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Prozessauftakt in Flensburg : Exe-Häuser: Mordversuch mit Großfeuer

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eifersuchts-Drama vor Gericht: Ein 48-Jähriger soll die Exe-Häuser angezündet haben, um seine frühere Partnerin zu töten.

shz.de von
erstellt am 19.Mai.2014 | 07:40 Uhr

Flensburg | Am frühen Morgen des 18. November zerreißt das Heulen der Sirenen die Nacht. Die Feuerwehr rückt zu einem Großbrand aus. Beim Eckhaus Exe/Schützenkuhle steht der Dachstuhl in hellen Flammen. 50 Menschen müssen evakuiert werden, wie durch durch ein Wunder gibt es keine Toten und Verletzten. Was die Flammen verbergen sollten, wird heute vor der Ersten Großen Strafkammer am Landgericht verhandelt. Aus dem Großfeuer ist eine Mordsache geworden.

Vor Gericht steht ein Mann, den die Polizei noch in derselben Nacht unter dringendem Tatverdacht festgenommen hat. Der 48-jährige Libanese soll nicht nur für die Brandstiftung verantwortlich sein. Zuvor soll er mit einem Beil und einer Pistole seine ehemalige Lebenspartnerin und deren Schwester massiv verletzt haben,  heißt es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft.  Ob der Täter durch Brandstiftung nur noch eine Mordtat vertuschen wollte oder aber die   beiden Frauen durch Feuer  töten wollte, ist ungeklärt. Klar ist, dass nach der Gewalttat im obersten Geschoss des Hauses der Täter vor der Wohnungstür und auf dem Dachboden Benzin ausgegossen und angezündet hat. Dass er durch sein Tun alle anderen Bewohner in Lebensgefahr brachte, sei  ihm bewusst gewesen, heißt es bei der Staatsanwaltschaft.

Die Feuerwehr sprach nach der Brandnacht damals von einem kleinen Wunder, dass bei dem Großbrand keine Todesopfer zu beklagen waren. Durch die rasche und solidarische Reaktion der Bewohner konnte das in Flammen stehende Gebäude schnell geräumt werden. Die beiden baulich engverzahnten Eckhäuser des Selbsthilfe-Bauvereins waren nach dem Brand nicht mehr zu retten und müssen abgerissen werden. Der Schaden geht in die Millionen. 31 Mietsparteien sind betroffen.

Darunter auch die beiden eigentlichen Opfer jener Nacht. Der Tat lag ganz offenbar eine Trennungsproblematik zu Grunde. Im Juli 2013 habe sich die ehemalige Lebensgefährtin von dem Mann getrennt – nur habe der verlassene Partner die Trennung  nicht akzeptiert. Er wurde zum Stalker. Die Polizei führt über das Haus an der Exe und gewalttätig verlaufende Besuche des Mannes dort eine umfangreiche Akte. Als in jener Novembernacht die Flammen loderten, waren bereits Verfahren wegen des Verdachts der Bedrohung, der versuchten Körperverletzung, der Sachbeschädigung und mehrfachen Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz anhängig. Beeindruckt hatte das den eifersüchtigen Täter nicht, und auch geschützt hat das niemanden.

Ab 9.15 Uhr heute wird die Strafkammer um den Vorsitzenden Richter Michael Lemke im Schwurgerichtssaal des Landgerichts aufarbeiten, wie es zu dieser Eskalation kommen konnte. Der Angeklagte wird des versuchten Mordes bezichtigt. Vorerst sind fünf Verhandlungstage (21. Mai, 26. Mai, 28. Mai und 5. Juni, jeweils 9.15 Uhr) anberaumt.

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