„Midas“-Konferenz in Flensburg : Europas Minderheiten-Zeitungen ehren deutsch-dänischen Austausch

Vier Chefredakteure nahmen auf Schloss Glücksburg den Otto von Habsburg-Preis entgegen: Jørgen Møllekaer (Flensborg Avis), Stefan Hans Kläsener (sh:z), Peter Orry (JydskeVestkysten), Gwyn Nissen (Der Nordschleswiger), von links
Vier Chefredakteure nahmen auf Schloss Glücksburg den Otto von Habsburg-Preis entgegen: Jørgen Møllekaer (Flensborg Avis), Stefan Hans Kläsener (sh:z), Peter Orry (JydskeVestkysten), Gwyn Nissen (Der Nordschleswiger), von links

Für die Kooperation mit Minderheiten-Zeitungen erhalten der sh:z und JydskeVestkysten den Otto von Habsburg-Preis.

fju_maj_0203 von
10. Mai 2019, 20:27 Uhr

flensburg | Auch wenn die Separatisten-Bewegung unter Carles Puigdemont vorerst gescheitert ist – einen Trost hat das katalanische Nationalbewusstsein: „Von den Minderheitensprachen in Europa ist Katalanisch immer noch am besten dran“, sagt Marc Marcé, Chefredakteur der Zeitung „Regio 7“ aus Barcelona. Immerhin 75 Prozent der Bevölkerung könnten es theoretisch sprechen und 36 Prozent täten es täglich. Eine solide Grundlage für einen Medienmacher. Zumal die öffentliche Hand in Spanien noch verlässlich Fördermittel dazuschießt.

Edita Slezakova aus der ungarischen Minderheit in der Slowakei kann mit 458.000 Volksgruppenangehörigen auch eine stattliche potenzielle Leserschaft für ihr Blatt „Uj Szo“ ansteuern. Zuschüsse aber gäbe es allenfalls von jenseits der Grenze, von Ungarns nationalistischem Premier Viktor Orban. Aber nur bei Wohlverhalten. Was Slezakowa ablehnt.

Deutsch-dänische Grenzregion als Vorbild

Zwei Journalisten, zwei Schlaglichter, wie es Tageszeitungen geht, die in Minderheiten- und Regionalsprachen erscheinen: Ihr Dachverband „Midas“, kurz für Minority Dailies Association, hat am Freitag in Flensburg seinen Jahreskongress abgehalten. Vertreter von 16 Redaktionen von Spanien bis Finnland, von Korsika bis Litauen, waren in die deutsch-dänische Grenzregion gekommen, die als Vorbild der Bewältigung einstiger nationaler Konflikte gilt.

Dass die Entspannung, die hier erreicht worden ist, selbst innerhalb des deutschen Sprachraums noch nicht selbstverständlich ist, verdeutlichte Hatto Schmidt von der Südtiroler Zeitung „Dolomiten“: Zwischen Italienern und Deutschsprachigen „sind wir eine Phase hinterher, noch immer eher im ethnischen Gegensatz.“

Nur, wenn es ums Geschäftliche geht, tun sich Verbindungen auf: Vor zwei Jahren hat Schmidts deutscher Verlag eine etwas kleinere italienische Zeitung aufgekauft. Die Themen seien dennoch völlig verschieden, weil jede Nationalität in ihrer eigenen Welt lebe. Für den Fotografen-Pool beider Blätter habe das zur Folge, dass er drei Viertel aller Termine trotzdem für nur eine der Redaktionen besetzen könne.

Otto von Habsburg-Preis für den sh:z und JydskeVestkysten

Wie Medien-Kooperation in einer Region mit zwei Nationalitäten auch ganz ohne unternehmerische Zusammenschlüsse funktionieren kann, erfuhren die „Midas“-Besucher von den Chefredakteuren des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags, dem dänischen Regionalblatt JydskeVestkysten aus Esbjerg sowie den Minderheitenzeitungen Flensborg Avis und Der Nordschleswiger aus dem dänischen Apenrade: Die vier erläuterten, wie ihre Häuser seit 2013 alltäglich redaktionelle Inhalte austauschen. Und so die Kenntnisse der Dänen über Deutschland vergrößern und umgekehrt.

Dass die beiden großen Partner dabei bewusst die beiden Minderheitenzeitungen eingebunden haben, war „Midas“ Lob und Anerkennung wert: Die Organisation verlieh dem sh:z und JydskeVestkysten dafür am Abend auf Schloss Glücksburg den Otto von Habsburg-Preis. Die Auszeichnung ist nach dem ersten Sohn des letzten Kaisers von Österreich benannt und wird alljährlich von „Midas“ für kulturelle Vielfalt im Rahmen der europäischen Integration vergeben.

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