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Grossfeuer in Flensburg : Exe-Häuser: Angeklagter gesteht unter Tränen

vom

Er habe keine Erklärung für seine Tat, sagte der Angeklagte vor dem Landgericht Flensburg. Der 49-Jährige soll im November in Flensburg ein Feuer gelegt haben, um seine Ex-Freundin zu töten.

shz.de von
erstellt am 21.Mai.2014 | 11:46 Uhr

Flensburg | Im Prozess gegen einen Mann, der ein Feuer gelegt haben soll, um seine Ex-Partnerin zu töten, hat der Angeklagte am Mittwoch die Brandstiftung gestanden. Unter Tränen sagte der 49-Jährige vor dem Landgericht Flensburg: „Ich hab' das gemacht, aber ich habe keine Erklärung.“ Was er damit erreichen wollte, könne er nicht sagen.

In der Nacht des 19. November soll der Angeklagte beschlossen haben, die seit Monaten in ihm schwelende Wut über die Trennung von seiner Partnerin in ein Fanal zu verwandeln. Nachts um vier ging er ins Haus Zur Exe 4, wo die Frau mit ihrem Sohn wohnte. Er kippte Brandbeschleuniger vor ihre Wohnungstür im dritten Stock, danach ging er auf dem Dachboden und goss Benzin genau dort aus, wo eine Etage tiefer die Wohnung der Ex-Partnerin lag. Er zündete das Feuer und verschwand.

An jenem Tag sei er traurig gewesen und habe viel Wodka getrunken, sagte der Angeklagte. Er habe die Tat nicht geplant, sondern sei einfach losgefahren. Er habe aber niemanden töten oder verletzen wollen. Weder der Frau noch ihren Kindern habe er Schaden zufügen wollen. „Es tut mir alles sehr leid“, bekannte der 49-Jährige in der teilweise von einem Dolmetscher übersetzten Erklärung. „Ich bin bereit, meine Strafe zu bekommen mit Gnade.“ Zudem wolle er sich im Gefängnis um eine Therapie bemühen.

Einem Gutachter hatte der Mann zuvor seine persönliche Situation geschildert. Im Südlibanon geboren und aus einer palästinensischen Familie stammend, sei seine Jugend vom Kampf zwischen Hamas, Hisbollah und Al-Fatah bestimmt gewesen. Nach einer schweren Verwundung 1990 war er demzufolge nach Deutschland gekommen. Nach der Trennung von seiner Frau habe er sechs Jahre mit seiner neuen Partnerin gelebt. Deren Verhalten aber habe ihn „beleidigt“.

Noch heute ist es für die Berufsfeuerwehr ein kleines Wunder, dass all die schlafenden Menschen die Flucht schafften. Dass sein Mordanschlag auf die ehemalige Freundin all diese Menschen mit in den Tod reißen konnte, sei ihm bewusst gewesen, meinte Staatsanwalt Björn Dellius beim Prozessauftakt. Das habe der Angeklagte billigend in Kauf genommen.

27 Bewohner mussten ihre Wohnungen verlassen, zwei von ihnen erlitten Rauchgasverletzungen. Das Haus und ein angrenzendes Gebäude stehen vor dem Abriss.

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