Eule statt Löwen für ein neues Angeln-Wappen

'So könnte das Angelner   Wappen aussehen': Der neue Entwurf von Bernhard Asmussen.
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"So könnte das Angelner Wappen aussehen": Der neue Entwurf von Bernhard Asmussen.

Das Wappen der Landschaft Angeln ist in den Augen mancher Fachleute ein wahres Trümmerfeld. Es verstößt gegen die strengen Regeln, die für die Gestaltung von Wappen gelten. Außerdem ist sein Inhalt historisch ungenau, findet der Vorsitzende des Heimatvereins Angeln, Bernhard Asmussen - und wagte den Versuch, ein neues Wappen für die Landschaft zwischen Schlei und Ostsee zu entwerfen.

shz.de von
30. Juli 2009, 06:31 Uhr

Steinberg | Herz oder Haus? Diese Frage entzweit die heimatverbundenen Bewohner der Landschaft Angeln seit mehr als hundert Jahren. Es geht darum, wie das Angelner Wappen auszusehen hat. Als sich Pastor Dr. Hans Nicolai Jensen aus Boren 1845 das erste Wappen für seine Heimatlandschaft ausdachte, stellte er dafür die Siegel der Harden in Angeln zusammen. Die Harden waren im weitesten Sinne Vorläufer der heutigen Ämter. Nur für die Husbyharde kannte Pastor Jensen kein Siegel, so wählte er ein von zwei Pfeilen durchstoßenes Herz - offenbar als Symbol für das Leiden des Husbyer Schutzheiligen St. Vinzenz. Seit Jahrzehnte später doch noch ein altes Husbyer Hardessiegel auftauchte, muss das Herz häufig dem stilisierten Haus aus dem Husbyer Siegel weichen. Der Heimatverein machte sich 1960 eine von Hans Schlothfeld überarbeitete Version des Wappens offiziell zu eigen - mit Haus statt Herz.

Unter den Heimatkundlern ist der Streit um das Symbol für die Husbyharde seither weitgehend entschieden. Nun aber könnte ein neuer Graben aufbrechen: Löwen oder Eule? Sense oder Reiter? Der Vorsitzende des Heimatvereins, Bernhard Asmussen aus Steinberg, hat die Geschichte der verschiedenen Angelner Wappen erforscht und seine Ergebnisse kürzlich in einer kleinen Schrift veröffentlicht. Während seiner Arbeit kam ihm die Idee, selbst ein neues Wappen zu entwerfen, das all die historischen und gestalterischen Fehler der bisherigen Wappen vermeidet. Die Schleswiger Löwen, die Pastor Jensen in die Mitte des Wappens gesetzt hatte, schmiss Asmussen raus und nahm stattdessen eine Eule auf - das Zeichen für die Uggelharde rund um Großsolt und Sieverstedt. Die Uggelharde lag halb in Angeln, halb auf der Geest. Entweder ließ Pastor Jensen die Uggelharde weg, weil sie eben nicht vollständig zu Angeln gehörte, oder aber - und dieser Theorie kann Asmussen einiges abgewinnen - weil ihm das Zeichen für die Uggelharde nicht gefiel: die Eule, nach damaliger Vorstellung ein Hexenvogel, den der Gottesmann aus Boren in seinem christlichen Wappen nicht haben wollte.

Bernhard Asmussen kennt im Jahre 2009 keine derartigen Berührungsängste gegenüber Eulen. In seinem Wappenentwurf müssen die Schleswiger Löwen dem Zeichen für die Uggelharde weichen. Die Löwen hatte Jensen vermutlich als Symbol für diejenigen Angelner Gebiete gewählt, die zu keiner Harde gehörten, das betraf vor allem die 26 adeligen Güter und die Flecken Kappeln, Arnis und Glücksburg.

Auch das Zeichen für die Satrupharde tauscht Asmusen aus. Die Sense, erklärt er, beruhe nämlich auf einem Irrtum. Lange Zeit nahm man an, der Ortsname Satrup bedeute "Saatdorf". Inzwischen geht man indes davon aus, dass der Ortsname auf einen Personennamen zurückgeht und mit Saat nichts zu tun hat. Asmussen macht deshalb Schluss mit der Sense und greift stattdessen zum Satruper Reiter, der in einem spätromanischen Granitquader in der Mauer der Satruper Kirche dargestellt ist - und heute auch das Wappen der Gemeinde Satrup ziert.

Schließlich veränderte Asmussen die Anordnung der neun Elemente im Angelner Wappen und in einigen Fällen auch ihre Farben. Dabei hielt er sich streng an die Regeln der Heraldik, der Wappenkunde, nach denen Rot nicht auf Blau stoßen darf und Gold nicht auf Silber. Pastor Jensen waren diese Regeln entweder unbekannt - oder egal.

Dass er mit seinem neuen Wappen in die Geschichtsbücher der Landschaft Angeln eingehen wird, glaubt Bernhard Asmussen zwar nicht. Umsonst war die Arbeit für ihn aber auch nicht: "Ich mache mir keine Illusionen, dass mein Entwurf die bisherigen Wappen verdrängen wird. Ich wollte einfach einmal zeigen, wie ein korrekt gestaltetes Wappen aussehen könnte."
Das Heft
Zusammen mit dem Eutiner Heimatforscher Klaus Langenfeld hat Bernhard Asmussen ein 48 Seiten umfassendes Heft über die Angelner Wappen verfasst. Unter dem Titel „Die Wappen von Anggeln – der Tradition verpflichtet“ geht Asmussen darin der Entstehungsgeschichte der verschiedenen Wappen nach: Außer dem Ur-Wappen von Pastor Jensen und der überarbeiteten Variante von Hans Schlothfeld entstanden in früheren Jahrzehnten auch einige andere Entwürfe. Klaus Langenfeld beschäftigt sich mit dem Thema „Christliche Symbolik im alten Angler Wappen“. Das reich bebilderte Heft kostet sechs Euro und ist zu beziehen beim Heimatverein der Landschaft Angeln, Schleswiger Straße 3, 24966 Sörup.

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