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Flensburger Tageblatt

15. Dezember 2017 | 19:37 Uhr

Essen muss Spaß machen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Flensburger Ernährungspsychologin Ines Heindl hält nichts davon, bestimmte Lebensmittel zu verdammen

shz.de von
erstellt am 30.Dez.2013 | 15:33 Uhr

Endlich gesünder leben, mit dem Rauchen aufhören und mehr Obst sowie Gemüse essen – das waren einem großen Nachrichtenmagazin zufolge die am häufigsten genannten Vorsätze in Deutschland für das Jahr 2013. Mehr Spaß zu haben taucht in der Rangliste nicht auf. Dabei wäre gerade dies für Abnehmwillige ratsam.

„Spaß bei Essen und Sport sind beim Abnehmen entscheidend“, sagt Ines Heindl, die Professorin für Ernährungswissenschaft an der Flensburger Universität und Expertin für Ernährungspsychologie ist. Dies sei die Grundvoraussetzung. „Wenn das Gehirn nicht mitspielt, weil man sich zum Sport zwingen muss oder das Essen nicht schmeckt, dann ist der gute Vorsatz schnell dahin.“

Daher müsse jeder für sich selber festmachen, welche Sportart zu ihm passe. Und beim Essen gibt es keine verbotenen Lebensmittel. „Das wichtigste ist, den Genuss und die Freude daran nicht zu verlieren.“

Andernfalls könne der gewünschte Effekt nicht nur ausbleiben, sondern sich sogar ins Gegenteil verkehren. „Wer sich verbietet, bestimmte Lebensmittel, wie Schokolade, zu essen, entwickelt sehr wahrscheinlich wenig später einen Heißhunger, wird rückfällig und isst sogar mehr davon.“ Sich gegen sein Verlangen zu wehren, setze das Gehirn nur unnötig unter Druck. Nur wem es leicht falle, auf Süßigkeiten und andere Genussmittel zu verzichten, sollte dies nach Heindls Angaben auch machen.

Wer beim Essen einmal über die Stränge geschlagen und richtig geschlemmt habe, müsse kein schlechtes Gewissen haben. „Das fällt unter Essgenuss.“ Gar nichts hält die 63-jährige Professorin davon, dies durch zusätzliche Bewegung kompensieren zu wollen. „Es ist absoluter Unsinn, einen Schokoriegel gegen Sport aufzuwiegen.“ Das verursache ebenso nur Stress fürs Gehirn. „Der Mensch ist kein funktionierender Motor, der als Verbrennungsmaschine arbeitet.“

Die Vorliebe des Menschen für Süßes sei keineswegs verwerflich, sondern genetisch bedingt. „ Schon das Fruchtwasser und die Muttermilch schmecken leicht süßlich.“ Daher sei Naschen völlig normal – solange dies in Maßen geschehe.

Denn laut Heindl habe die Zahl der Zuckersüchtigen in den vergangenen Jahren enorm zugenommen. „Dafür ist vor allem die Lebensmittelindustrie verantwortlich, die seit den 80er-Jahren massenhaft Zucker als Geschmacksmittel und Geschmacksverstärker zahlreichen Produkten beifügt.“ Davon merke der Konsument beim Essen meistens nichts. „Ketchup oder Kartoffelchips bekommen eine Menge Zucker zugesetzt, ohne dass der Verbraucher davon viel schmeckt.“

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