Hotel- und Parkhaus-Planung in Flensburg : Es rumort am Hang des Mühlenteichs

Der Hang mit Buchen gehört großteils zum Grundstück: Blick aus der Gloyer-Villa auf den Firmenparkplatz der Post, die Bahnhofstraße und den Carlisle-Park
1 von 2
Der Hang mit Buchen gehört großteils zum Grundstück: Blick aus der Gloyer-Villa auf den Firmenparkplatz der Post, die Bahnhofstraße und den Carlisle-Park

Nachbarn an der Schleswiger Straße sind besorgt, dass eine geplante Parkpalette die Statik des sensiblen Geländes verändern könnte

shz.de von
28. Dezember 2017, 07:01 Uhr

Im Frühjahr 2016 kauft die Flensburger Künstlerin Frauke Gloyer die unter Denkmalschutz stehende Villa Schleswiger Straße 29. Die Jugendstilgebäude ist nicht irgendeine schicke Villa mit Fachwerk unterm Dach. Brauereibesitzer Emil Petersen persönlich hat sie 15 Jahre nach Brauereigründung 1903 oberhalb des Hangs bauen lassen – mit Blick hinab auf den damals unberührten Mühlenteich.

Malerin Gloyer (56) und ihr Lebensgefährte Thomas Gädeke (64), Kunsthistoriker auf Schloss Gottorf, haben die Villa vor anderthalb Jahren aus der in Kunstepochen sonst nicht bekannten Ära des Fitnessstudios erlöst. Seitdem haben die Kunstexperten zahllose kleinere Versäumnisse und Bausünden rückgängig gemacht, etwa Orginaltüren samt Jugendstil-Beschlägen und Türdrückern aufarbeiten lassen, die Schienen für Kraftsportgeräte an der Decke des Salons entfernt und überhaupt allerhand Originaldetails zum Leben erweckt. Im August ist Gädeke an der Schleswiger Straße eingezogen. Frauke Gloyer wohnt bislang nur hier, wenn sie nicht in ihrer Kate an der Westküste arbeitet.

Was die beiden Kunstliebhaber beim Kauf nicht wissen konnten: Eine Flensburger Investorengruppe plant auf dem benachbarten Gelände der Post an der Bahnhofstraße nicht nur ein Intercity-Hotel (wir berichteten), sie will am Hang an der Schleswiger Straße zudem eine fünfstöckige Parkpalette errichten, die die Nachbarn oben mit Sorge erfüllt. Dabei haben sich Gloyer und Gädeke nichts vorzuwerfen: Vor dem Kauf haben sie sogar den Schleswiger Geologen Roberto Hempel mögliche Gefährdungen der Hanglage für das 115 Jahre alte Haus prüfen lassen. Das Ergebnis fasst Gädeke so zusammen: „Alles in Ordnung, solange sich keine großen Baumaßnahmen auf dem Hang und den Grundwasserspiegel auswirken.“ Neben Erschütterungen durch Rammungen gehe es eben vor allem um Veränderungen des Wasserabflusses auf dem alten Mühlenteichgelände.

So hat Frauke Gloyer dem Investor Jan Duschkewitz per Einschreiben mit Rückschein und Datum 7. Dezember mitgeteilt, dass sie auf einem Beweissicherungsverfahren für die Villa und den Hang mit den alten Buchen bestehe. Antwort habe sie bis gestern nicht bekommen, eine Tageblatt-Anfrage von gestern blieb ebenfalls unbeantwortet.

Claus Kühne, seit vielen Jahren im Rude-Forum engagiert, wohnt auch in diesem Bereich der Schleswiger Straße, aber immerhin auf der anderen Straßenseite, so dass er persönlich den Hangrutsch nicht fürchten muss. Was er nicht verstehen kann: „Hier will man ein 100 Jahre belassenes Gebiet für ein Parkhaus opfern.“ Kühne fragt: „Warum wird auf den anderen Straßenseite, wo für die Feuerwehr am alten Hallenbad gebaut wird, keine Tiefgarage geplant?“

Stadtsprecher Clemens Teschendorf weist auf Tageblatt-Anfrage daraufhin, dass zwar bereits ein Aufstellungsbeschluss gefasst sei, es aber noch kein Baurecht gebe. Das Beweissicherungsverfahren bezeichnete Stadtsprecher Teschendorf als Dokumentation der Haus-Eigentümer gegenüber dem Bauherrn, um für rechtliche Schritte den Vorher-Zustand dokumentiert zu haben. Dass es sich hier um ein für bauliche Eingriffe sensibles Areal handele, sei der Stadt sehr wohl bewusst: „Es liegt auf der Hand, dass sich hier die Hangströme ändern.“ Anwohner Claus Kühne kann sich noch erinnern, hier als Kind nach Kriegsende an Bächen gespielt zu haben.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen