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Estnischer Männerchor überzeugt im Schlosshof

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Konzert im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik-Festivals in Glücksburg lockt zahlreiche Besucher

shz.de von
erstellt am 21.Aug.2013 | 19:01 Uhr

Open-Air-Konzerte haben gerade in den baltischen Ländern eine lange Tradition, die sich bis heute an der Popularität der großen „Sängerfeste“ in Tallinn oder Riga ablesen lässt. Folgerichtig und sinnstiftend, dass der famose „Estonian National Male Choir“ sein Festival-Konzert im reizvollen Vorhof des Glücksburger Schlosses gab, stimmungsvoll angereichert mit charmanten Freiluft-Accessoires wie Vogelstimmen und gelegentlichen Wetterkapriolen.

Um Natur ging’s nämlich im ersten Teil des Konzertabends, als der rund 50 Mann starke Profichor die Naturbegeisterung der Deutschen Romantik in A-cappella-Werken von Mendelssohn, Schubert und Schumann beschwor. Der estnische Maestro Mikk Üleoja forderte seinen Mannen mit angenehm dezenter, aber unmissverständlicher Zeichengebung extremste Dynamikwechsel und eine staunenswerte Präzision ab, wobei auch die exquisite Wortverständlichkeit der deutschen Texte vom hohen Standard des machtvoll auftrumpfenden Ensembles zeugte. Dass manchen Wendungen dieser enthusiastischen Naturschilderungen heute ein merkwürdig chauvinistischer Touch anhaftete, ist der nationalistisch geprägten Zeit ihrer Entstehung Mitte des 19. Jahrhunderts geschuldet. Vorzüglich die musikalische Assistenz des genretypischen Jagdhorn-Quartetts, makellos geblasen von Mitgliedern des Festivalorchesters.

Zeit- und Ortswechsel gab es im zweiten Teil dieses gut besuchten Festival-Konzerts, das sich jetzt der aktuellen estnischen Musiktradition in Kompositionen des 1930 geborenen Komponisten Veljo Tormis widmete. Tormis mischt unter anderem Texte des finnischen Nationalepos „Kalevala“ mit seiner ebenso archaischen wie expressiven Tonsprache, die den Chorsängern ständig wechselnde solistische Präsenz mit dramatischen Naturlauten, tonalen Reibungen, rhythmischen Verflechtungen und atemloser Stringenz abfordert.

Bildeten bei der deutschen Romantik melodiöser Wohlklang und poetische Naturschönheit eine harmonische Einheit, so spiegelten Veljo Tormis Chorkompositionen schonungslose Wahrhaftigkeit in den mythisch anmutenden Schilderungen zeitlos gültiger Lebenskämpfe. Grandios!

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