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Zisch an der Handelslehranstalt : Europa auf Kurs bringen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

HLA-Schüler diskutieren, warum es für junge Menschen nie wichtiger war, ihre Stimme für Europa abzugeben.

Flensburg | „Viele Entscheidungen, die uns betreffen, werden nicht nur auf Bundes-, sondern auch auf Europa-Ebene entschieden“, weiß Rasmus Kyburg, Schüler der Handelslehranstalt (HLA – Die Flensburger Wirtschaftsschule). In seinen Augen sei das vielen jungen Menschen jedoch nicht bewusst. „Den meisten ist gar nicht klar, dass selbst der Flensburger Bürgermeister letztlich von der EU gesteuert wird.“ Für den angehenden Versicherungskaufmann ist es deshalb ein Muss, bei der Europawahl am Sonntag seine Stimme abzugeben. Und Europa damit aus der Krise zu helfen.

Eurokrise – das klingt nach Sparmaßnahmen, Inflation und steigenden Preisen. Genau das Gegenteil ist der Fall. „Der Euro ist im Moment stärker, als wir denken“, sagt Ralf-Joachim Götz, Chefvolkswirt der Deutschen Vermögensberatung in Frankfurt am Main. Im Rahmen des Projektes Zisch – Zeitung in der Schule diskutierte er mit Schülern der HLA über das Thema Eurokrise. Und überraschte dabei mit vermeintlich rosigen Aussichten. Denn im Gegensatz zur Weltwirtschaftskrise 1923, in der ein Brötchen aufgrund der starken Inflation oft mehr kostete, als ein ganzes Tagesgehalt, sei der Euro heute stabiler denn je. Statt zu steigen kletterten die Preise immer mehr nach unten. Nach Krise klingt das nicht. Doch die Angst vor Deflation wird immer größer, der schwache Dollar erschwert den Export in andere Länder.

Um einen Teil der Staatsschulden wieder abzubauen, setzten Götz zufolge die meisten EU-Staaten auf Neuverschuldung. Der Grund: Im Gegensatz zu weiteren Einnahmequellen wie Steuererhöhungen sei bei der Verschuldung erst die nächste Generation betroffen. Ein Vorteil, der vor allem in der Politik eine große Rolle spiele. „Politiker müssen wiedergewählt werden und wollen die ältere Generation als potenzielle Wähler für sich gewinnen.“ Für die Jugend heißt das: Sie zahlen später die Schulden, die die Politiker heute machen.

Sparen ist also angesagt, um in Zukunft ein finanzielles Polster zu haben. Doch selbst das wird für die nächste Generation zur Mammutaufgabe. Bei derzeitiger Zinslage müssten junge Menschen 40 Jahre lang jeden Monat mehr als 130 Euro zurücklegen, um eine Summe von 100 000 Euro zusammenzusparen. Zum Vergleich: Vor 50 Jahren hätten schon 23 Euro im Monat gereicht. „Die junge Generation hat es sehr schwer, überhaupt Geldvermögen zu bilden“, sagt Götz.

Düstere Aussichten – für eine Zukunft, über die am kommenden Sonntag entschieden wird. Dann werden nicht nur die neuen Vertreter des EU-Parlaments bestimmt, sondern auch der Kurs, der Europa wieder in den sicheren Hafen bringen soll. Und den legen auch die Erstwähler fest – mit ihrer Stimme.

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erstellt am 26.Mai.2014 | 15:31 Uhr

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