Flensburg : Es rumort in der Papierfabrik

Versammlung in der Gaststätte St. Knudsborg: Gewerkschaftssekretär Andreas Suß (l.) und Betriebsrat Jan Wollatz informieren über die aktuelle Lage.
Versammlung in der Gaststätte St. Knudsborg: Gewerkschaftssekretär Andreas Suß (l.) und Betriebsrat Jan Wollatz informieren über die aktuelle Lage.

Mitsubishi HiTec Paper wünscht sich einen „Beitrag von der Belegschaft“. Deshalb sind die Mitarbeiter an der Husumer Straße in Sorge.

Gunnar Dommasch von
29. Januar 2015, 12:00 Uhr

Flensburg | Der Parkplatz platzte aus allen Nähten. Doch es waren nicht die Gildebrüder mit den schwarzen Zylindern, die vorgestern an ihrem Stammsitz St. Knudsborg zusammenkamen. Vielmehr strömten über 100 Mitarbeiter von Mitsubishi HiTec Paper Europe in die Gaststätte am Munketoft. Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie hatte zu einer Mitgliedersammlung auf neutralem Boden geladen. Anlass ist die aktuelle Sorge um möglicherweise bevorstehende finanzielle Einbußen der Belegschaft in Flensburg – oder gar drastischere Einsparmaßnahmen.

Mehr als 700 Mitarbeiter sind bei dem Unternehmen beschäftigt, davon 215 fest Angestellte, 19 Auszubildende und etwa ein Dutzend Leiharbeiter im Flensburger Werk. Während der Standort Bielefeld rote Zahlen schreibt, sieht die Lage an der Husumer Straße wesentlich rosiger aus. Jetzt geht die Sorge um, dass man die Defizite in Bielefeld in irgendeiner Form auffangen müsse. „Aber das können wir natürlich nicht leisten“, stellt Betriebsratsvorsitzender Jan Wollatz klar. In der Tat hatte die Geschäftsführung im Rahmen einer Versammlung am Mittwoch vor einer Woche die Frage aufgeworfen, ob die Belegschaft einen Beitrag leisten könne – ohne dabei konkret zu werden.

Seitdem schießen die Spekulationen ins Kraut. Wird die Unternehmensführung von einer Öffnungsklausel im Tarifvertrag Gebrauch machen, die es erlaubt, in wirtschaftlicher Notlage das 13. Monatsgehalt zu streichen? Sind Arbeitsplätze an der Förde gefährdet? Steht gar der Standort Flensburg zur Disposition?

Gewerkschaftssekretär Andreas Huß gab sich alle Mühe, aufkommende Ängste im Keim zu ersticken. „Es gibt derzeit keinen Anlass für ein Krisenmanagement“, beschwichtigte er. „Man sollte Ruhe bewahren, auch wenn es schwer fällt.“

Es fällt schwer. Mitarbeiter erinnern sich noch zu gut daran, dass die Flensburger Papierfabrik bis 2010 eine eigenständige Gesellschaft war, bevor sie mit Bielefeld verschmolz. „Das hat uns etwa 20 Planstellen gekostet“, sagt Wollatz. Betroffen seien Einkaufs- und Entwicklungsabteilung, Buchhaltung und Leitungsfunktionen gewesen. Er verweist überdies darauf, dass seit Jahrzehnten gezahlte Prämien für die Produktionsmannschaft laut Betriebsvereinbarung aufgekündigt worden seien.

Einsparungseffekte gab es allein im Jahr 2013 durch Optimierungsvorschläge im Werk Flensburg von rund 200  000 Euro. „Die Mitarbeiter zeigten damit außerordentlich großes Engagement“, heißt es lobend auf der Homepage. Die derzeitige Lage ist aber alles andere als motivationsfördernd. Bei der am Dienstag über zwei Stunden dauernden Mitgliederversammlung – etwa 80 Prozent sind gewerkschaftlich organisiert – spürte man die Befürchtungen etwa von Familienvätern, ob sie im Fall von Einschnitten finanzieller Art noch ihren Lebensstandard oder ihre Altersvorsorge halten könnten.

Doch Jan Wollatz sieht momentan den Standort nicht in Gefahr, auch eine weitere Verlagerung von Arbeitsbereichen sei nicht in Sicht. Das bestätigt auch Geschäftsführer Gerhard Schoon: „Wir haben eine Ergebnislage, die nicht gewünscht ist“, sagte er gestern gegenüber unserer Zeitung. Gleichwohl sei weder an Kapazitätseinschränkungen noch an Personalabbau gedacht. Man wolle weiterhin in die Entwicklung neuer Produkte und in Material investieren. „Allerdings wissen auch wir nicht, was übermorgen ist.“ Wichtig sei jetzt, gemeinsam ein Zukunftskonzept zu diskutieren. „Es gibt keinen Grund“, so Schoon, „sich substanzielle Sorgen zu machen.“

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