Diskussion an der Uni Flensburg : Europawahl 2019: Buh-Rufe für AfD-Kandidaten

Voll besetzt war das Audimax am Dienstag zur Podiumsdiskussion mit EU-Kandidaten.
Voll besetzt war das Audimax am Dienstag zur Podiumsdiskussion mit EU-Kandidaten.

Studierende halten mit ihrem Protest gegen den Auftritt der AfD bei Podiumsdiskussion zur EU-Wahl nicht hinter dem Berg.

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22. Mai 2019, 14:29 Uhr

Flensburg | Angehörige der Europa Universität Flensburg „respektieren die Würde der anderen und wenden sich gegen diskriminierende Äußerungen und Handlungen jedweder Art“, so steht es im Allgemeinen Kodex, den sich die Uni gegeben hat. Und: „Lehrende und Studierende respektieren insbesondere das Recht der feien Meinungsäußerung.“

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Zu Beginn der Podiumsdiskussion am Dienstagabend im Audimax mit sechs Kandidaten zur Europawahl waren es genau diese Umgangsregeln, die eine unterschiedliche Lesart erfuhren. Die Einladung der EUF-Leitung an den AfD-Kandidaten Julian Flak hatte bereits im Vorfeld zu Protesten der Studierenden, vertreten durch den Allgemeinen Studierendenausschuss Asta, die Juso- und die Campus-Grünen Hochschulgruppe, geführt.

Weiterlesen: Uni äußert sich zur Kritik an Podiumsdiskussion

Nun wiederholte sich die Debatte im mit erster Linie von Studenten vollbesetzten Saal. Nahezu alle trugen blaue T-Shirts, die auf Initiative des Studierendenparlaments, finanziert von Asta und den Jungen Europäischen Föderalen, am Eingang verteilt worden waren. Ein klares Bekenntnis zu Europa und „gegen Abschottung, Nationalismus und Spaltung“ wie Kianusch Stender von der Juso-Hochschulgruppe, feststellte.

Diese Veranstaltung dient der politischen Willensbildung. Moderatorin Kathrin Fischer
 

Kandidaten aller im Bundestag vertretenen Parteien seien eingeladen worden, also auch die AfD. Schon dafür gab es vereinzelt Buh-Rufe. Eine Uni lebe vom Austausch der Argumente, fuhr die Pressesprecherin der EUF fort. Gewalt, egal in welcher Form, werde man nicht dulden, stellte ihr Moderator-Kollege David Schweikart, Professor für politische Philosophie Europas, klar. „Wir gehen davon aus, dass sich alle an diese Spielregeln halten.“

Keine Distanzierung

Doch so einfach ließen sich die Gegner des AfD-Mannes nicht beruhigen. Schon gar nicht nach dessen Antwort auf die Eingangsfrage, ob er sich „hier und jetzt“ von rassistischen Äußerungen der AfD-Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel distanziere, die im Mai 2018 im Bundestag Flüchtlinge als „Kopftuchmädchen, alimentierte Messermänner und sonstige Taugenichtse“ bezeichnet hatte.

„Ich werde mich heute nicht distanzieren. Ich kann darin keinen Rassismus erkennen und empfehle Ihnen einen Blick in die einschlägigen Kriminalitätsstatistiken“, erklärte Julian Flak ungerührt, was ihm die ersten Buh-Rufe einbrachte.

„Die AfD will das EU-Parlament abschaffen. Warum kandidieren Sie überhaupt?“, war die an Flak später gerichtete zweite Frage der Moderatoren. Wiederholte Zwischenrufe von den Zuhörerrängen verhinderten drei Anläufe zu einer Antwort. Nachdem die dann endlich kam - „Wir wollen keine Vereinigten Staaten von Europa, wir wollen nur eine gemeinsame Wirtschaftseinheit“ - erwiderte ein Sprechchor von den Rängen: „Nationalismus raus aus den Köpfen!“

Tosender Applaus

Die fünf anderen Kandidaten – Rasmus Andresen (Bündnis 90/Die Grünen), Delara Burckhardt (SPD), Marianne Koller (Linke), Niclas Herbst (CDU) und Helmar Krane (FDP) – konnten sich dagegen über aufmerksame Zuhörer freuen. Insbesondere der Bündnisgrüne, die Sozialdemokratin und die Linke bekamen für ihre Forderungen nach einem sozialen und gerechteren Europa (SPD), der Abschaffung der Einstimmigkeitsregelung bei Beschlüssen im EU-Rat (Grüne) oder der Überwindung der Spaltung von Arm und Reich (Linke) tosenden Applaus.

Mit Ausnahme des AfD-Mannes sprachen sich alle Kandidat für die Wiederaufnahme der EU-Marinemission „Sophia“ vor der libyschen Küste aus.

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