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Flensburger Tageblatt

13. Dezember 2017 | 08:47 Uhr

„Es steht schlecht um den Haushalt“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kristina Franke ist ab 1. Januar hauptamtliche Bürgermeisterin der Stadt Glücksburg

shz.de von
erstellt am 24.Dez.2013 | 11:52 Uhr

Sie treten am 1. Januar ihr Amt als hauptamtliche Bürgermeisterin von Glücksburg an. Trennen Sie sich wehmütig von Ihrer Arbeit im Rechnungsprüfungsamt Flensburg?

Ja. Es ist ein wehmütiges Ausscheiden. Aber die Kollegen sind nicht aus der Welt, und ich werde bei Fehlbetrags- und Kassenprüfung zukünftig auch mit ihnen zu tun haben.

Was nehmen Sie aus Ihrem bisherigen Beruf ins Bürgermeisteramt mit?

Die guten Beziehungen zur Kommunalaufsicht. Ich kann entspannt anrufen und auf dem kleinen Dienstweg nachfragen.

Profitieren Sie von Ihrer bisherigen Arbeit?

Sie ist eine super Voraussetzung. Ich habe viel in dem Team, das sich aus Fachleuten verschiedener Berufsgruppen zusammensetzt, gelernt. Der Betriebswirt blickt anders auf ein Problem, als ich als Ingenieurin es tue.

Haben sie sich für Ihre neue Aufgabe Ziele gesetzt?

Die Gesprächskultur muss vernünftig sein. Und in der Verwaltung selbst scheint es Defizite zu geben. Das Ziel muss ein geordneter Ablauf sein.

Läuft die Verwaltungsgemeinschaft mit Flensburg reibungslos?

Es kann sein, dass die Zusammenarbeit der Kollegen noch nicht gut genug ist. Die örtliche Trennung macht das Kommunizieren schwierig. Probleme entstehen durch die unterschiedliche Verwaltungsgröße und Struktur. Während in Glücksburg ein direkter Kontakt zur Politik besteht, dauern die Entscheidungsprozesse in Flensburg länger.

Haben sich Einsparungen durch die Verwaltungsgemeinschaft ergeben?

(schüttelt den Kopf) Ich sehe sie nicht.

Wie ist es um den Glücksburger Haushalt bestellt?

Schlechter als schlecht, sehr desolat. Anfang Januar gibt es mit den Stadtvertretern und der Kommunalaufsicht einen Termin.

Ist der Haushalt noch zu retten?

Ihn zu stabilisieren, ist möglich. Aber nur dann, wenn die Fördelandtherme ihre Ausgaben deutlich senkt. Man muss sich nichts vormachen, sie wird immer defizitär sein. Erstaunlich ist, dass das Haus nach der Eröffnung des Campusbades in Flensburg nur kurzfristig geringe Einbußen bei der Besucherzahl hatte. Wenn die Therme 250 000 Euro im Jahr kostet, geht das. Aber keine 378 000 Euro wie 2012.

Wie wollen Sie als künftige Geschäftsführerin der Therme die Ausgaben senken?

Beim Energieverbrauch können wir sparen. Die Zusammenarbeit mit dem Campusbad könnte beim Einkauf – Chlor brauchen beide Bäder – und beim Personal erfolgen. Warum nicht einen Betriebsleiter für beide Bäder anstellen? Auch ein gemeinsames Marketing ist möglich, zumal dann, wenn wir die LTO (Lokale Tourismus-Organisation) mit Flensburg, Langballig und Harrislee auf die Beine stellen, was ich begrüße.

Werden Sie den Saunabereich, so wie es geplant ist, modernisieren?

Nein. Wenn ich kein Geld habe, brauche ich über Investitionen nicht nachzudenken. Es sei denn, sie amortisiert sich in kurzer Zeit, wie Maßnahmen zum Energieeinsparen, die ich nach drei Jahren wieder raus habe.

Welches sind die Besonderheiten der Stadt Glücksburg?

Sie ist ganz oben auf der Landkarte. Wir sind die nördlichste Stadt an der Ostsee, mit der Nähe zu Dänemark. Wir haben mit dem Schloss die Wiege der europäischen Königshäuser.

Welches Verhältnis haben Sie zur dänischen Bevölkerung?

Gar keines. Ich bin für jeden und alle offen.

Wie beurteilen Sie die Hotelsituation am Ort?

Das Drei-Sterne-Segment fehlt, also das frühere Intermar. Ich werde das Gespräch mit Eigentümer Herman Densch suchen, damit er sagt, was er vorhat. Wir brauchen unbedingt mehr Übernachtungsmöglichkeiten. Für den Ostseeman sind schon alle von GLC vermittelten Quartiere ausgebucht.

Sind Glücksburgs Küsten sicher?

Die Gefahr durch Hochwasser kann man nicht ganz abtun. In Schausende müssen die Promenade und der Deich gemacht werden. Es gibt kaputte Pumpen, deren Ersatz der Wasser- und Bodenverband nicht zu finanzieren weiß. Zudem gehören einige Flächen inzwischen der Stiftung Naturschutz.

Das Land hatte sich für den Deich nicht zuständig erklärt...

Es ist nicht verständlich. Bei der Geltinger Birk wird ein riesengroßes Naturschutzgebiet mit einem Deich geschützt und bei uns weiß man nicht, den Deich zu unterhalten, obwohl der Wert des dahinter liegenden Vermögens im Generalküstenplan mit knapp zehn Millionen Euro angesetzt ist.

Was wollen Sie gegen leerstehende Geschäfte unternehmen?

Ich werde im Frühjahr mit dem HGV (Handels- und Gewerbeverein) sprechen. Dann kann ich mit Vermietern reden. Doch letztlich muss der Markt da sein, man muss Nischen finden.

Befürchten Sie eines Tages die Schließung der Schule am Kegelberg?

Nein, die Angst habe ich nicht – wegen der Baugebiete, mit denen wir junge Familien in den Ort bekommen.

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