt. Abitur machte er 2011 in Satrup, jetzt studiert er an der Musikhochschule von Hannover im 3. Semester. Für den Abend komponierte er ein gut halbstündiges Werk, für das er sich am Sternenbild Orion („Band des Orion“) Inspiration holte. Spacige Klänge, meist dynamisch mitreißend, selten nur schräg. Ungewöhnliche Einlagen wie Klatschen und Rufen der Musiker, das Umtreten einer Wanne voll Geschirr, das scheppernd auf den Steinfliesen zersprang. Ein Trompeter verließ plötzlich das Orchester und antwortete dem Saxophon kurze Zeit später vom gegenüberliegenden Ende der Kirche. Er habe zwei Wochen ausschließlich daran gearbeitet, sagte Fynn Großmann. „Wenn man vom Jazz kommt, ist Komponieren nichts Ungewöhnliches“, erklärte er.

Nur ein Wochenende hat er zusammen mit der Norddeutschen Sinfonietta unter der Leitung von Christian Gayed geprobt. Die Gruppe gilt als Einstiegsorchester für junge Nachwuchsmusiker in Schleswig-Holstein. Laut Großmann sind die „echt fit“. Nächste Woche spielt er das „Band des Orion“ noch einmal mit der Sinfonietta vor den Kieler Rotariern.


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